Finanzfrau in Feldbach: Wie Frauen finanzielle Unabhängigkeit aufbauen
Im Bundesschulzentrum Feldbach drehte sich bei der Veranstaltungsreihe „Finanzfrau“ alles um Geld – und um die Frage, wie Frauen und Mädchen finanziell selbstbestimmt bleiben können. Rund 200 Besucherinnen und Besucher nahmen an dem Abend teil. Auf dem Programm standen Vorträge, ein Podiumsgespräch, interaktive Elemente und ein Gleichstellungsquiz.
Initiatorin der Reihe ist Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom. Als Ehrengäste kamen Nationalratsabgeordnete Agnes Totter und Feldbachs Bürgermeister Josef Ober. Die Veranstaltung wurde vom Land Steiermark gefördert und gemeinsam mit den steirischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen umgesetzt. In Feldbach war die Frauen- und Mädchenberatungsstelle Innova Kooperationspartnerin.
Konkrete Tipps statt trockener Theorie
Julia Strablegg-Muchitsch, Koordinatorin für Finanzbildung der Schuldnerberatung Steiermark, gab praktische Hinweise zur Einnahmen-Ausgaben-Planung, zum Umgang mit Geld in Beziehungen und zu typischen finanziellen Stolpersteinen. Es ging also nicht nur um große Begriffe, sondern um Fragen, die im Alltag schnell unangenehm werden können: Wer zahlt welche Fixkosten? Gibt es eigene Konten? Wie spricht man über Kredite?
Fünf Grundregeln werden im Projekt „Finanzfrau“ besonders hervorgehoben: das persönliche Pensionskonto regelmäßig prüfen, Einnahmen und Ausgaben dokumentieren, in der Beziehung offen über Geld reden, einen Notgroschen und Sparziele aufbauen sowie vor wichtigen Lebensentscheidungen die langfristigen finanziellen Folgen bedenken – etwa bei Vollzeit- oder Teilzeitarbeit und bei einer beruflichen Ausbildung.
Eine weitere Keynote der Arbeiterkammer widmete sich den Fragen von Gleichstellung und Unabhängigkeit. Am Podium saßen Claudia DiMaggio von der Arbeiterkammer Fürstenfeld, Clara Bacher vom Arbeitsmarktservice Feldbach, Celina Dohr von der Wirtschaftskammer Steiermark und „Frau in der Wirtschaft“, Petra Zehetleitner-Ruderer von der Raiffeisen-Landesbank Steiermark sowie Katharina Krusch-Batruel von der Pensionsversicherungsanstalt Steiermark.
Eine Reihe mit vielen Stationen
„Finanzfrau“ versteht sich als Reihe von Informationsveranstaltungen zum Start in eine neue finanzielle Zukunft. Die Ziele reichen von finanzieller Unabhängigkeit über eine bessere Altersvorsorge und die Verringerung des Risikos von Altersarmut bis zu einem finanziellen Polster für Notlagen. Der Eintritt ist kostenlos. Die Veranstaltungen 2025 wurden auf Initiative von Manuela Khom vom Land Steiermark gefördert. Durchgeführt wurde das Projekt von Novum in Zusammenarbeit mit Innova und Akzente sowie als Kooperationsprojekt mit dem Dachverband der steirischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen.
Die regionalen Informationsabende hatten einen ähnlichen Ablauf, bei Podiumsteilnehmerinnen und musikalischer Umrahmung gab es Anpassungen. Mag.a Petra Rudolf moderierte. Als Keynotes waren 2025 Mag.a Birgit Brater von A1 Telekom Austria AG und Mag.a Melanie Gößler von der AK Steiermark, Konsumentenschutz, vorgesehen. Im Gespräch saßen HRin Mag.a Alexandra Nagl aus der Fachabteilung Gesellschaft, Mag.a Gertrude Pucher, Direktorin der PVA Steiermark, Yvonne Popper-Pieber, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Steiermark, Mag.a Bernadette Pöcheim, Leiterin der Abteilung Frauen und Gleichstellung der Arbeiterkammer, Mag.a Petra Zehetleitner-Ruderer, Mag.a Julia Strablegg-Muchitsch, eine Vertreterin einer Frauenberatungsstelle, eine Vertreterin von Novum, Akzente oder Innova sowie Mag.a Gabriele Lechner, Vorsitzende von FiW und Vizepräsidentin der WKO Steiermark.
Für die musikalische Unterhaltung sorgten 2025 die SCHICK SISTERS, danach folgte ein Get-together mit Buffet und Getränken. In Feldbach übernahm dagegen die Schulband des BRG/BORG Feldbach die musikalische Umrahmung; Schülerinnen und Schüler der HLW Feldbach kümmerten sich um die Verpflegung.
Die Reihe machte bereits an zahlreichen Orten Station. 2023 gab es am 14.11. um 18:00 Uhr eine Veranstaltung im Veranstaltungszentrum Judenburg. 2024 folgten am 18.01. um 18:00 Uhr der Arbeiterkammersaal Leibnitz, am 25.01. um 18:00 Uhr der Stadtsaal Bruck/Mur, am 21.03. um 18:00 Uhr der Arbeiterkammersaal Feldbach, am 16.04. um 18:00 Uhr Maxoom Hartberg, am 04.06. um 18:00 Uhr das Kulturhaus Liezen und am 03.07. um 18:00 Uhr die Aula der BHAK/BHAS Voitsberg.
