Die Lage im Gazastreifen und Westjordanland ist angespannt, das zeigt der Bericht von Marcus Bachmann, dem Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen. In seinen Schilderungen wird deutlich, wie drängend die Situation ist: Über 90% der bislang durchgeführten Evakuierungen von Menschen aus Gaza erfolgten durch Ägypten, Jordanien, Katar und die Türkei. Österreich wird nun aufgefordert, die medizinische Evakuierung von Patienten zu ermöglichen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen dringend 18.500 Menschen, darunter 4.000 Kinder, aus dem Gazastreifen evakuiert werden. Doch seit dem 7. Oktober 2023 hat Österreich keine medizinischen Evakuierungen mehr zugelassen.

Bachmann appelliert eindringlich an die österreichische Bundesregierung, die Möglichkeiten zur Evakuierung zu prüfen. „Österreich hat ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und enge Beziehungen zu Israel“, sagt er. Der Zugang für Hilfsorganisationen bleibt jedoch stark eingeschränkt, und die Medikamenteneinfuhren sind blockiert. In dieser kritischen Lage widerspricht Bachmann dem weit verbreiteten Narrativ, dass es keine humanitäre Notlage im Gazastreifen gibt. Immerhin leben 83% der Bevölkerung unter humanitären Mindeststandards, und drei Viertel sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Der Waffenstillstand, der seit dem 10. Oktober 2025 gilt, ist fragil, und die Situation hat sich dramatisch verschärft.

Die medizinische Notlage

Rund 15.600 Menschen im Gazastreifen warten nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen auf eine medizinische Evakuierung. Viele von ihnen leiden unter komplexen Verletzungen oder chronischen, lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Krebs. Währenddessen sind die evakuierten Patienten hauptsächlich nach Ägypten, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar gebracht worden. Auch Italien, Frankreich, Norwegen, Spanien, Großbritannien, Japan, Luxemburg und die USA haben in kleinerem Rahmen Patienten aufgenommen. In der Zeit zwischen Juli 2024 und August 2025 sind mindestens 740 Patienten, darunter 137 Kinder, während sie auf medizinische Evakuierung warteten, gestorben. Diese tragischen Todesfälle sind auf zerstörte Krankenhäuser und politische Untätigkeit zurückzuführen.

Das Gesundheitssystem im Gazastreifen ist zusammengebrochen, und laut UN sind über 90 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen zerstört. Mehr als 1.700 Gesundheitskräfte wurden getötet. Ärzte ohne Grenzen fordert nicht nur Zugang zu medizinischer Behandlung, sondern auch eine Ausweitung der humanitären Hilfe und ungehinderten Zugang zu Hilfsgütern. Der Zugang zu medizinischen Materialien wurde bereits am 1. Januar 2025 durch die israelischen Behörden stark eingeschränkt. Wichtige Medikamente, wie Schmerzmittel und Antibiotika, sind ausgegangen – eine Situation, die sich in den letzten Monaten nur verschärft hat.

Die humanitäre Krise

Die humanitäre Lage hat sich seit Jahresbeginn 2025 dramatisch verschärft. Über 55.000 Menschen sind seit Oktober 2023 ums Leben gekommen, mehr als 127.000 wurden verletzt. Lebensmittelpreise sind um bis zu 1.400 Prozent gestiegen, was dazu führt, dass über 65.000 Kinder akut mangelernährt sind, darunter fast 2.700 unter fünf Jahren. Die Verteilung von Lebensmitteln ist chaotisch, und es kommt immer wieder zu tödlichen Vorfällen. Hilfsorganisationen wie die Gaza Humanitarian Foundation, UNRWA und UNICEF kämpfen gegen die widrigen Umstände, doch der Zugang zu Hilfsgütern ist stark eingeschränkt, insbesondere seit der israelischen Blockade im März 2025.

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Die Situation wird durch politische Dimensionen zusätzlich kompliziert. Die Konflikte zwischen Israel und den UN sowie zwischen NGOs und Hilfsorganisationen um Einfluss und Deutungshoheit erschweren die humanitäre Hilfe. Bachmann warnt vor einer Erosion des humanitären Völkerrechts und betont, dass die Verantwortung auch bei der österreichischen Bundesregierung liegt. Zugang für internationale Journalisten und unabhängige Beobachter wird gefordert, um die Situation vor Ort transparent zu machen.

Am Journalismusfest in Innsbruck wird Marcus Bachmann über seine Erfahrungen sprechen und auf die dringenden Bedürfnisse der Menschen im Gazastreifen aufmerksam machen. Die Welt schaut zu, und es bleibt zu hoffen, dass die Appelle an die Politik nicht ungehört verhallen.