In der kleinen Gemeinde Stadl an der Mur gibt es derzeit ein großes Problem, das die Herzen vieler berührt. Laurena, eine siebenjährige Schülerin, kann nicht zur Schule gehen – und das aus einem Grund, der viele Eltern in der Region beschäftigt: Es fehlt an einer geeigneten Schulassistenz. Das Mädchen soll eine Sonderschule in Tamsweg, Salzburg besuchen, die speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. Der Schulbesuch und der Transport sind genehmigt, aber die Finanzierung der notwendigen Unterstützung bleibt ein ungelöstes Rätsel. Das weckt Unmut bei den betroffenen Familien, die sich seit Februar mit den Behörden herumschlagen.

Laurena ist nicht das einzige Kind, das in dieser misslichen Lage steckt. Ein weiteres Kind aus Bad Loipersdorf hat ähnliche Probleme, und eine Familie aus Murau entschied sich, eine Schule in der Steiermark zu wählen, obwohl der Wunsch nach der Sonderschule in Tamsweg bestand. Die Situation ist so prekär, dass NEOS-Klubobmann Niko Swatek die Verantwortlichen scharf kritisiert und eine sofortige Lösung fordert. „Es kann nicht sein, dass Kinder wegen ungeklärter Assistenzfragen zu Hause bleiben müssen!“, so Swatek.

Proteste und Forderungen nach Veränderung

Am 30. Oktober 2025 fand in Graz ein eindringlicher Protest statt, bei dem über 100 Personen gegen die unzureichende Schulassistenz in den steirischen Schulen auf die Straße gingen. Der Marsch begann am Karmeliterplatz und endete vor dem Rathaus am Grazer Hauptplatz. Organisiert wurde die Kundgebung von Marie Luise Florineth und Christine Herzog, die sich für die Rechte der betroffenen Kinder stark machen. Eine laufende Petition hat bereits über 1.000 Unterschriften gesammelt, ein deutliches Zeichen für die Dringlichkeit des Themas.

Die aktuelle Situation wird von vielen als untragbar beschrieben. Auf fünf Kinder mit Assistenzbedarf kommen nur zwei Schulassistenzen. Dies verstärkt die Probleme, die bereits seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2023 bestehen. Diese Änderung verlagert die Zuständigkeit für die Schulassistenz vom Sozial- ins Bildungsressort, was zu einer unübersichtlichen Lage führt. Schulen müssen nun ein gemeinsames Stundenkontingent intern verteilen, anstatt individuelle Bescheide pro Kind zu erhalten. Kritiker, darunter auch der Grazer Sozialstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) und die grüne Klubobfrau Sandra Krautwaschl, fordern eine rasche Gesetzesänderung.

Ein unverhoffter Ausblick

Die steirischen Grünen haben den Fall von Laurena aufgegriffen und einen Antrag zur Änderung des Schulassistenzgesetzes eingebracht. Ihr Vorschlag sieht vor, dass Kinder mit Hauptwohnsitz in der Steiermark auch bei einem Schulbesuch in anderen Bundesländern Assistenz erhalten. Dies könnte die Lücke schließen, die derzeit zwischen Steiermark und Salzburg klafft. Eine Vereinbarung mit anderen Bundesländern zur Finanzierung und Organisation der Schulassistenz wird ebenfalls gefordert.

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Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) zeigte sich gesprächsbereit und lud die Initiatorinnen der Proteste zu einem persönlichen Gespräch ein. Er kündigte an, zeitnah eine neue Verordnung in Aussicht zu stellen. Das klingt vielversprechend, ist aber für viele Familien, die auf sofortige Lösungen angewiesen sind, nicht genug. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die Situation in den kommenden Wochen ändern wird.

Doch was bedeutet das alles für die betroffenen Kinder? Wie die Behindertenanwältin Christine Steger treffend bemerkte, hängt die Schulassistenz oft vom Wohnort ab und nicht von dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf. In einigen Bundesländern gibt es klare Verfahren, in anderen wiederum hapert es an einheitlichen Modellen. Eltern müssen in manchen Regionen Anträge bei verschiedenen Stellen einreichen und lange auf Entscheidungen warten – eine belastende Situation für alle Beteiligten. Der Ruf nach einer bundesweiten Verbindlichkeit für Schulassistenz wird immer lauter, denn schließlich sollte jedes Kind die Unterstützung erhalten, die es braucht, ohne dass politische Entscheidungen darüber entscheiden.