In der Südoststeiermark hat sich kürzlich ein spannendes Projekt in Gang gesetzt: Rund 35 Menschen aus der Region trafen sich in der Mittelschule Straden zum zweiten Workshop der Initiative DorfUni. Im Fokus dieses Workshops stand das Thema „Mitmachräume“, die als „dritte Orte“ fungieren sollen. Ziel ist es, in den nächsten fünf Jahren fünf solcher Begegnungsräume zu schaffen, die in Kapfenstein, Bad Gleichenberg, Bad Radkersburg und Mureck entstehen sollen. Bürgermeister Anton Edler hob die Bedeutung dieser Initiative hervor, welche den Selbstwert der Bürger stärkt und Räume für individuelle sowie gemeinschaftliche Entwicklung schafft. Die Teilnehmer diskutierten in vier Arbeitsgruppen über wichtige Themen, darunter die Attraktivität der Region für Rückkehrer und Neuzuzügler sowie den Dialog zwischen den Generationen.
Dritte Orte sind öffentliche Treffpunkte, die Begegnung, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Der Begriff stammt vom Soziologen Ray Oldenburg und beschreibt Orte, die das Zuhause (erster Ort) und den Arbeitsplatz (zweiter Ort) ergänzen. Sie sind niedrigschwellig zugänglich, gemeinwohl-orientiert und fördern Begegnungen zwischen Menschen, die sich im Alltag selten treffen. Beispiele hierfür sind Bibliotheken, Kulturzentren und leerstehende Gebäude. Dritte Orte sind essenziell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, da sie persönliche Begegnungen ermöglichen und den Austausch über soziale, kulturelle und generationelle Grenzen fördern.
Diverse Projektideen und deren Umsetzung
Im Rahmen des Workshops entstanden vielfältige Projektideen. Dazu gehören Kreativwerkstätten in leer stehenden Gebäuden, Citizen-Science-Projekte mit Schulen, Waldgärten als Gemeinschaftsprojekte und ein dezentrales Kommunikationsnetzwerk für Krisenfälle. Diese Ideen sollen nicht nur das Gemeinschaftsgefühl stärken, sondern auch die Resilienz der Region in Krisensituationen fördern. Projektkoordinatorin Silvia Brandi kündigte an, dass die besten Ideen bis Juli ausgewählt werden müssen. Bei Genehmigung könnte die Umsetzung bereits im Herbst beginnen, mit dem Ziel, eine Landkarte möglicher Partner und Kooperationsmöglichkeiten zu erstellen.
Die Bedeutung von Dritten Orten wird auch durch ein Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) unterstrichen, das sich mit der Stärkung des Gemeinwesens durch Dritte Orte beschäftigt. Dieses Projekt, das im Dezember 2024 gestartet wurde und bis Ende 2026 läuft, untersucht verschiedene Aspekte der Gestaltung und Nutzung von Dritten Orten. Ziel ist es, die soziale Teilhabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu fördern und die lokale Demokratie zu stärken.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit als Chance
Die Initiative in der Südoststeiermark sieht auch eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Slowenien vor, die als Potenzial für eine Bioregion betrachtet wird. Solche Kooperationen können helfen, die Gemeinschaft weiter zu stärken und den Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern.
Insgesamt zeigt das Projekt der DorfUni, wie wichtig Dritte Orte für das gesellschaftliche Miteinander sind. Sie bieten nicht nur Raum für gemeinsames Lernen und Arbeiten, sondern sind auch Orte des Austauschs, die den demokratischen Dialog fördern. Durch die Schaffung dieser Begegnungsräume wird die Region nicht nur attraktiver für Rückkehrer und Neuzuzügler, sondern auch resilienter gegenüber zukünftigen Herausforderungen.
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