Theaterprojekt „REISEBÜRO SCHLEICH“ erhält Förderung für Gedenkinitiative in Innsbruck
Heute ist der 15.06.2026 und in Innsbruck gibt es Anlass zur Freude. Das Theaterprojekt „REISEBÜRO SCHLEICH“, initiiert von Peter Lorenz, wurde für die „gedenk_potenziale 2027“ ausgewählt. Diese Bekanntgabe kam durch das Stadtarchiv und Stadtmuseum Innsbruck am 9. Juni. Das Projekt hat nicht nur die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, sondern erhielt auch eine Förderung von 20.000 Euro. Die „gedenk_potenziale“ haben sich zum Ziel gesetzt, Projekte zu fördern, die das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in den Fokus rücken. Ein wichtiges Anliegen in unserer heutigen Zeit, in der das Bewusstsein für die Vergangenheit nicht verloren gehen darf.
Vizebürgermeister Georg Willi hob die Bedeutung solcher Projekte für den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart hervor. Das Stück thematisiert die umstrittene Figur Josef Schleich, der während des Nationalsozialismus als ambivalente Gestalt zwischen Fluchthelfer und Geschäftsmann agierte. Historische Archivdokumente werden genutzt, um Schleichs Geschichte zu rekonstruieren. Dabei schlüpfen eine Autorin und ein Zeitzeuge in verschiedene Rollen und beleuchten die damaligen Akteure. Das klingt spannend, oder? Und es wird noch besser: Parallelen zu aktuellen Themen wie Flucht, Migration und gesellschaftliche Verantwortung werden gezogen, was die Relevanz des Projekts unterstreicht.
Josef Schleich: Ein Leben zwischen Helfer und Geschäftsmann
Josef Schleich, der während der NS-Zeit aktiv war, hatte ein bewegtes Leben. Er besuchte eine Handelsschule und betrieb eine Geflügelzucht. Mit sieben Kindern galt er als Lebemann und verbesserte sein Einkommen durch Schmuggel über die jugoslawische Grenze. Besonders mit Saccharin und Feuerstein kam er in Kontakt – nicht gerade alltägliche Geschäfte! Bis 1938 wurde er 16-mal wegen Schmuggels bestraft. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wandelte er sein Geschäft um und begann, Juden landwirtschaftlichen Unterricht zu geben. Er wollte deren Chancen auf Akzeptanz in anderen Ländern verbessern.
Die Situation für viele Juden war verzweifelt. Viele wollten fliehen, wurden jedoch von Zielländern aufgrund der Reichsfluchtsteuer abgewiesen. Schleich stellte Zeugnisse aus, die es ausgebildeten Juden ermöglichten, ins Ausland zu gelangen. Ironischerweise verlor er an Glaubwürdigkeit, als zu viele Zeugnisse ausgestellt wurden. Dennoch wurde er Fluchthelfer und arbeitete mit der Grazer jüdischen Gemeinde sowie dem Wiener Palästinaamt zusammen. Schleich half Juden, über die Grenze nach Jugoslawien zu gelangen – und verlangte dafür etwa 670 Reichsmark pro Person. Sein Geschäft, das „Reisebüro Schleich“, florierte offiziell, während er heimlich Leben rettete.
Die Uraufführung und begleitende Veranstaltungen
Die Uraufführung des Theaterstücks ist für den 5. Mai 2027 in Innsbruck geplant. Begleitend zur Premiere wird eine Podiumsdiskussion mit Historikern stattfinden, die sich mit Fluchthilfe und Schlepperei in der NS-Zeit sowie der Rolle Innsbrucks beschäftigen wird. Eine interessante Möglichkeit, verschiedene Perspektiven zu beleuchten und die Geschichten lebendig zu halten.
Das Projekt umfasst zudem die Schaffung einer Skulptur im öffentlichen Raum, die historische Fragestellungen sichtbar machen soll. Dies passt gut zu den „gedenk_potenziale“, die historische Forschung, künstlerische Reflexion und gesellschaftliche Aktualität miteinander verbinden. Es ist wichtig, dass wir uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen, besonders in einer Zeit, in der das Gedenken an die Opfer des Holocaust weiterhin eine Herausforderung darstellt. Der Internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust, am 27. Januar 2025 in Berlin, ist ein Beispiel dafür, wie die Erinnerungskultur auch heute noch von Bedeutung ist.
Das Gedenken an das NS-Regime bleibt ein Auftrag an zukünftige Generationen. Es ist unsere Verantwortung, Lehren aus der Geschichte zu ziehen und das Vergessen zu verhindern. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist ein wachsendes Problem in unserer Gesellschaft, und es ist notwendig, über Menschenrechte und die Geschichte aufzuklären. Die Diskussion über die Sichtbarkeit und Relevanz von Gedenkstätten und Denkmälern ist aktueller denn je. Vielleicht wird das Theaterprojekt „REISEBÜRO SCHLEICH“ ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zu dieser Diskussion sein.
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