Am 1. Juni wird weltweit der Milchtag gefeiert und der Bauernbund im Bezirk Reutte nimmt dies zum Anlass, um auf die Bedeutung der regionalen Landwirtschaft aufmerksam zu machen. In einer Zeit, in der Billigangebote im Lebensmittelhandel an der Tagesordnung sind, fordert der Bezirksbauernobmann Markus Rid ein Umdenken. „Lebensmittel dürfen nicht zur Lockware werden“, so Rid. Er betont, dass die heimische Landwirtschaft nicht nur hochwertige Lebensmittel produziert, sondern auch Arbeitsplätze sichert, die Kulturlandschaft pflegt und die Eigenversorgung stärkt.
Die regionale Milchproduktion ist ein Paradebeispiel für Qualität und kurze Transportwege. Rid kritisiert die ständigen Tiefpreise, die nicht nur die Landwirte, sondern auch die regionale Versorgungssicherheit gefährden. Um gegen die „Schleuderpreise“ vorzugehen, hat der Bauernbund die Initiative „Schleuderpreise stoppen“ ins Leben gerufen, um mehr Fairness in der Wertschöpfungskette zu erreichen. Ziel dieser Initiative ist es, das Bewusstsein der Konsumenten für regional produzierte Lebensmittel zu schärfen. Schließlich machen Lebensmittel nur einen geringen Anteil an den Haushaltsausgaben aus – und in Zeiten steigender Kosten für Wohnen und Energie sollte man sich vielleicht überlegen, wo man das Geld investiert.
Landwirtschaft im Bezirk Reutte
Im Bezirk Reutte gibt es insgesamt 537 landwirtschaftliche Betriebe, darunter 79 Biobetriebe. Die bewirtschaftete Fläche beläuft sich auf etwa 13.863 Hektar, inklusive der Almen. Die landwirtschaftlichen Tierbestände sind beeindruckend: Rund 5.000 Rinder, 4.500 Schafe, 879 Ziegen, 290 Schweine, 5.500 Stück Geflügel und 636 Pferde leben hier. Besonders aufregend ist die Tatsache, dass während der Alpsaison etwa 5.900 Rinder, 3.000 Schafe, 350 Ziegen und 360 Pferde auf den Almen weiden.
Die Milchverarbeitung auf zwölf Sennalmen beträgt jährlich etwa 1 Million Kilogramm. Das ist eine gewaltige Menge und zeigt eindrucksvoll, wie wichtig die Landwirtschaft für die Region ist. Die 50 Almen und 55 Heimweiden mit rund 7.850 Hektar Almfutterfläche leisten dabei einen unverzichtbaren Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft und zur Qualität der Lebensmittel.
Ein Ausblick auf die Zukunft
In einer Zeit, in der die Landwirtschaft vor vielen Herausforderungen steht – seien es Klimawandel, steigende Kosten oder gesellschaftliche Veränderungen – bleibt die Frage, wie die Zukunft der heimischen Landwirtschaft aussehen wird. Die Initiative des Bauernbundes könnte ein erster Schritt in Richtung eines bewussteren Konsumverhaltens sein. Letztlich ist es an uns Konsumenten, die Wertschätzung für regionale Produkte zu zeigen und den Landwirten den nötigen Rückenwind zu geben. Wenn wir das nicht tun, könnte die nächste Milchpackung aus dem Supermarkt plötzlich aus weit hergeholten Ländern kommen – und das wäre nicht nur schade, sondern auch schade um die Qualität, die wir hier in Reutte haben.
