Völkermarkt rüstet sich für die lange Krampus-Saison mit mehr als 50 Gruppen
Im Bezirk Völkermarkt werden die schweren Glocken bald wieder lauter: Krampus- und Perchtengruppen bereiten ihre Läufe und Shows für November und Dezember 2026 vor. Heute, am 2. November 2026, ist der Kalender bereits dicht gefüllt – und wer einmal erlebt hat, wie Masken, Fell, Ketten und Schellen durch die kalte Luft ziehen, weiß: Leise wird diese Zeit nicht.
Den Auftakt im Bezirk macht am Samstag, 14. November, die Gruppe „Black Soul“. Sie veranstaltet zum siebenten Mal ihren Krampuslauf im Industriepark Völkermarkt. Beginn ist um 18 Uhr. Am selben Abend finden laut Kärntner Veranstaltungskalender auch in Grafenstein im Hambruschsaal, in Arriach bei der Talstation Klösterle und in Althofen Krampusläufe statt; in Thörl-Maglern beginnt der Lauf beim FF-Haus um 18:15 Uhr, in Sekirn startet um 19 Uhr der 1. Lauf der D’Klagenfurter Spitzbuam.
Vom Industriepark bis zum Bleiburger Hauptplatz
Am Freitag, 20. November, folgt in Bleiburg der 19. Krampuslauf der Gruppe „Village of Death“. Am Hauptplatz werden 30 Gruppen mit insgesamt mehr als 700 Krampussen und Perchten erwartet. Beginn ist um 19 Uhr. Kärntenweit stehen an diesem Tag außerdem ein Krampusumzug in Greifenburg am Schlossplatz, der Ferlacher Krampuslauf um 18 Uhr am Hauptplatz, das Dead-Devils-Krampuskränzchen in Klagenfurt beim Kirchenwirt, ein großer Krampusumzug auf der Adventpromenade in Pörtschach um 18:30 Uhr, der Krampuslauf Carlovers in Klagenfurt um 18:30 Uhr und Läufe in Bodensdorf sowie weitere Veranstaltungen auf dem Programm.
Am Sonntag, 22. November, treten die Griffner Schlossbergteufel und Gastgruppen beim Griffner Krampuslauf im Ortszentrum Griffen auf. Los geht es um 16 Uhr. Im weiteren Kärntner Kalender finden sich an diesem Tag unter anderem ein Krampusumzug in Gurnitz von 13 bis 16:30 Uhr, ein Lauf in Klagenfurt/Waidmannsdorf beim Wulfenia-Kino um 14:30 Uhr sowie weitere Veranstaltungen.
Freitag, 27. November, gehört in Rückersdorf der Perchtengruppe Bad Eisenkappel. Sie gastiert zum 21. Mal am Sportplatz. Gastgeber und Veranstalter sind die Freiwillige Feuerwehr und die Sportfreunde Rückersdorf. Gezeigt wird das neue Programm „Die verschollene Macht“. Der Nikolaus verteilt kleine Geschenke an Kinder, außerdem werden Sachpreise verlost. Beginn ist um 17 Uhr.
Am gleichen Tag sind in Kärnten auch der Perchtenlauf der Bergteufel in Rothenthurn um 17:30 Uhr, der Krampuslauf Castellino in Hörtendorf um 18 Uhr, der Villacher Krampuslauf in der Innenstadt um 18:30 Uhr und ein Perchtenumzug in Lind/Kleblach-Lind um 18:30 Uhr angekündigt. In Völkermarkt darf man sich derweil schon auf den großen Dezembertermin einstellen.
Mehr als 50 Gruppen am 5. Dezember
Beim 15. Völkermarkter Krampuslauf der Lippitzbacher Höllenteufel treten am Samstag, 5. Dezember, am Hauptplatz mehr als 50 Krampus- und Perchtengruppen aus verschiedenen Regionen auf. DJ Wickbone sorgt für Musik, Beginn ist um 18 Uhr. Rund um diesen Termin geht es in Kärnten Schlag auf Schlag: In Großkirchheim startet um 17 Uhr ein Nikolaus- und Krampusumzug, in Oberdrauburg folgt um 17:30 Uhr ein Perchtenumzug. Um 18 Uhr stehen Krampusumzüge in Penk/Napplach und Feistritz an der Gail auf dem Programm, um 18:30 Uhr ein Krampuslauf in Bad St. Leonhard. In Straßburg findet der Krampuslauf der Schlossteufel statt.
