Die Situation im Bezirk Liezen ist angespannt. Lange Wartezeiten bei den Ärzten, unbesetzte Stellen und ein Mangel an Therapieangeboten setzen die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung unter Druck. Besonders die SPÖ Liezen hat während ihrer Bezirkstour auf diese alarmierenden Versorgungslücken aufmerksam gemacht. Von insgesamt 43 Planstellen für Familien- und Allgemeinmedizin sind derzeit 2 unbesetzt. Das ist schon ein besorgniserregender Zustand, oder? Auch im Bereich der Hautärzte sieht es düster aus: Beide Stellen sind unbesetzt. Bei den Frauenärzten wird es noch kniffliger, denn nur eine von drei Stellen ist aktuell besetzt.

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat zwar eine Lösung parat, indem sie die gynäkologische Versorgung durch die Ambulanz in Rottenmann abdeckt, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auf der anderen Seite gibt es bei den Kassenzahnärzten 7 unbesetzte Stellen von insgesamt 26, wobei für 2 dieser Stellen bereits Bewerber vorhanden sind. Aber auch im therapeutischen Bereich sieht es mau aus – Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Klinische Psychologie sind alles Bereiche, die von unbesetzten Stellen betroffen sind.

Demografische Herausforderungen

Ein weiterer Aspekt, der die Lage verschärft, ist das hohe Alter vieler Hausärzte im Bezirk. Mehr als die Hälfte ist bereits über 55 Jahre alt, und das ist nicht gerade eine gute Nachricht für die künftige Gesundheitsversorgung. Auch alle Augenärzte sowie die einzige besetzte Frauenarztstelle werden von Ärzten betreut, die bald in den Ruhestand gehen könnten. Bürgermeister Thomas Reingruber hat die Problematik auf Gemeindeebene betont und die Anstrengungen der Kommunen zur Ärztegewinnung hervorgehoben. Es ist offensichtlich, dass hier dringend gehandelt werden muss.

Die SPÖ-Bezirksvorsitzende Mario Lindner hat die unzureichende Gesundheitsversorgung scharf kritisiert. Er fordert eine schnellere und umfassendere Unterstützung durch das Land Steiermark. In diesem Kontext haben sich die Gesundheitslandesräte in Österreich darauf verständigt, die Verantwortung für den niedergelassenen Bereich im Zuge der Gesundheitsreform zu übernehmen. Landesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) hat zudem die Notwendigkeit betont, schnellere Termine und Behandlungen zu ermöglichen.

Die Notwendigkeit von Reformen

Doch die Reformen im Gesundheitswesen sind alles andere als einfach. Stakeholder können sich oft nur auf kleine Schritte einigen. Zwei grundlegende Probleme sind die fragmentierte Finanzierung und die unklare Zuständigkeit. Das betrifft nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch die Verwaltung, Qualitätskontrollen und sogar die Ausbildung von medizinischem Personal. Viele einflussreiche Akteure – von Bund bis zu Sozialversicherungsträgern – führen dazu, dass Reformen oft nur minimal umgesetzt werden und Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, in Anspruch nehmen. Ein bisschen ironisch, wenn man bedenkt, dass während der Pandemie rasch Fortschritte erzielt wurden, beispielsweise bei der Einführung des E-Impfpasses.

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Leider ist der Schwung für Reformen nach der Pandemie wieder abgeebbt. Eine der wichtigen Erkenntnisse lautet: Es mangelt an Datenverfügbarkeit im Gesundheitswesen. Datenschutz wird oft als Ausrede für die fehlende Digitalisierung herangezogen, obwohl eine große Mehrheit der Bevölkerung der Nutzung pseudonymisierter Daten offen gegenübersteht. Das Gesundheitssystem ist stark auf akute Erkrankungen und Reparaturmedizin ausgelegt, während präventive Maßnahmen und die Behandlung chronischer Leiden oft zu kurz kommen. Ein Beispiel: Eine Verbesserung der Luftqualität in Innenräumen könnte die Übertragung von Atemwegsinfektionen reduzieren und somit die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung erhöhen.

Die Herausforderungen im Bezirk Liezen sind also vielfältig und komplex. Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen auf diese alarmierenden Entwicklungen reagieren werden. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region hängt von schnellen und effektiven Maßnahmen ab – und die Zeit drängt.

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