In Innsbruck wird ein bedeutendes Bildungsprojekt gefeiert: Das bilingualen Unterrichtsmodell in Deutsch und Italienisch, das 2005 ins Leben gerufen wurde, hat sich als wegweisend für die Region erwiesen. Im Jahr 2024 wird das Projekt, das als Meilenstein in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino gilt, um weitere zehn Jahre verlängert. Diese Initiative entstand aus einer Elterninitiative, die auf die wachsende Zahl deutsch-italienischsprachiger Familien reagierte. Das Abkommen zwischen dem Land Tirol und Trentino wurde kürzlich in Innsbruck vorgestellt.
Das Konzept des bilingualen Unterrichts fördert nicht nur die Sprachkompetenzen der Kinder, sondern auch deren interkulturelles Lernen. Tiroler Lehrpersonen unterrichten auf Deutsch, während ihre Kollegen aus dem Trentino den Unterricht auf Italienisch gestalten. Dabei ist die Zweitsprache fester Bestandteil des Schulalltags und wird nicht nur als klassische Fremdsprache vermittelt. Ein kontinuierlicher Austausch mit der Partnerschule im Trentino ist zentral für den Erfolg des Projekts.
Ein Blick auf die Entwicklungen
Nach 15 Jahren am Standort Volksschule Innere Stadt wurde das Projekt 2020 an die Volksschule Altwilten verlegt. Dies geschah im Rahmen der städtischen Investitionen in den Bildungsstandort Wilten, die durch das Projekt „Bildungscampus Wilten“ unterstützt werden. Das bilinguale Angebot erstreckt sich auch auf die Mittelschule Leopoldstraße und das Reithmanngymnasium in Innsbruck.
Wissenschaftlich wird das Projekt von der Universität Innsbruck begleitet und evaluiert. Dabei kommt der „Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen“ (GERS) zum Einsatz, um die Sprachentwicklung der Schüler festzustellen. Anlässlich des Jubiläums wurde eine Studie zur Sprachentwicklung und den interkulturellen Kompetenzen vorgestellt, die zeigt, dass bilingualer Unterricht sowohl Sprachfähigkeiten als auch andere wichtige Kompetenzen fördert.
Forschung und Mehrsprachigkeit
Die pädagogischen Konzepte berücksichtigen die unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen der Kinder und zielen darauf ab, dass diese mit Freude in zwei Sprachen lernen und sich individuell entfalten können. Diese Herangehensweise findet Resonanz in aktuellen Forschungen zur Mehrsprachigkeit in Bildungseinrichtungen. Die Reihe „Mehrsprachigkeit in Bildungskontexten“ befasst sich mit theoretischen Ansätzen, empirischer Forschung und der praktischen Umsetzung in Schulen. Sie thematisiert den Umgang mit kultureller und sprachlicher Diversität und richtet sich an Wissenschaftler:innen, Lehrer:innen und Studierende, die sich für Mehrsprachigkeit interessieren.
Insgesamt zeigt das Projekt in Innsbruck, wie durch innovative Bildungsansätze nicht nur Sprachkompetenzen gefördert, sondern auch Brücken zwischen Kulturen gebaut werden können. Das Engagement für Mehrsprachigkeit und interkulturelles Lernen ist somit nicht nur eine Bereicherung für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die gesamte Region.