In Graz, im Herzen der Steiermark, wird gerade an einem Projekt gearbeitet, das die Energiezukunft der Stadt stark beeinflussen könnte. Das sogenannte „Energiewerk“ in der Puchstraße wird als Herzstück der Energieversorgung bezeichnet. Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein: Kritische Stimmen warnen vor der neuen Müllverbrennungsanlage, die mit Emissionen wie Schwermetallen und Feinstaub in Verbindung gebracht wird. Die Anlage ist darauf ausgelegt, jährlich 118.000 Tonnen Müll zu verbrennen. Um diese Menge zu erreichen, hat Graz Verträge mit Abfallverbänden in vier steirischen Bezirken – Graz-Umgebung, Leibnitz, Deutschlandsberg und Bruck-Mürzzuschlag – geschlossen. Ein wenig verwirrend ist der Begriff „steirischer Zentralraum“, der in diesem Zusammenhang verwendet wird, da er nicht alle Zulieferer umfasst.

Graz selbst produziert jährlich etwa 50.000 Tonnen Restmüll und 20.000 Tonnen Sperrmüll. Ein gewisser Restbedarf bleibt also; die Frage ist, ob die geplante Auslastung von 105.000 bis 110.000 Tonnen pro Jahr wirtschaftlich tragfähig ist. Projektleiter Michael Hierzenberger hat betont, dass die volle Leistung der Anlage nur an sehr kalten Wintertagen benötigt wird. Die Investitionskosten sind dabei nicht zu vernachlässigen: Rund 250 Millionen Euro werden für den Bau veranschlagt. Obwohl die Stadtverwaltung versucht, die Bürger vor zusätzlichen finanziellen Belastungen zu schützen, gibt es noch keine klare Aussage zur Erhöhung der Müllgebühren in Graz.

Der Weg zur Inbetriebnahme

Der Baubeschluss für die Anlage wird bis Ende 2026 erwartet, die Bauphase ist für die Jahre 2027 bis 2029 angesetzt, mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2030. Das Energiewerk soll jährlich circa 180 GWh Fernwärme erzeugen, was etwa 18% des Gesamtbedarfs der Stadt entspricht. Der Platzbedarf beträgt rund 20.000 m², wobei auch Verkehrs- und Grünflächen berücksichtigt werden. Diese Dimensionen sind nicht zu unterschätzen, und die Stadt Graz plant, dass die Anlage keine negativen Auswirkungen auf die Luftqualität haben soll.

Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist die Dekarbonisierungsstrategie für den Großraum Graz. Das Energiewerk Graz (EWG) soll dazu beitragen, die Unabhängigkeit von Erdgas zu erhöhen und die Luftqualität zu verbessern. Die Stadt Graz, das Land Steiermark, die Holding Graz, Energie Graz und Energie Steiermark sind als Projektpartner engagiert. Während Erdgas derzeit noch ein wesentlicher Energieträger für die Fernwärmeversorgung bleibt, sollen durch das EWG alternative Projekte zur Unabhängigkeit von Erdgasimporten realisiert werden.

Technische Fortschritte und Bürgerdialog

Die Machbarkeitsstudie für das Energiewerk ist bereits abgeschlossen, und die Umweltverträglichkeitsprüfung hat im Jahr 2023 begonnen. Man erwartet eine jährliche CO2-Einsparung von etwa 15.000 Tonnen durch reduzierte Gasimporte. Außerdem wird die Anlage nicht nur Fernwärme, sondern auch rund 50 GWh Strom produzieren. Hierbei kommen modernste Technologien wie Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmepumpen zum Einsatz.

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Ein weiterer Vorteil des EWG ist die Entlastung des Verkehrs. Durch die Nutzung von lokalen nicht recyclingfähigen Reststoffen sollen jährlich etwa 9.000 LKW-Fahrten eingespart werden. Und es gibt noch mehr erfreuliche Nachrichten: Durch das Projekt werden rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen. Um die Bedenken der Anwohner zu adressieren, wird ein proaktiver Bürger:innen-Dialog geführt, um Transparenz zu gewährleisten und Fragen sowie Anregungen zu beantworten.

Zusammen mit der energetischen Klärschlammverwertung (EKV), die nach modernstem Stand der Technik errichtet wird, sollen Emissionen beim Betrieb minimiert werden. Schall- und Staubemissionen werden durch die vollständige Einhausung aller Anlagenkomponenten vermieden, und auch Geruchsemissionen sollen durch eine spezielle Absaugung der Luft aus Lagerbereichen unter Kontrolle gehalten werden. Alle Aspekte werden im Rahmen der UVP objektiv und detailliert geprüft und die Anwohner erhalten rechtliche Positionen im Verfahren.

Insgesamt zeigt sich, dass das Energiewerk Graz ein bedeutendes Projekt für die Stadt ist, das nicht nur die Energieversorgung optimieren, sondern auch zur Verbesserung der Luftqualität beitragen soll. Die Sorge um Emissionen bleibt jedoch ein heißes Eisen, das nicht unbeachtet bleiben sollte. Die Zukunft wird zeigen, wie sich das Projekt entwickelt und ob es den hohen Erwartungen gerecht werden kann.