Schon im Oktober beginnt die landesweite Saison. Von 17. Oktober bis 12. Dezember 2026 sind in Kärnten zahlreiche Krampus-, Perchten- und Nikolausveranstaltungen angekündigt. Der Stand der Übersicht ist der 11. Oktober 2026; sie wird ergänzt, Änderungen sind möglich.
Zu den frühen Terminen zählen am 17. Oktober eine Krampus- und Perchtenausstellung mit Dorfdisco in Kraig/Frauenstein sowie um 20 Uhr „Krampus trifft Tracht“ in Arriach. Am 24. und 25. Oktober läuft in Liebenfels ab 10 Uhr die 10. Perchtenausstellung, in Griffen findet die 3. Maskenausstellung statt. Am 6. November geht es um 19 Uhr mit dem Krampuslauf am Fuße des Dreiländerecks in Seltschach weiter. Der 7. November bringt unter anderem den Jaklinger Lauf in St. Andrä/Jakling und das Seenteufel-Krampustreiben am Gemeindeareal in Keutschach, jeweils um 17 Uhr, außerdem das Krampusspektakel zum 50-jährigen Bestehen in Techelsberg und das Krampuskränzchen Shetan in Klagenfurt, jeweils um 18 Uhr. In St. Margareten im Rosental, Moosburg im GH Karawankenblick und St. Egyden beginnen um 20 Uhr Krampuskränzchen beziehungsweise die AFC-Krampusdisco; in Wolfsberg startet um 20:30 Uhr das Krampuskränzchen „Die Gruft“. Am 8. November folgt um 15 Uhr der 5. Kremschitzer Krampuslauf in Kremschitz/Völkermarkt.
Auch abseits des Bezirks Völkermarkt ist der Kalender dicht: Am 13. November werden etwa in Ebenthal am Michael-Rebernig-Platz zwischen 16 und 22 Uhr die Tore zum Ebenthaler Krampuslauf geöffnet, der Lauf ist für 19 Uhr angekündigt. In Seeboden/Lieserhofen und Paternion beginnen um 18 Uhr der Lieserhofer Perchtenlauf und die Paternioner Teiflstreibn, in St. Veit folgt um 19 Uhr das Krampuskränzchen der Höllenbrut Teufel. Am 15. November stehen um 16 Uhr ein Lauf in Klagenfurt/Fischl beim Spar Fischl und um 16:30 Uhr der 3. Krampuslauf in Ettendorf an.
Zwischen 18. und 22. November kommen weitere Termine dazu: Krampustreiben in Suetschach am 18. November um 19 Uhr, ein Perchtenumzug in Mörtschach bei der Kultbox und „Perchten und Punsch“ in Zweinitz am 21. November ohne angeführte Uhrzeit. In Köttmannsdorf, Frantschach, Reifnitz/Maria Wörth, Gailitz, Bad Kleinkirchheim, Klagenfurt und Brückl sind am 21. November weitere Läufe, Umzüge und Kränzchen geplant. In Feistritz im Rosental beginnt um 20:30 Uhr die Krampusdisco im Kulturhaus. Am 25. November wird in Suetschach um 19 Uhr erneut Krampustreiben veranstaltet.
Am 28. November folgen unter anderem ein Krampusumzug in Dellach im Drautal, ein Perchtenlauf in Friesach um 18 Uhr, ein Krampusevent mit Disco in Hermagor gegen 18 Uhr sowie ein Perchten- und Krampuslauf in St. Paul im Lavanttal um 18:30 Uhr. Für den 29. November sind der Krampuslauf Seigbichl in Moosburg und ein Krampusumzug mit Nikolaus beim Feuerwehrhaus in Rosegg jeweils um 14 Uhr angekündigt, dazu ein Lauf in Klagenfurt/Annabichl beim Hofer um 15 Uhr, der Veldener Krampuslauf vom Monkey Circus Richtung Schlosshotel um 16 Uhr und das Nikolospringen in Liebenfels ohne angeführte Uhrzeit.
