In Wörgl müssen Dutzende Menschen ihre Wohnungen kurzfristig verlassen. Ein Bescheid des Bauamts verpflichtet alle Mieter und Eigentümer des Gebäudes in der Bahnhofstraße 51, bis spätestens 5. Juni 2026 zu räumen. Auslöser für diese drastische Maßnahme war eine anonyme Anzeige, die im Februar 2026 eine baupolizeiliche Überprüfung nach sich zog. Bei dieser Überprüfung wurden massive Abweichungen von den genehmigten Bauplänen festgestellt: Statt der genehmigten 24 Einheiten wurden tatsächlich 35 Wohnungen illegal errichtet.

Das Gebäude, das früher als Hotel genutzt wurde, verfügt über keine Benützungsbewilligung für den Umbau zu einem Wohnhaus. Zusätzlich wurden gravierende Mängel, insbesondere im Bereich Brandschutz und Nutzungssicherheit, festgestellt. Die Verantwortung für die illegalen Umbauten ist unklar, da das Gebäude mehreren Eigentümern gehört. Diese Eigentümer haben bis Oktober 2027 Zeit, einen rechtmäßigen Zustand herzustellen. Dennoch müssen mindestens 64 Menschen sofort neuen Wohnraum finden, was aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes im Bezirk Kufstein äußerst schwierig ist. Viele der betroffenen Bewohner leben bereits seit Jahrzehnten in diesen Wohnungen, die als klein und relativ günstig gelten.

Reaktionen und Unterstützung

SPÖ-Stadtrat Christian Kovacevic äußerte sich besorgt über die Situation und fordert Unterstützung bei der Wohnungssuche sowie Übergangslösungen für die betroffenen Familien. Die Stadt Wörgl hat sich bisher nicht inhaltlich zur Causa geäußert und verweist auf ein laufendes Verfahren. Für die betroffenen Bewohner gibt es jedoch Unterstützung von der Sozialberatungsstelle DOWAS, die Hilfestellung bei der Wohnungssuche anbietet.

Die Stadt plant, die Nutzung der Wohnanlage ab dem 5. Juni 2026 um 9 Uhr zu untersagen. Kontrollen, Beschilderungen und Absperrungen sind bereits in Planung. Während Einzelne Gewerbebetriebe im Haus nicht von der Räumung betroffen sind, müssen dennoch Anpassungen im Bereich Brandschutz vorgenommen werden.

Ein Blick auf den Wohnungsmarkt

Die Situation in Wörgl ist symptomatisch für die aktuelle Wohnungsnot in vielen Regionen. Bundesbauministerin Verena Hubertz kündigte kürzlich einen neuen „Bauturbo“ an, um den Wohnungsbau zu beschleunigen und den angespannten Markt zu entlasten. Geplant ist die Schaffung eines neuen Paragrafen im Baugesetzbuch, der befristete Abweichungen von planungsrechtlichen Vorschriften erlaubt. Dies könnte dazu führen, dass die Planung von Bauprojekten auf nur zwei Monate verkürzt wird, anstatt wie bisher bis zu fünf Jahre in Anspruch zu nehmen.

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Diese Maßnahmen könnten auch für die Nachverdichtung in städtischen Bereichen von Bedeutung sein. Kritiker warnen jedoch vor möglichen negativen Effekten für Mieter in Milieuschutzgebieten und befürchten eine Deregulierung im Baurecht. In Österreich wird der jährliche Bedarf an neuen Wohnungen auf 320.000 bis 550.000 geschätzt, während die Zahl der Sozialwohnungen stetig sinkt. Dies zeigt, wie dringend Lösungen gefunden werden müssen, um den Wohnraum für einkommensschwache Gruppen zu sichern.

Die Situation in Wörgl ist ein weiterer Weckruf, dass der Wohnungsbau und die Schaffung neuen Wohnraums nicht nur eine lokale, sondern auch eine überregionale Herausforderung darstellen. Die kommenden Monate werden entscheidend sein für die betroffenen Bewohner und die Stadt Wörgl insgesamt.