In der kleinen Bäckerei in Sankt Johann bei Herberstein endet eine Ära. Karin Schneider, gebürtige Pötz, hat 45 Jahre lang in der Backstube gewirbelt. Gemeinsam mit ihrem Mann arbeitete sie unermüdlich bis zu 16 Stunden am Tag – oft sieben Tage die Woche. Die Aufgaben waren klar verteilt: Während Karin die köstlichen Backwaren zauberte, kümmerte sich ihr Mann um die Auslieferung und die administrativen Belange. Die Familie Pötz kann auf eine beeindruckende 120-jährige Backtradition zurückblicken.

Karin begann bereits im zarten Alter von 15 Jahren in der Bäckerei ihrer Mutter zu arbeiten und führte diese in dritter Generation. Mit 60 Jahren wollte sie eigentlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen, doch ein unglücklicher Vorfall – sie brach sich die Hand in der Bäckerei – beschleunigte die Pläne um drei Monate. Ihr Mann riet ihr, die Arbeit hinter sich zu lassen, da die Belastungen für ihren Körper immer größer wurden. „Aufstehen um Mitternacht war Standard“, erzählt Karin, und bestätigt damit die körperlichen Herausforderungen, die das Bäckerhandwerk mit sich bringt.

Ein Abschied von der Backtradition

Der Sohn der Schneiders hat sich entschieden, nicht in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten und wählte einen anderen Beruf. Das Ehepaar hat keinen Nachfolger für die Bäckerei gesucht, da sie nicht nach einem Pächter Ausschau halten wollten. Sie schätzten die engen Kontakte zu ihren Kunden und die geselligen Stunden im Kaffee-Eck der Backstube, die für viele ein Ort der Begegnung waren. Viele Stammgäste und Kunden haben sich mit Danksagungen und guten Wünschen bedankt, was die Schneiders sehr berührt hat.

Die Backstube wird bald ausgeräumt, und die Geräte sollen verkauft werden. Dennoch ist Karin überzeugt, dass die Region gut aufgestellt ist, auch wenn ihre Backwaren einzigartig waren. Die Veränderungen in der Bäckerei sind nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Verweis auf die Tradition, die in Deutschland und Österreich tief verwurzelt ist.

Die Vielfalt der Brotkultur

Die deutsche Brotkultur, die 2014 von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, spiegelt die Vielfalt und das Können der Bäcker wider. In Deutschland gibt es über 3.200 verschiedene Brotsorten, die auf bodenkundlichen und klimatischen Voraussetzungen sowie historischen und geografischen Entwicklungen basieren. Der Einsatz von Urgetreidearten wie Einkorn, Emmer und Dinkel zeigt sich in der Weiterentwicklung des Brotes, das zunehmend kreativ und abwechslungsreich wird.

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Die Beliebtesten unter den Brotsorten sind Toastbrot, Mischbrote aus Weizen- und Roggenmehlen, sowie Brote mit Körnern und Saaten. Pro Haushalt werden in Deutschland jährlich rund 56 Kilogramm Brot und Backwaren konsumiert. Der aktuelle Stand der Bäckerei-Meisterbetriebe in Deutschland ist mit etwa 9.600 Betrieben und rund 35.000 Filialen beachtlich.

Ein Erbe der Bäcker

Die Bäcker in Deutschland haben im Laufe der Jahrhunderte umfangreiche Kenntnisse über Rohstoffe und Backtechnologien erworben. Die „Bäckerwalz“ ermöglicht es jungen Bäckern, ihr Wissen weltweit zu verbreiten und neue Fertigkeiten aus anderen Ländern zu erlernen. So bleibt die Brotkultur nicht nur lebendig, sondern erhält auch einen neuen Schub durch Innovation und Tradition.

Die Entscheidung von Karin Schneider und ihrem Mann, die Bäckerei zu schließen, markiert nicht nur das Ende einer langen Tradition, sondern ist auch ein Zeichen für den Wandel in der Bäckerbranche. Die Wertschätzung ihrer einzigartigen Backwaren und der persönlichen Verbindung zu ihren Kunden wird in der Region weiterhin bestehen bleiben, während sich die Brotkultur dynamisch weiterentwickelt.

Für weitere Informationen über die deutsche Brotkultur und deren Vielfalt besuchen Sie bitte diese Seite.