Sichtbarkeit und Gleichstellung von Bäuerinnen in der Steiermark
In der malerischen Region Weiz, wo saftige Wiesen und blühende Felder die Landschaft prägen, steht in diesen Tagen die Woche der Landwirtschaft im Mittelpunkt. Sie beleuchtet ein Thema, das oft nur am Rande erwähnt wird: die Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft. Die Rolle der Bäuerinnen, insbesondere in den Bezirken Hartberg-Fürstenfeld und Weiz, wird hier besonders gewürdigt. Laut der Landwirtschaftskammer tragen Bäuerinnen erheblich zur Zukunft der Landwirtschaft bei – unter dem Motto: „Wo Bäuerinnen wirken, wächst Zukunft“. Und das ist keine leere Phrase!
Die Steiermark sticht mit einem besonders hohen Anteil an Betriebsleiterinnen hervor – 38 % sind es hier, was über dem österreichischen Durchschnitt von 36 % liegt. In Weiz gibt es insgesamt 2.600 Betriebe, die diesen erfreulichen Trend widerspiegeln. Ursula Reiter, die Landesbäuerin aus Gleisdorf, bringt die Interessen der Bäuerinnen auf den Punkt und zeigt, wie wichtig deren Stimme ist. Quereinsteigerinnen wie Julia Flicker aus St. Kathrein am Offenegg bringen frischen Wind in die altehrwürdigen Betriebe. Die 30-Jährige, die früher als Köchin und Kellnerin arbeitete, hat sich nun technisches Know-how angeeignet und ist der Überzeugung, dass ihre Aufgaben weit über die Küche hinausgehen.
Die Vielfalt der Bäuerinnen
Und dann gibt es da noch Kerstin Radl aus Hartl. Diese 32-Jährige hat sich in den Bereichen Gemüsebau und Bio-Mutterkuhhaltung einen Namen gemacht. Ihr Engagement zeigt, dass Bäuerinnen nicht nur im Hintergrund agieren, sondern auch aktiv das öffentliche Bild verändern. Radl betont die positive Entwicklung, die sich in der Wahrnehmung von Bäuerinnen vollzieht. Ihre Familie führt den Hof gemeinsam, und der Einfluss der Frauen ist deutlich spürbar. Das ist ein schönes Beispiel für gelebte Gleichberechtigung im ländlichen Raum.
Weizer LK-Bezirksobmann Josef Wumbauer steht hinter diesen Quereinsteigerinnen und unterstützt sie mit Serviceleistungen und Weiterbildungsoptionen. Er fordert zudem mehr Fördermittel für die Landwirtschaft, besonders in Bezug auf Infrastruktur und Anbindung. Es wird deutlich, dass die Herausforderungen vielfältig sind – von der Finanzplanung bis hin zu den alltäglichen Aufgaben auf dem Hof.
Unsichtbare Leistungen und Herausforderungen
Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft oft unsichtbar bleiben. Nur 11 % sind offiziell als Betriebsleiterinnen registriert, obwohl 72 % der Frauen an strategischen Entscheidungen beteiligt sind. Sie tragen Verantwortung für Finanzen und Buchhaltung, und das oft unter dem Druck traditioneller Rollenbilder und rechtlicher Hürden. Gerade in Krisensituationen, wie bei Trennung oder dem Verlust des Partners, wird deutlich, wie wichtig eine faire Arbeitsverteilung und individuelle Absicherung sind. Burnout-Risiken zeigen, dass viele Frauen an ihren Grenzen arbeiten – die Vereinbarkeit von Familie und Betrieb wird zur echten Herausforderung.
Die Studie, durchgeführt vom Thünen-Institut und der Uni Göttingen im Auftrag des Deutschen Landfrauenverbands, liefert wichtige Erkenntnisse zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft. Es wird gefordert, die Gleichstellung in diesem Bereich gezielt zu fördern und die Lebensqualität der Bäuerinnen durch mehr Planungssicherheit und Unterstützung zu verbessern. Denn eines ist klar: Die Verbundenheit zur Natur und die familiären Strukturen sind für viele Frauen in der Landwirtschaft von unschätzbarem Wert.
Die Bemühungen um Sichtbarkeit und Gleichstellung von Bäuerinnen in der Steiermark sind ein Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt zu hoffen, dass diese positiven Entwicklungen anhalten und die Leistungen der Frauen in der Landwirtschaft endlich die Anerkennung finden, die sie verdienen. Der Weg ist noch lange, aber die ersten Schritte sind gemacht.
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