Mountainbiken in Graz-Umgebung: Konflikte und Lösungen im Wald
Heute ist der 24.06.2026, und in Graz-Umgebung stehen die Zeichen auf Veränderung. Die Premiere der Veranstaltungsserie „Hofgespräche“ des Bezirksbauernbund Graz-Umgebung hat in dieser Woche ein wichtiges Thema aufgegriffen: Mountainbiker in den Wäldern und deren Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft. Ein Thema, das nicht nur die Landwirte selbst betrifft, sondern auch viele Freizeitnutzer, die die Natur genießen wollen.
Bezirksobmann Johannes Wieser machte klar, dass gesetzlich im Wald nur die Naturnutzung zu Fuß erlaubt ist. Radfahren? Das ist ohne Zustimmung des Eigentümers verboten! Diese Regelung sorgt immer wieder für Konflikte. Gerald Löffler, Landeskammerrat und Bauer in Graz-Mariatrost, berichtete von Wochenenden, an denen bis zu 300 Mountainbiker auf seinem Grund unterwegs sind – und das ohne genehmigte Radstrecke. Es ist kein Wunder, dass sich die Situation zuspitzt. Auch LK-Präsident Andreas Steinegger äußerte Bedenken über den mangelnden Respekt mancher Hobbysportler vor dem Eigentum anderer.
Verständnis für die Rechtslage schaffen
Markus Pekoll, der steirische Mountainbike-Koordinator, sieht in der Veränderung der gesellschaftlichen Einstellung einen weiteren Grund für die Probleme. Immer weniger Menschen haben den Bezug zur Land- und Forstwirtschaft, was zu Missverständnissen führt. Solche Missverständnisse dürften auch in Deutschland bekannt sein, wo Konflikte zwischen Mountainbikern, Wanderern und Forstpersonal häufig auf unklare Rechtslagen zurückzuführen sind. Hier ist eine fundierte Auseinandersetzung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen gefragt.
Ein Beispiel aus Baden-Württemberg ist die 2-Meter-Regel, die das Radfahren nur auf Wegen mit mindestens zwei Metern Breite erlaubt. Das führt im Klartext dazu, dass Mountainbiker auf schmalen Pfaden, den beliebten Singletrails, nicht fahren dürfen. Ein Umstand, der womöglich auch in der Steiermark relevant werden könnte, wenn es darum geht, rechtliche Grundlagen zu klären. Die Diskussion über die Rechte und Pflichten von Radfahrern ist also nicht nur lokal, sondern auch überregional von Bedeutung.
Die Lösung? Genehmigte Radstrecken
Eine mögliche Lösung könnte in der Schaffung genehmigter Radstrecken liegen, mit Verträgen zwischen Radfahrern und Grundbesitzern. In der Steiermark gibt es bereits 185 ausgewiesene Mountainbike-Routen mit einer Gesamtlänge von 4.500 km, wovon 800 km Forststraßen und 137 Mountainbike-Trails sind. Neu eröffnet ist eine Strecke bei den Holzmeisterliften auf der Sommeralm, die mit fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden aufwartet. Radfahrer können hier sogar mit einem Schlepplift zu den Trails am Gipfel transportiert werden.
Die Frage ist, wie man eine gute Zusammenarbeit zwischen Forstleuten und Mountainbike-Vereinen aufbauen kann, um offizielle Trails zu schaffen. Pekoll betont die Wichtigkeit des gemeinsamen Gesprächs zur Besucherlenkung. In Österreich wurden zwischen 2016 und 2025 schätzungsweise 1,6 Millionen E-Bikes verkauft. Da ist es kein Wunder, dass etwa 20% der Sommertouristen in der Steiermark wegen Radfahrens anreisen.
Natürlich muss man auch die Sicherheit im Wald im Blick behalten. Beispielsweise sind Nachtfahrten in vielen Landeswald- und Jagdgesetzen untersagt, um Wildtiere zu schützen. Bei Begegnungen auf schmalen Pfaden sollten Mountainbiker vorsichtig fahren und Rücksicht auf Wanderer nehmen. Schließlich geschieht das Betreten des Waldes grundsätzlich auf eigene Gefahr, und Waldbesitzer haften nicht für waldtypische Gefahren.
Ein Appell an alle Radfahrer: Die Wahl der richtigen Ausrüstung, das Verständnis für die geltenden Regeln und die Achtung der Natur können viel dazu beitragen, Konflikte zu vermeiden. Auch wenn das Mountainbiken ein wunderbarer Sport ist, sollte immer der respektvolle Umgang mit der Umwelt und den Mitmenschen im Vordergrund stehen.
Es bleibt spannend, wie sich die Diskussion um das Mountainbiken in den Wäldern weiterentwickeln wird und ob es gelingt, eine Balance zwischen den verschiedenen Interessen zu finden. Vielleicht sind die „Hofgespräche“ der erste Schritt in die richtige Richtung.
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