Heute ist der 3.06.2026 und in Graz-Umgebung gibt es drängende Fragen zur digitalen Infrastruktur. Hansjürgen Schmölzer, ein engagierter Dokumentarfilmer mit einer Produktionsfirma in der Elisabethinergasse, blickt mit Sorgen auf die aktuelle Situation. Um seine Arbeit effizient zu gestalten, ist er auf einen Glasfaseranschluss angewiesen. Leider ist dieser für ihn finanziell nicht tragbar – eine sechsstellige Summe würde es kosten, was als wirtschaftlich unmöglich erscheint. Citycom, das Unternehmen der Graz Holding, verwaltet zwar das Glasfasernetz in Graz, doch Geschäftsführer Ulfried Hainzl gesteht, dass es keinen umfassenden Plan für einen flächendeckenden Ausbau gibt; stattdessen konzentriert man sich auf punktuelle Erweiterungen.
Schmölzer fühlt sich in dieser Lage alleingelassen und fordert eine koordinierte Ausbauplanung, die auch den politischen Willen der Stadt benötigt. Diese Frustration ist nicht allein sein Schicksal. Morris Etienne Stux, Geschäftsführer von Hybrid Visuals, hat aufgrund der hohen Kosten für Glasfaser einen neuen Standort im Technopark Raaba wählen müssen. Die Neos, eine politische Partei in Graz, kritisieren die Stadtverwaltung scharf und werfen ihr „Planlosigkeit“ beim Glasfaserausbau vor. Sie fordern einen „Masterplan“, um die digitale Zukunft der Stadt zu sichern.
Die Herausforderung des Glasfaserausbaus
Die aktuelle Situation ist alarmierend. Graz hat zwar eine Glasfaser-Abdeckung von 65,6 Prozent der Haushalte, was im Mittelfeld der österreichischen Landeshauptstädte liegt, doch im Vergleich schneidet Innsbruck mit 82,3 Prozent und Salzburg mit 71,3 Prozent deutlich besser ab. Laut dem Glasfaserverband OFAA gibt es in Graz insbesondere bei höheren Bandbreiten einen Aufholbedarf. Umso dringlicher ist die Notwendigkeit, dass die Stadtverwaltung hier aktiv wird.
Schnelles Internet ist heutzutage unerlässlich – nicht nur für Dokumentarfilmer wie Schmölzer. Streaming, Videotelefonie und Home-Office sind ohne eine stabile und schnelle Verbindung kaum denkbar. VDSL und Kabel stoßen oft an ihre Kapazitätsgrenzen. Gerade in Zeiten von Home-Office und den durch die Corona-Pandemie verstärkten Anforderungen an digitale Kommunikationswege wird deutlich, wie wichtig eine zukunftssichere Lösung wie Glasfaser ist. Die Technik gilt als besonders robust, da sie neu in die Häuser verlegt werden muss und somit nicht von der Anzahl der angeschlossenen Haushalte abhängt – ein häufiges Problem bei Kabel-Internet.
Investitionen für die Zukunft
Im Jahr 2026 plant die Graz Holding eine Investition von zwei Millionen Euro in den Glasfaserausbau. Doch das ist eine Reduzierung im Vergleich zum Vorjahr und wirft Fragen auf, ob dies ausreicht, um die bestehende digitale Lücke zu schließen. Die Mehrheit des Glasfaserausbaus in Graz erfolgt privatwirtschaftlich, weshalb Fördermittel oft nur für einige Stadtränder zur Verfügung stehen. Verbraucher sind in dieser Situation gefordert, ihre Verträge sorgfältig zu prüfen und genau zu überlegen, ob der Anbieter tatsächlich ausbaut und ob die angebotene Bandbreite ihren Bedürfnissen entspricht.
In einer Zeit, in der schnelles Internet nicht mehr als Luxus, sondern als Grundbedürfnis betrachtet wird, ist es an der Zeit, dass Graz aus der digitalen Lethargie erwacht. Ein Masterplan könnte die Lösung sein, um die Stadt nicht nur für Unternehmen wie Schmölzers, sondern auch für alle Bewohner zukunftssicher zu machen. Die Frage bleibt, ob die politischen Entscheidungsträger die Dringlichkeit erkennen.
