Heute ist der 28. Mai 2026 und in Kundl, einer kleinen Stadt in Tirol, wird ein bedeutendes Jubiläum gefeiert. Sandoz, ein zentraler Akteur in der Arzneimittelproduktion, hat seinen 80. Geburtstag gefeiert. Es ist nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch eine Gelegenheit, wichtige Themen anzusprechen, die die gesamte europäische Gesundheitsversorgung betreffen. Mit einem Glas Sekt in der Hand und einer gewissen Vorfreude auf die Zukunft diskutierten Landeshauptmann Anton Mattle und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner über die Herausforderungen, denen sich die Branche gegenübersieht.
Der Standort Kundl hat sich über die Jahre als unverzichtbarer Pfeiler der Antibiotikaversorgung in Europa etabliert. Hier wird die letzte vertikal integrierte Penicillin-Produktion in ganz Europa und der westlichen Welt betrieben. Doch trotz dieser Erfolge gibt es ernsthafte Bedenken. Sandoz macht auf die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferketten aufmerksam, und das ist alarmierend. Die Arzneimittelproduktion in Europa steht unter Druck durch günstigere Produkte aus China, unterstützt von staatlichen Hilfen für ausländische Hersteller. Ein gefährlicher Trend, der nicht ignoriert werden kann.
Herausforderungen und Forderungen
Die steigenden Kosten – sei es für Arbeitskräfte, Umwelt, Verpackung oder Rohstoffe – stellen Sandoz vor große Herausforderungen. CEO Richard Saynor drängt auf politische Maßnahmen, um die Antibiotika-Produktion in Europa zu sichern, ohne dabei direkte Subventionen zu fordern. Zu seinen vier Kernforderungen gehören die Wiederherstellung des Wettbewerbs, die Implementierung einer EU-Bevorzugung, die Sicherung einer Mindestproduktion in Europa sowie die Gewährleistung der Versorgungssicherheit. All das klingt nach einem umfassenden Plan, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die europäische Gesundheitsversorgung abzusichern.
Wirtschaftsstaatssekretärin Elisabeth Zehetner brachte in ihrer Ansprache die Notwendigkeit zum Ausdruck, den Standort Kundl aktiv zu erhalten und die pharmazeutische Produktion in Europa zu unterstützen. Jüngste Investitionen von insgesamt 50 Millionen Euro, aufgebracht durch die Bundesregierung und das Land Tirol, sollen nicht nur die Versorgung mit kritischen Antibiotika sichern, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen. Ein zukunftsorientierter Schritt, der zeigt, dass man in Kundl an die Zukunft der Arzneimittelproduktion glaubt.
Ein Blick in die Zukunft
Der „Critical Medicines Act“ wurde ins Leben gerufen, um die pharmazeutische Souveränität Europas zu stärken. Ein wichtiger Schritt, denn die öffentliche Beschaffung soll nicht mehr ausschließlich nach dem Preis ausgerichtet sein. Landeshauptmann Anton Mattle hob die Bedeutung eigenständiger Strukturen und verlässlicher Produktionsstandorte in Europa hervor. In Zeiten globaler Unsicherheiten ist es essenziell, dass Europa in der Lage ist, kritische Medikamente selbst zu produzieren.
Inmitten dieser Herausforderungen und Diskussionen fühlt man sich in Kundl fast ein bisschen wie auf einem Drahtseilakt – zwischen Tradition und Innovation, zwischen lokaler Produktion und globalen Märkten. Hier wird klar, dass die Zukunft der Arzneimittelversorgung nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit ist, sondern auch eine Frage der Gesundheit und Sicherheit für alle.
