Erhalt und Pflege historischer Handschriften: Buchpatenschaft für das Neustifter Ritual in Innsbruck
In Innsbruck, genauer gesagt an der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB Tirol), hat sich am 27. Mai 2026 etwas ganz Besonderes ereignet. Mag. Johannes Blaas hat die Buchpatenschaft für das Neustifter Ritual übernommen, eine liturgische Handschrift, die aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt. Dieser Codex 553 ist nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch ein wichtiger Teil des schriftlichen Kulturerbes, das es zu bewahren gilt. Die Buchpatenschaft hat zum Ziel, den Erhalt solcher historischen Schätze zu unterstützen und zu fördern.
Das Neustifter Ritual war im Kloster Neustift, das 1142 gegründet wurde, von enormer Bedeutung. Es diente dem Vollzug der Liturgie und fand im Gottesdienst Verwendung. Die Handschrift zeigt deutliche Gebrauchsspuren, die viel über die liturgische Praxis der Augustiner Chorherren erzählen. Texte und Anweisungen für die Totenmemoria, die Feierlichkeiten zu Mariä Lichtmess sowie die Karwoche sind in ihr enthalten. Besonders die Palmsonntagsliturgie verdeutlicht das faszinierende Zusammenspiel von Text, Musik, Bewegung und Raum in der Liturgie. Ein wahrer Schatz, der Einblicke in eine längst vergangene Zeit gewährt.
Erhaltungsmaßnahmen und Konservierung
Die Präsentation der Handschrift und die damit verbundenen konservatorischen Maßnahmen sind ebenfalls von großer Bedeutung. Die Restauratorin Judith Emprechtinger erläuterte die durchgeführten Maßnahmen zur Erhaltung des Codex, der stark beansprucht und von Tintenfraß betroffen war. Solche Maßnahmen sind nicht nur notwendig, sondern ein wichtiger Bestandteil der Bestandserhaltung, die darauf abzielt, unikale Schriftgüter durch abgestimmte Konzepte dauerhaft zu sichern. Es ist ein ganzheitlicher Prozess, der langfristigen Nutzen für Originale, Benutzer und Archive bietet.
Wie wichtig die fachliche Unterstützung bei der Entwicklung individueller Konzepte und restauratorischer Lösungen ist, zeigt das Team der Papierrestaurierung des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums. Sie helfen nichtstaatlichen Archiven im Rheinland und bieten Beratung zu verschiedenen Aspekten der Bestandserhaltung an. Dazu gehören Schadenskataster, objektschonende Digitalisierung und auch der Umgang mit Schimmel und Schädlingen. Eine ganz schön umfassende Aufgabe, wenn man bedenkt, wie viele historische Dokumente und Bücher es gibt!
Digitalisierung und virtuelle Ausstellungen
Die Digitalisierung historischer Bestände an der ULB Tirol wurde ebenfalls vorgestellt. Im Repositorium ULB:Digital können Interessierte einen Blick auf die Ergebnisse werfen. Darüber hinaus führt eine virtuelle Ausstellung namens Bibliotheca Neocellensis die Neustifter Codices digital zusammen. Solche Projekte sind nicht nur für die Forschung von Bedeutung, sondern auch für die breite Öffentlichkeit, die so Zugang zu wertvollem Kulturerbe erhält.
Es gibt jedoch noch viel mehr zu beachten, denn historische Schriftquellen sind in Deutschlands Archiven und Bibliotheken durch unsachgemäße Lagerung, Verschmutzung, Schimmel und Säurefraß gefährdet. Ein neues Förderprogramm von Bund und Ländern, das ab 2026 ins Leben gerufen wird, soll helfen, dieses Kulturerbe zu bewahren. Es trägt den Titel „Schriftliches Kulturgut erhalten“ und wird von der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Kulturstiftung der Länder unterstützt. Das Programm fokussiert sich auf Maßnahmen wie Notfallvorsorge, Schutzverpackungen und die Restaurierung herausragender Einzelobjekte. Ein Schritt in die richtige Richtung, um die Schätze unserer Geschichte zu erhalten!
Bis jetzt wurden bereits viele Projekte mit Millionenbeträgen gefördert, und die Nachfrage nach solchen Hilfen wächst. Es ist beruhigend zu wissen, dass es Initiativen gibt, die sich für die Erhaltung unseres schriftlichen Kulturerbes einsetzen. Hoffen wir, dass diese Bemühungen weiter Früchte tragen und auch zukünftige Generationen in den Genuss dieser wertvollen Schätze kommen.
