In Tscherberg führen Martin und Milica Jernej den Biohof Jernej vlg. Šotor als Familienbetrieb. Der Hof ist rund 200 Jahre alt. Früher wurden dort konventionell Rinder und Schweine gehalten, heute wird Schritt für Schritt umgebaut.

Für Martin Jernej kam der Wechsel in die Landwirtschaft unerwartet. Nach dem plötzlichen Tod seines 54-jährigen Vaters im Jahr 2014 gab er den Maschinenbau auf und absolvierte eine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter. Während dieser Zeit entdeckte er die Hühnerhaltung als wirtschaftliche Perspektive für den Hof. Gemeinsam mit Milica entschied er sich von Anfang an für biologische Landwirtschaft – trotz der Auflagen, die diese Form der Bewirtschaftung mit sich bringt. Bereut hat er die Entscheidung nicht.

Vom Löwenzahn zum eigenen Markenzeichen

Milica Jernej wuchs selbst auf einem Bauernhof auf und arbeitete zunächst in einer Bank. Während der Karenzzeit mit den beiden älteren Kindern begann sie, sich intensiver mit Kräutern zu beschäftigen. Sie stellte erstmals „Löwenzahn-Honig“ her und absolvierte Ausbildungen zur Kräuter- und Knospenpädagogin. Irgendwann war klar: Sie wollte Bäuerin werden und den Hof gemeinsam mit Martin führen.

Ihre veganen Honig-Alternativen „Löwenzahn Gold“, „Lavendel Gold“ und „Brennnessel Gold“ sind inzwischen ein Markenzeichen von Milica Jernej. Die Aufstriche gibt es bei Zadruga in Bleiburg, im Gšeft in St. Michael, im SB-Laden Jäger in Kühnsdorf und ab Hof. Auf Bestellung wird außerdem alle 14 Tage Bauernbrot angeboten – der Duft aus dem Ofen gehört damit ebenfalls zum Hofalltag.

Der Bio-Hühnermaststall ist seit 2017 in Betrieb. Aus gepresstem Hühnermist entwickelte die Familie „Pipillets“, einen Bio-Dünger für Hochbeete, Gärten und landwirtschaftliche Flächen. Nach zweijährigen Versuchen ist die Herstellung laut Martin Jernej mittlerweile vollautomatisiert. Für das kommende Jahr ist geplant, Bio-Hendl ab Hof anzubieten.

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Mehrere Standbeine, viele helfende Hände

Mehrere wirtschaftliche Standbeine seien für einen Familienbetrieb notwendig, sagen die J ernejs. Auch die drei Kinder sind in die Landwirtschaft eingebunden. Gleichzeitig vermitteln Martin und Milica Kindergarten- und Schulkindern, wie Bauern arbeiten und welchen Wert Lebensmittel haben.

Seit der Gründung engagieren sich beide im Verein „Weltacker – Njiva zemljanov“. Sie laden Kinder auf den Hof ein und führen Projekte mit ihnen durch. Bei solchen Besuchen geht es nicht nur um Stallarbeit, sondern auch darum, sichtbar zu machen, wo Lebensmittel herkommen und wie viel Arbeit dahintersteckt.

Martin Jernej legt Wert auf persönlichen Kontakt und Gemeinschaft. Er ist in sieben Vereinen im Vorstand aktiv, darunter bei der Feuerwehr St. Michael, in zwei Eisschützenvereinen, beim MGV/MoPZ Kralj Matjaž, in der Dorfgemeinschaft und im Verein Lebensraum Petzenland-Peca. Zusätzlich hilft er bei Bedarf bei der Bestattung Bleiburg aus und betreut als Mesner die St.-Katharina-Kirche. Diese Aufgabe übernahm er von seinem Vater.

Sein vielfältiges Engagement erklärt Martin Jernej mit seiner Kindheit in einer Gemeinschaft. Traditionen zu erhalten und weiterzugeben, sei ihm wichtig. Viel Zeit bleibt da vermutlich nicht übrig – aber offenbar findet sich immer noch irgendwo eine helfende Hand.

Bio-Geflügelhaltung im Beratungsfokus

Wie Geflügelhaltung auf österreichischen Bio-Betrieben organisiert werden kann, fasste DI Dr. Anna Herzog am 30. November 2023 in einer Übersicht zusammen. Bio-Beraterinnen und -Berater der Landwirtschaftskammern stellten die wichtigsten Informationen kompakt in Beratungsblättern zusammen.

  • Junghennen- und Bruderhahnaufzucht am Bio-Betrieb – PDF, 457,51 kB, Version: Jänner 2023
  • Legehennenhaltung am Bio-Betrieb – PDF, 738,70 kB, Version: August 2022
  • Mastgeflügelhaltung am Biobetrieb – PDF, 462,66 kB, Version: August 2022

Im Artikel sind außerdem Beiträge zur Haltung von Pflanzenfressern sowie zur Schweinehaltung auf österreichischen Bio-Betrieben verlinkt.

Platz, Tageslicht und strenge Regeln

Bei Hühnern können Verhaltensstörungen wie Federpicken, Kloakenpicken und Kannibalismus auftreten. Um dem vorzubeugen, sollen die Verhaltensbedürfnisse der Tiere erfüllt werden. In der Bio-Geflügelhaltung gehören dazu ein Mindestangebot an Platz, die Gliederung des Stalls in verschiedene Bereiche – etwa Scharrraum, Auslauf und Veranda – sowie ausreichend Tageslicht.

Vorbeugender Einsatz von Antibiotika ist verboten. Grundsätzlich dürfen auf Bio-Betrieben aber alle in Österreich zugelassenen Medikamente verabreicht werden. Nach einer Medikamentengabe gilt eine doppelte gesetzliche Wartezeit. Gibt es keine gesetzlich festgelegte Wartezeit, muss sie mindestens 48 Stunden betragen.

Die Behandlung kranker Tiere hat Vorrang. Werden chemisch-synthetische Tierarzneimittel eingesetzt, gelten verlängerte Wartezeiten und zusätzliche Dokumentationspflichten. Grundlage für diese Anforderungen ist die EU-Bio-Verordnung.

Quelle 1: MeinBezirk.at
Quelle 2: Landwirtschaftskammer Oberösterreich
Quelle 3: AMA Bio