Heute, am 1. Mai 2026, blicken wir in Waidhofen an der Ybbs auf ein bewegendes Ereignis zurück, das vor genau 40 Jahren die Welt in Atem hielt: den Tschernobyl-Unfall. Das Unglück, das sich Ende April 1986 ereignete, hinterließ nicht nur in der Ukraine seine Spuren. Auch hierzulande, in Österreich, war die Bevölkerung von der radioaktiven Wolke betroffen. Leo Lugmayr, damals Junglehrer an der Hauptschule Zell, erinnert sich gut an die Zeit. Er hatte einen Geigerzähler, ein Gerät, das durch akustisches Knacken die Strahlenbelastung anzeigt. Damit führte er Messungen durch – in seiner Klasse, die nur eine geringe Belastung zeigte, im Freien, wo die Werte stark anstiegen, und im Schulkeller, wo er überraschend hohe Werte entdeckte. Diese Kontaminierung war auf radioaktives Material zurückzuführen, das von Schülern hereingetragen wurde. Besonders betroffen war das radioaktive Jod (I-131), dessen Halbwertszeit bei etwa 8 Tagen liegt. Nach etwa 80 Tagen war es fast vollständig zerfallen, während Cäsium und Strontium in der Region bleiben und eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren haben. Diese Elemente sind vor allem in Pilzen nachweisbar.
In der aktuellen Ausgabe unseres Magazins wird an diesen Super-GAU erinnert. Berichte von Ybbstalerinnen und Ybbstalern, die diese Katastrophe miterlebt haben, geben Einblicke in die Ängste und Unsicherheiten dieser Zeit. Es ist faszinierend, wie stark diese Erinnerungen in der Gemeinschaft verwurzelt sind und wie sie auch heute noch nachwirken. Die Berichte schildern nicht nur die Fakten, sondern auch das Gefühl der Ohnmacht, das viele damals empfanden. Wer kann sich schon vorstellen, wie es war, in einer Zeit zu leben, in der die Unsichtbarkeit von Strahlung eine ständige Bedrohung darstellte?
Der Stadtlauf als Zeichen der Gemeinschaft
Am vergangenen Samstag fand in Waidhofen ein Stadtlauf statt, und die Stimmung war großartig! Viele Läuferinnen und Läufer gingen an den Start, und es gab zahlreiche Sieger und einige, die sich vielleicht ein bisschen enttäuscht fühlten. Aber das Wichtigste war die Gemeinschaft. Besonders erfreulich war der bene-Inklusionslauf, der Menschen mit Behinderung die Möglichkeit gab, aktiv teilzunehmen. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft war überglücklich, als sie einen Pokal und eine Medaille gewann. Ihre Freude war ansteckend – es gab kaum ein Auge, das dabei nicht feucht wurde.
Solche Veranstaltungen zeigen, dass die Menschen in Waidhofen zusammenstehen, egal ob sie sich an die Schrecken der Vergangenheit erinnern oder einfach nur den Moment genießen wollen. Es ist das Miteinander, das die Stadt lebendig hält. Vielleicht ist es auch diese Verbundenheit, die uns stark macht, wenn wir an die Herausforderungen der Vergangenheit zurückdenken. Wir lernen, wir wachsen, und am Ende sind es die Geschichten der Menschen, die uns prägen.