In der idyllischen Region Graz-Umgebung haben sich die Gemeinden Gratwein-Straßengel und St. Oswald zu einem interkommunalen Vernetzungstreffen versammelt, um über ein Thema zu diskutieren, das uns alle betrifft: die Gesundheit und Pflege der Bevölkerung. Anlässlich des bevorstehenden Endes des Community-Nursing-Projekts Mitte 2026 fanden sich Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege und Sozialarbeit in der Mehrzweckhalle Gratwein zusammen, um Lösungen für die langfristige Sicherung der regionalen Versorgung zu erarbeiten. Die Herausforderungen in diesem Bereich sind nicht zu unterschätzen – ein Mangel an Ressourcen und ein bürokratisches Dickicht sind nur einige der Hürden, die es zu überwinden gilt.
Bürgermeisterin Doris Dirnberger nahm die Gelegenheit wahr, den Community Nurses Karin Prisching und Helga Haberfellner für ihre herausragende Arbeit zu danken. Diese beiden Fachkräfte haben mit ihren Angeboten, wie kostenlosen präventiven Hausbesuchen ab 75 Jahren, Beratung zur Sturzvorsorge und Medikamentenmanagement, Maßstäbe in der Gesundheitsvorsorge gesetzt. Zudem appellierte Dirnberger an die regionale Gesundheitspolitik, eine Pflegedrehscheibe für Graz-Umgebung Nord einzurichten und forderte die Schaffung eines Facharztzentrums in Hörgas, wie im regionalen Strukturplan Gesundheit 2030 angekündigt. Ab Juli 2026 wird zudem Diplomkrankenpflegerin Denise Herko wöchentliche Pflegeberatungen im Generationenhaus in Gratwein anbieten, wobei die Marktgemeinde Gratwein-Straßengel die Kosten für die Erstberatungen übernimmt. Weitere Informationen zu diesem wichtigen Thema finden Sie in einem Artikel auf meinbezirk.at.
Der Weg der Community Health Nurses
Die Idee des Community Health Nursing, die in Österreich Fuß gefasst hat, ist nicht neu. Seit 2017 wird in Deutschland an der Etablierung dieses Berufsbildes gearbeitet, unterstützt von der Agnes-Karll-Gesellschaft und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Das Konzept hat sich bereits in Ländern wie Kanada und Finnland bewährt und zielt darauf ab, die primäre, wohnortnahe Gesundheitsversorgung zu verbessern. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in der Pflege sowie der Zunahme von Zivilisationskrankheiten ist dies wichtiger denn je.
Community Health Nurses agieren als akademisch qualifizierte Ansprechpartner:innen für Gesundheitsfragen und unterstützen Menschen in allen Lebenslagen bei der Bewältigung ihres Alltags. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst nicht nur die Beratung und das Therapiemanagement, sondern auch die Begleitung von Patient:innen mit chronischen oder psychischen Erkrankungen. Sie helfen, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken und führen Routineuntersuchungen durch. Dies ist besonders wichtig in ländlichen Regionen, wo Hausärzt:innen oft rar sind und viele Menschen Schwierigkeiten haben, sich im wachsenden Angebot an Gesundheitsinformationen zurechtzufinden.
Ein Blick in die Zukunft
Das Konzept des Community Health Nursing wird in Deutschland fortlaufend entwickelt und soll insbesondere in patientenorientierten Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung (PORT-Zentren) eine Schlüsselfunktion einnehmen. Die Erstellung von Curricula für Masterstudiengänge in diesem Bereich wurde bereits an mehreren Hochschulen initiiert, um Pflegefachpersonen weiterzubilden und auf die Herausforderungen des Gesundheitswesens besser vorzubereiten. Ab dem Wintersemester 2020 können Studierende an der Universität Witten-Herdecke, der Katholischen Stiftungshochschule München und der Evangelischen Hochschule Dresden den Masterstudiengang Community Health Nursing aufnehmen, gefördert durch ein Zuwendungsprogramm der Robert Bosch Stiftung.
Die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Gesundheitswesen zeigen, wie wichtig es ist, die primäre Gesundheitsversorgung zu stärken und innovative Ansätze wie das Community Health Nursing zu fördern. Der Austausch und die Vernetzung zwischen den Gemeinden, Fachkräften und der Politik sind entscheidend, um die Gesundheitsversorgung in der Region Graz-Umgebung nachhaltig zu sichern.