Am Montag, dem 18. Mai, fand an der BHAK/BHAS Wörgl eine beeindruckende Veranstaltung statt, die Literatur aus Südtirol in den Mittelpunkt stellte. Die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, mit drei ganz besonderen Autoren zu sprechen: Greta Pichler, Wolfgang Nöckler und Josef Oberhollenzer. Diese drei Schriftsteller repräsentieren unterschiedliche Generationen der südtiroler Literatur und brachten frischen Wind in die Diskussion über Heimat, Identität und kulturellen Austausch.
Greta Pichler, die mit ihrem Debütroman „Salzwasser“ auf sich aufmerksam gemacht hat, las aus ihrem Werk und fesselte das Publikum mit ihrem Schreibstil. Wolfgang Nöckler, der die Zuhörer mit kurzen, poetry-slamartigen Texten und Liedern begeisterte, brachte eine kreative Note in die Veranstaltung. Josef Oberhollenzer schließlich präsentierte Passagen aus seinem Roman „Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu töten“, der mit seinem provokanten Titel neugierig machte.
Ein Austausch, der verbindet
Die Veranstaltung wurde vom Tiroler Kulturservice in Zusammenarbeit mit der Euregio und der HAK Wörgl organisiert. Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern die Literatur aus Südtirol näherzubringen und das Verständnis innerhalb der Euregio-Regionen zu fördern. Das Format der „Living Library“ ermöglichte es den Jugendlichen, in kleinen Gruppen direkt mit den Autoren zu sprechen. Ein kreatives Element war die Aufgabe, die Begriffe „Schule“, „Buch“ und „Tiroler Adler“ literarisch zu verarbeiten – ein spannendes Experiment, das zu einer Vielfalt an kurzen Texten, Gedichten und fragmentarischen Gedanken führte, die vom Publikum mit viel Applaus honoriert wurden.
Besonders erfreulich ist, dass die HAK Wörgl bereits bestehende Schulpartnerschaften mit Schulen in Meran und Trient pflegt. Diese Verbindungen fördern den Austausch und zeigen, wie wichtig es ist, über kulturelle Grenzen hinweg zu kommunizieren. Elke Zach von der HAK Wörgl und Hannelore Reichmann vom Tiroler Kulturservice haben mit ihrer Zusammenarbeit diesen inspirierenden Tag ermöglicht.
Kulturelle Brücken schlagen
In einem weiteren Schritt zur Förderung des kulturellen Austauschs hat die Süd-Tiroler Freiheit im Landtag Vorschläge zur besseren Zusammenarbeit der drei Landesteile des alten Tirol vorgelegt. Ein zentraler Punkt ist die Einführung einer Euregio-Bibliothekenkarte, die den Zugang zu Büchern in Tirol, Südtirol und im Trentino erleichtern soll. Erstunterzeichner Sven Knoll betont, wie wichtig der kulturelle Austausch zur Stärkung gemeinsamer Wurzeln und des gegenseitigen Verständnisses ist. Literatur, so wird festgestellt, ist ein bedeutendes Medium, um die Tiroler Identität und kulturelle Besonderheit auszudrücken.
Brigitte Foppa von den Grünen unterstützt diesen Vorschlag und weist darauf hin, dass der Zugang zu Literatur in beiden Landessprachen oft schwierig ist. Landesrat Philipp Achammer hat bereits seine Zustimmung zugesagt, auch wenn technische Vorarbeiten notwendig sind. Sven Knoll plant, den Vorschlag umzuformulieren, um die Einführung dieser Bibliothekenkarte voranzutreiben. Der umformulierte Vorschlag wurde mit 33 Ja-Stimmen angenommen und zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Regionen auf einem guten Weg ist.
Ein Blick in die Literaturgeschichte
Seit 1960 werden an der Universitätsbibliothek (ULB) Tirol eingegangene Tirolensien in einer gedruckten Bibliografie erfasst. Diese Bibliografie, die als Beiheft zur Tiroler Heimat veröffentlicht wurde, bietet einen umfassenden Überblick über die Literatur aus Nord-, Ost- und Südtirol sowie im Trentino. Mit dem Projekt „Tirolensien Digital“ können Interessierte nun auch online auf Sammlungen zugreifen, die Archive, wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken sowie Zeitungen und Zeitschriften umfassen. Die Plattform bietet sogar eine „Literatur-Landkarte“ und einen Veranstaltungskalender, der es einfacher macht, sich im literarischen Angebot der Region zurechtzufinden.
Wie man sieht, sind die Bemühungen um den interkulturellen Austausch und die Förderung der Literatur vielfältig und vielversprechend. Die Veranstaltung an der BHAK/BHAS Wörgl ist nur ein Beispiel dafür, wie Literatur Brücken schlagen und Generationen sowie Regionen verbinden kann. Ein echter Gewinn für alle Beteiligten!