Am 4. Juli 2026 wird der Hirschleskopf, der auf stolzen 2.050 Metern Höhe thront, zum Schauplatz eines besonderen ökomenischen Gottesdienstes. Um 11 Uhr versammeln sich Gläubige und Wanderer, um gemeinsam mit Pfarrer Michael Jäger und Sinto Kallarakkal Thomas diesen einzigartigen Moment zu feiern. Es ist eine Gelegenheit, die nicht nur spirituelle Bedeutung hat, sondern auch tief in der Geschichte der Region verwurzelt ist.
Dieses Gipfelkreuz hat eine bewegte Vergangenheit. Im Jahr 1933 errichteten die Bauern von Gramais das erste Kreuz aus Lärchenholz, das durch Pfarrer Knabl eingeweiht wurde. Heute steht dieses Kreuz bei der BW-Hütte und erinnert an die Tradition, die hier über die Jahrzehnte gewachsen ist. Es ist beeindruckend, dass rund um Gramais mittlerweile acht Gipfelkreuze stehen. Dazu gehören die Lichtspitze, die Wannenspitze, die Koglseespitze und viele mehr. Diese Kreuze sind nicht nur Wegweiser, sondern auch stille Zeugen der Glaubensgemeinschaft, die hier in den Bergen lebt.
Ein neues Kreuz – Ein neues Kapitel
Besonders berührend ist die Geschichte des neuen Kreuzes, das das Ehepaar August und Eva Weber 1992 auf dem Unteren Hirschhals stiftete. Ihre Trauung, ebenfalls von Pfarrer Martin Schautzgy durchgeführt, zeigt, wie eng das persönliche Leben mit der Natur und dem Glauben verbunden ist. Auf dem Kreuz steht die ehrliche Botschaft: „Gottes Segen auf allen Wegen“. Diese Botschaft wird durch die Bergwacht Gramais in der Aufstellung des Kreuzes im September 1995 weitergetragen. Es ist ein Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts in der Gemeinde.
Wenn man an Berggottesdiensten denkt, kommen einem oft die wunderbaren Veranstaltungen im Allgäu in den Sinn. Dort, unter freiem Himmel, finden sich Menschen an besonderen Orten zusammen – wie zum Beispiel am Gipfelkreuz Hochgrats oder der Hubertuskapelle Hinterstein. Diese Gottesdienste sind nicht nur eine spirituelle Erfahrung, sondern auch ein Moment der Gemeinschaft und Stille in der Natur. Die friedliche Umgebung inspiriert die Teilnehmer und stärkt sie auf ganz besondere Weise.
Ein Fest für die Sinne
Die Atmosphäre bei diesen Gottesdiensten ist oft magisch. Die frische Luft, das Rauschen der Bäume und das Zwitschern der Vögel schaffen eine Kulisse, die den Alltag vergessen lässt. Besucher schätzen es, dem Himmel ein Stück näher zu sein. Einheimische, die im Tourismus arbeiten, laden oft auch Gäste zu diesen besonderen Feierlichkeiten ein. Judith Krug, eine katholische Tourismusseelsorgerin in Oberstaufen, nutzt die Seilbahn am Hochgrat, um zu den Gottesdiensten in den Bergen zu gelangen. „Es ist einfach schön, diese Natur zu erleben und mit anderen zu teilen“, sagt sie, während sie das Wetter im Auge behält. Schließlich werden die Gottesdienste nur bei gutem Wetter gefeiert, und das kann manchmal eine Herausforderung sein.
Die Berggottesdienste bieten eine wunderbare Gelegenheit, Glauben und Natur miteinander zu verbinden. Sie sind ein gemeinsames Angebot der katholischen und evangelischen Kirche und ziehen sowohl Einheimische als auch Touristen an. Einmal erlebt, vergisst man diesen besonderen Zauber nicht. Wenn die Sonne am Horizont aufgeht oder untergeht, fühlt man sich oft ganz klein und gleichzeitig erfüllt von einer tiefen Dankbarkeit für die Schönheit dieser Welt.