Brovember im Villacher JUZ: Burschen hinterfragen Rollenbilder auf der Bühne und im Gespräch
Im Villacher Jugendzentrum „JUZ“ dreht sich im November erstmals alles um die Burschen. Das Programm heißt „Brovember“ – abgeleitet vom englischen „Bro“ für „Kumpel“ – und soll Jugendlichen eine Freizeitgestaltung ohne gesellschaftlichen Druck und starre Rollenbilder ermöglichen.
Das JUZ bietet dafür einen Ort, an dem junge Menschen ihre Freizeit ohne gesellschaftliche Zwänge verbringen und sich frei entfalten können. Geschlechtersensible Jugendarbeit gibt es dort schon länger, sie umfasst Mädchen- und Burschenarbeit. Durch die Mädchenarbeit ist der Anteil weiblicher Besucherinnen laut Jugendreferentin Gerda Sandriesser von 24 auf rund 50 Prozent gestiegen.
Workshops, Musik und Freitagnachmittag-Partys
Das kostenlose Brovember-Programm stellen die Jugendlichen selbst zusammen. Geplant sind Schnupper-Workshops, bei denen sie Musikinstrumente ausprobieren, Theater spielen, kochen oder kreativ gestalten können. Dazu kommen Angebote rund ums Skaten, Graffiti, Styling, Billard, Karaoke und DJ-Kurse. Auch Freitagnachmittag-Partys stehen auf dem Plan.
Das JUZ verfügt außerdem über eine kleine Bühne für Nachwuchsbands. Wer noch eine Idee hat oder sich etwas anderes wünscht, kann das direkt im Jugendzentrum einbringen und den „Brovember“ mitgestalten. Ein bisschen Musik, Farbe, Lärm – und hoffentlich auch der Mut, einfach einmal etwas Neues auszuprobieren.
„Männergespräche“ mit Experten
Den gesamten November über stehen Experten aus der Burschenarbeit, Gewaltprävention und Psychotherapie für „Männergespräche“ zur Verfügung. Als Gesprächspartner sind unter anderem der Stuntman und Filmemacher Haris Bilajbegović, Milad Kadkhodaei vom Jugendsozialverein Open Space und Joachim Hainzl vom Verein JUKUS vorgesehen.
Für Schulklassen organisiert das JUZ gemeinsam mit dem Villacher Frauenreferat und dem Verein Ponto eigene Angebote. In Talkshows können die Jugendlichen über Männerbilder diskutieren – also darüber, was Burschen angeblich sein sollen, was sie tatsächlich sind und wo der ganze Druck manchmal herkommt.
Warum geschlechtersensible Jugendarbeit eine Rolle spielt
Mädchenarbeit bezeichnet pädagogische Freizeit-, Bildungs- und Beratungsangebote für Mädchen und junge Frauen. Ihr Hauptziel ist der Abbau struktureller Benachteiligungen. Auf Landesebene gehören dazu Steuerungsaufgaben, Fortbildungsangebote, die Förderung überregionaler Modellprojekte sowie das Aufgreifen und Thematisieren aktueller Entwicklungen und Problemlagen.
Dazu zählen etwa Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten, interkulturelle Mädchenarbeit sowie physische, psychische und sexualisierte Gewalt gegen Mädchen. Geschlechtsbewusste Jungenarbeit gilt ebenfalls als anerkannter Arbeitsansatz und als Qualitätsmerkmal der Jugendhilfe. Sie stellt die Kategorie Geschlecht in den Mittelpunkt und setzt männliche pädagogische Mitarbeiter, Fachlichkeit und Reflexionsbereitschaft voraus.
Spezielle Angebote für Jungen, in denen sie ihre eigene Rolle reflektieren und traditionelle männliche Rollenbilder hinterfragen können, sind in der Praxis allerdings noch nicht überall selbstverständlich. Für die Weiterentwicklung haben sich Mitarbeiter aus kommunalen und verbandlichen Initiativen regional und landesweit in Arbeitskreisen für Jungenarbeit zusammengeschlossen. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration arbeitet in diesen Fachgruppen partnerschaftlich mit.
Als weiterführende Anlaufstellen werden „Mädchen in Hessen“, die „Fachstelle Jungenarbeit Hessen“ und der „Boys’ Day“ verlinkt. In Villach geht es inzwischen ganz praktisch los: im JUZ, im November, mit Workshops, Gesprächen und einer kleinen Bühne.