Für 2025 waren der 13. Februar um 18:00 Uhr im Arbeiterkammersaal Weiz, der 10. März um 18:00 Uhr in der Aula der BHAK/BHAS Deutschlandsberg und der 7. April um 18:00 Uhr im Arbeiterkammersaal Murau angesetzt. Anmeldungen liefen für Weiz über office@innova.or.at oder 03152 395 54-0, für Deutschlandsberg über office@akzente.or.at oder 03142 93030 und für Murau über office@novum.co.at oder 0664 885 003 77.
Die Nachschau führt zu Präsentationen und Fotos aus Judenburg vom 14.11.2023, Leibnitz vom 18.01.2024, Bruck/Mur vom 25.01.2024, Feldbach vom 21.03.2024, Hartberg vom 16.04.2024, Liezen vom 04.06.2024 und Voitsberg vom 03.07.2024. Für Feldbach und Hartberg gibt es Fotos in zwei Teilen. Dazu kommen Weiz vom 13.02.2025 und Deutschlandsberg vom 10.03.2025 mit Präsentation und Fotos sowie Murau vom 07.04.2025 mit Präsentation und Video.
Auch Gesprächsvideos sind abrufbar – unter anderem mit Anny-Lori Sperl, Alexandra Nagl, Petra Zehetleitner-Ruderer, Gabriele Lechner, Kathrin Kleindienst-Resler, Bernadette Pöcheim, Gertrude Pucher und Julia Strablegg-Muchitsch.
Vom ersten Gehalt bis zur Pension
In den Jahren 2023 und 2024 moderierte ebenfalls Mag.a Petra Rudolf. Mag.a Christine Mayrhuber vom WIFO hielt ihre Keynote in Judenburg, Leibnitz, Bruck/Mur und Feldbach. Larissa Kravitz von Investorella war in Judenburg, Hartberg, Liezen und Voitsberg dabei, Katharina Herzog von Moneycare in Feldbach, Mag.a Birgit Brater von A1 Telekom Austria AG in Liezen sowie Martina Ernst, MBA, von Salary Negotiations in Hartberg und Voitsberg.
Zu den damaligen Gesprächsteilnehmerinnen zählten Simone Schmiedtbauer, Landesrätin für Frauen des Landes Steiermark, HRin Mag.a Alexandra Nagl, Mag.a Bernadette Pöcheim, Mag.a Gertrude Pucher, Yvonne Popper-Pieber, Mag.a Petra Zehetleitner-Ruderer und Mag.a Julia Strablegg-Muchitsch. Ebenfalls beteiligt waren Vertreterinnen von Frauenberatungsstellen sowie von Novum, Freiraum, FMB Obersteiermark-Ost, Innova, FMB Hartberg-Fürstenfeld, Philomena und Akzente.
Finanzbildung beginnt dabei nicht erst kurz vor der Pension. Sie reicht vom ersten eigenen Einkommen bis zur privaten Altersvorsorge und zur finanziellen Absicherung im Alter. Gemeint ist die Fähigkeit, Finanzangelegenheiten zu verstehen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen: Finanzwissen als theoretische Grundlage, Finanzverhalten im täglichen Umgang mit dem eigenen Geld und die finanzielle Einstellung – also etwa die Neigung, Geld sofort auszugeben oder lieber zu sparen.
Nach einer OECD-Feststellung aus dem Jahr 2021 verfügen Frauen in Österreich durchschnittlich über weniger Finanzbildung als Männer. Der größte Geschlechterunterschied zeigt sich beim Finanzwissen. Dazu gehört mehr als Wissen über Finanzprodukte: Auch die realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Lage, der Überblick über Einnahmen und Ausgaben und ein Verständnis für das Thema Schulden gehören dazu.
Unterschiede gibt es weiterhin bei Einkommen, Pensionen und der allgemeinen ökonomischen Absicherung. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, sind öfter in Berufen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten tätig und übernehmen nach wie vor einen großen Teil der Kinderbetreuung und Angehörigenpflege. Genau deshalb können Berufsentscheidungen langfristig ins Geld gehen – manchmal merkt man das erst viele Jahre später, wenn sich die Auswirkungen bei der Pension zeigen.
Während der COVID-19-Pandemie verschärfte sich der Druck zusätzlich: Kinderbetreuungseinrichtungen waren geschlossen, die unbezahlte Care-Arbeit nahm zu. Frauen arbeiteten entweder in systemerhaltenden Berufen, etwa im Lebensmittelhandel oder in der Pflege, oder waren von Kurzarbeit beziehungsweise Kündigung betroffen. Gleichzeitig nahmen die Fälle häuslicher Gewalt zu.
Die Berufswahl gilt damit auch als Grundlage finanzieller Unabhängigkeit und als Mittel der Gewaltprävention. Wer wirtschaftlich stabiler dasteht, muss nicht so leicht in einer gewaltvollen Beziehung bleiben. Das kann das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in Wirtschaft und Gesellschaft verringern.
Das Finanzministerium arbeitet an einer österreichweiten Finanzbildungsstrategie. „Let’s empower Austria“ – kurz LEA – bietet einen Rahmen für Initiativen und Maßnahmen, die veraltete Stereotype aufbrechen, Potenziale entfalten, Wahlfreiheit ermöglichen, die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen und Mädchen stärken und zur Gleichstellung von Frauen und Männern beitragen sollen. Gemeinsam mit kooperierenden Organisationen bietet LEA kostenlose Online-Seminare zum Thema „Ökonomische Unabhängigkeit“ an. Auch private Initiativen stellen kostenlose Webinare, Artikel oder Podcasts zur Finanzbildung für Frauen bereit. Frauen- und Mädchenberatungseinrichtungen in Österreich beraten zudem zu persönlichen Finanzen.
