Villachs „Katze mit Hut“: Wie ein KI-Gruseltrend echte Bedrohungen und Fakes vermischt
In Villach sorgt derzeit eine unheimliche Figur für Gesprächsstoff: Auf TikTok und Instagram verbreitet sich ein Gruseltrend rund um „Cat in the Hat“, auf Deutsch „Katze mit Hut“. Die Gestalt wird als schwarze Katze mit roter Fliege und einem großen rot-weiß gestreiften Hut gezeigt – meistens nachts, wenn sie durch Straßen streift, Menschen verfolgt oder vor Wohnhäusern lauert.
Die Figur stammt ursprünglich aus dem US-Kinderbuch „The Cat in the Hat“ („Der Kater mit Hut“) des Autors Dr. Seuss. Mit den düsteren Kurzvideos und Bildern hat die kindliche Vorlage allerdings wenig zu tun. Viele der Aufnahmen wurden mit künstlicher Intelligenz erzeugt und zeigen keine realen Ereignisse.
Auch Bilder aus Kärnten kursieren
Der Trend ist inzwischen auch in Kärnten angekommen. Beiträge zeigen unter anderem die Ossiacher Zeile in Villach und eine McDonald’s-Filiale in Klagenfurt. Ob die jeweiligen Szenen tatsächlich passiert sind, lässt sich aus den Beiträgen nicht ableiten. Die Polizei ist über den Trend informiert.
In der Steiermark wurde laut „Kleiner Zeitung“ eine 14-Jährige aus dem Bezirk Murtal mit solchen Aufnahmen konfrontiert. Sie erhielt unter anderem ein Bild ihres eigenen Wohnhauses. Dazu kamen Nachrichten, in denen angekündigt wurde, die Gestalt werde vor ihrer Haustür warten oder nachts an ihr Fenster klopfen. Das ist für ein Kind nicht bloß ein Internet-Scherz – da wird’s schnell beklemmend.
Virales Video vermischt echte Fälle mit KI-Fakes
Ein TikTok-Video, das angebliche Sichtungen der verkleideten Figur in Deutschland zeigen soll, wurde seit dem 24. September mehr als 2,5 Millionen Mal angesehen. Die Behauptung ist laut dem Faktencheck-Portal Correctiv „irreführend“: In Deutschland sind reale Vorfälle polizeilich dokumentiert, mehrere kursierende Bilder sind aber unbelegt oder offenbar mit künstlicher Intelligenz erstellt.
Eine angebliche Sichtung in Berlin-Charlottenburg geht etwa auf eine Chatnachricht zurück. Darin berichtet eine Nutzerin von einer Figur vor dem Haus einer Bekannten. Medienberichte oder eine polizeiliche Bestätigung wurden dafür nicht gefunden. Die Berliner Polizei erklärte, das Phänomen spiele bisher keine relevante Rolle.
Eine Rückwärtssuche führte zu einem Foto, das zuvor als angebliche Sichtung in Köln verbreitet worden war. Laut Express wurde das Bild mit künstlicher Intelligenz erstellt. Verzerrte und unterschiedlich große Bordsteine gelten als Hinweise darauf. Die Polizei Köln teilte mit, dass ihr keine echten Vorfälle und keine entsprechenden Meldungen bekannt seien. Der Berliner Polizei sind KI-generierte Inhalte zum Phänomen bekannt.
Auch andere Bilder wurden als KI-Fälschungen eingestuft. Mimikama und der rbb berichteten über entsprechende Aufnahmen. Die Polizei bezeichnete Bilder aus Wittenberge in Brandenburg und Dessau in Sachsen-Anhalt als KI-generiert. Die irische Polizei wies ebenfalls ein angebliches Foto aus Irland als künstlich erzeugt zurück.
Polizeilich gemeldete Begegnungen
Ganz aus der Luft gegriffen ist der Trend allerdings nicht. In Sachsen-Anhalt wurden mehrere Begegnungen mit einer Person im entsprechenden Katzenkostüm gemeldet. Angegriffen wurde dort bisher niemand.
Ein Foto aus dem viralen TikTok-Video lässt sich dem Marktplatz in Coswig, Sachsen-Anhalt, zuordnen. Schirme, ein Parkschild, ein Straßenschild und ein Blumenkübel stimmen mit Bildern aus Google Maps überein. Laut Polizei soll am 19. September 2026 gegen 23 Uhr eine Person im Katzenkostüm in der nahe gelegenen Zerbster Straße eine Anwohnerin bedroht haben. Fast 30 Minuten soll die Person mit einem „Knüppel“ vor dem Wohnhaus gewartet haben. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt.
Der Polizeibericht stellt allerdings keinen Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und dem TikTok-Foto her. Die Quelle des Bildes konnte nicht geklärt werden, die beteiligten TikTok-Nutzer antworteten nicht auf Anfragen. Ein KI-Tool erkannte zwar ein digitales Wasserzeichen – allein daraus lässt sich aber nicht schließen, dass das Bild vollständig mit KI erstellt oder bearbeitet wurde. Die Authentizität konnte daher nicht abschließend beurteilt werden.
In Haldensleben, ebenfalls in Sachsen-Anhalt, meldete ein neunjähriges Mädchen am 12. Oktober 2026, von einer Person im Katzenkostüm verfolgt und bedroht worden zu sein. Laut Polizei war eine entsprechend verkleidete Person bereits im September im Stadtgebiet gesehen worden. Auch dieser Polizeibericht stellt keinen Zusammenhang zu den Bildern aus dem viralen TikTok-Video her.
Erinnerungen an die „Horror-Clowns“
Aus Hessen gibt es laut Hessenschau weitere Berichte. Die Polizei ermittelt in mehreren Fällen wegen mutmaßlicher Bedrohung. Konkrete Fälle, in denen Personen im Katzenkostüm tatsächlich andere verfolgt hätten, seien der hessischen Polizei jedoch nicht bekannt.
Die Berliner Polizei vergleicht den Trend mit den „Horror-Clowns“ von 2016. Damals erschreckten Menschen andere und stellten die Aufnahmen anschließend ins Internet. Der digitale Effekt ist ähnlich: Ein einzelnes Bild wirkt plötzlich wie ein Beweis, wird weitergeschickt, bekommt einen Ort und eine Geschichte – obwohl beides oft fehlt.
Gezieltes Verfolgen, Bedrohen oder Einschüchtern kann strafbar sein. Die Polizei Sachsen-Anhalt rät, sich nicht an solchen Aktionen zu beteiligen und andere nicht absichtlich zu erschrecken oder zu verfolgen. Bei konkreten Bedrohungen oder Gefahr soll die Polizei verständigt werden.
