In Innsbruck steht eine bedeutende Veranstaltung bevor, die die dunklen Kapitel der Geschichte und den Mut der Widerstandsbewegung beleuchtet. Am 11. Juni 2023 um 19 Uhr wird im historischen Festsaal des Landhauses das Justman-Projekt präsentiert. Im Fokus der Veranstaltung steht die polnische NS-Widerstandsbewegung im Innsbrucker Untergrund, insbesondere die Gruppe um die bemerkenswerte Leokadia Justman. Diese Veranstaltung wird aufzeigen, wer den Widerstand gegen das NS-Regime organisiert hat, wie Leokadia und ihre Mitstreiter in Kontakt kamen und vor allem, wer sie verraten hat. Das ist eine Gelegenheit, die nicht nur für Geschichtsinteressierte von Bedeutung ist.

Die Widerstandsgruppe um die Brüder Marian und Stefan Kudera, die ab 1943 aktiv waren, wird ebenfalls im Mittelpunkt der Diskussionsrunde stehen. Tragischerweise wurden die Brüder im Februar 1944 von der Gestapo gefoltert und später im KZ Dachau ermordet. Es ist erschreckend, wie neue Forschungsergebnisse weitere Mitglieder dieser Gruppe identifiziert haben. Musikalische Beiträge von David Kamiński, dem Sohn eines Holocaust-Überlebenden, werden die Veranstaltung bereichern. Grußworte werden von Adam Zarzycki, dem stellvertretenden Direktor des Polnischen Instituts Wien, kommen. Anmeldungen zur Veranstaltung sind bis zum 9. Juni unter tirol.gv.at/PolnischeWiderstandsgruppe möglich.

Vertiefung und Sonderausstellung

Doch das ist nicht alles! Am 24. Juni 2023 wird eine vertiefende Führung im Landhaus angeboten, die um 17 Uhr beginnt. Diese exklusive Führung wird sich mit einer Sonderausstellung befassen, die Gedichte und Gebete von Leokadia Justman zeigt. Diese Gedichte, die teilweise während ihrer Haft im Innsbrucker Polizeigefängnis verfasst wurden, sind erstmals öffentlich zu sehen. Die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ ergänzt die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ und ist von Montag bis Freitag im Landhaus 1 zu sehen. Es ist beeindruckend, wie das Projekt in Kooperation des Landes Tirol mit mehreren Institutionen, darunter die Universität Innsbruck und das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, realisiert wird.

Ein bemerkenswerter Aspekt ist die Geschichte von Józef Wisnicki, der am 2. Oktober 1916 in Czestochova, Polen, geboren wurde und 2016 in Florida starb. Wisnicki entkam dem Todeslager Treblinka und fand Zuflucht im Deutschen Reich mit gefälschten Papieren. Er überlebte die letzten Kriegsmonate im Polizeigefängnis Bregenz und im KZ Reichenau. 1946 heiratete er Leokadia Justman in Innsbruck. Seine Lebenserinnerungen erscheinen erstmals in deutscher Übersetzung am 28. Mai 2026, und am 7. Mai 2026 wird er seine Erinnerungen beim Zeitgeschichtetag in der Gärtnerei Schallert in Bludenz präsentieren.

Veranstaltungen und Diskussionen

Das Interesse an der Geschichte der Widerstandsbewegung wird auch durch verschiedene Veranstaltungen in den kommenden Jahren weiter gestärkt. Am 22. Mai 2026 wird ein Vortrag über Leokadia Justman im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim stattfinden, gefolgt von einer Buchvorstellung über Wisnicki und Justman am 15. September 2026 im Jewish Museum Hohenems. Des Weiteren ist eine Podiumsdiskussion über österreichische Täter im Nationalsozialismus am 22. Oktober 2026 im Landhaus geplant, sowie eine musikalische Lesung von Leokadia Justmans Gedichten am 6. Mai 2026 in Innsbruck.

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Diese Veranstaltungen sind nicht nur eine Hommage an das Erbe der Überlebenden, sondern auch eine wichtige Gelegenheit für die Gesellschaft, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Der Austausch über die Verfolgung und den Widerstand während des Nationalsozialismus bleibt von großer Bedeutung, um die Erinnerung wachzuhalten und Lehren für die Zukunft zu ziehen.