Der Dezember bleibt nicht ruhiger. Am 1. Dezember gibt es um 18:30 Uhr am Hauptplatz in Seeboden einen Krampuslauf mit Nikolo, am 2. Dezember um 19 Uhr Krampustreiben in Suetschach. Am 4. Dezember stehen ein Nikolaus- und Krampusbesuch im Wernberger Feuerwehrhaus um 15 Uhr und ein Perchtenlauf ab 16 Uhr am Gmündner Hauptplatz auf dem Programm. Am 6. Dezember folgen um 15 Uhr der 1. Pischeldorfer Kessellauf, Nikolaus und Perchtengruppe beim Mallnitzer Bergadvent sowie ein Christkindlmarkt mit Nikolaus und Perchten im Lavamünder GH Hüttenwirt. Am 7. Dezember werden in Obermillstatt um 18 Uhr, in Kolbnitz um 18:30 Uhr und in Guttaring um 19 Uhr weitere Läufe und Umzüge veranstaltet. Den Abschluss der angeführten Übersicht bilden am 11. Dezember um 19 Uhr das RSK-Krampuskränzchen im Klagenfurter Café Meran und am 12. Dezember ein Perchtenumzug mit Disco in Steinfeld am Hauptplatz.
Zwischen Nikolausbrauch und großer Show
Der Krampus ist eine furchteinflößende Gestalt des winterlichen Nikolausbrauchtums im österreichischen Alpenraum, besonders in Kärnten. Fell, Hörner, Larven oder Masken, Glocken, Ketten, Ruten und teilweise Rückenkörbe gehören zum vertrauten Bild. Der Nikolaus lobt und beschenkt Kinder, der Krampus steht als Gegenfigur für Warnung, Strafe und die Folgen schlechten Verhaltens.
Eine genaue „Erfindung“ des Krampus lässt sich nicht datieren. Historisch nachvollziehbare Wurzeln liegen laut Library of Congress in mittelalterlichen Teufelsdarstellungen, religiösen Nikolausspielen, volkstümlichen Aufführungen, Hausbesuchen und regionalen Maskenbräuchen. Für Kärnten wird das 17. und 18. Jahrhundert als Zeitraum genannt, ab dem der Krampus als fester Begleiter des Nikolaus deutlich belegt ist. Ein unverändert überlieferter Ursprung in einem vorchristlichen Kult ist hingegen nicht nachgewiesen.
Ältere europäische Traditionen – Maskierungen, Winterumzüge, Lärmrituale und dämonische Tiergestalten – könnten die Entwicklung beeinflusst haben. Behauptungen, der Krampus stamme direkt aus einer germanischen Religion oder sei ein Sohn der Unterweltgöttin Hel, sind historisch nicht belastbar belegt. Auch die Herkunft des Namens bleibt offen: Eine verbreitete Kärntner Deutung leitet „Krampus“ von „Krampe“ im Sinn von Kralle oder Haken ab, eine weitere mögliche Herkunft ist das bairische „Krampn“, verbunden mit etwas Vertrocknetem, Eingeschrumpftem oder Totem.
Regional schaut die Sache jeweils ein wenig anders aus. Häufig sind Tierfell oder fellartige Kleidung, geschnitzte Holzmasken, Hörner, Zunge und Zähne nach dämonischen Bildmotiven, schwere Glocken oder Schellen, Ketten und Birkenruten. In Kärnten kommen sogenannte „Buckelkraxen“ dazu. ORF Kärnten dokumentiert Varianten mit Schwänzen, Tierpfoten und unterschiedlichen Maskenformen. In Kärnten heißen die Gestalten teilweise „Bartl“ oder „Spitzbartl“, Namen, die mit „Baumbart“ in Verbindung gebracht werden, der früher zur Maskierung verwendet worden sein soll. Im benachbarten Osttirol ist „Klaubauf“ verbreitet – der Name wird mit dem symbolischen Aufklauben unartiger Kinder in einem Korb verbunden.
Krampus und Percht gehören historisch zu unterschiedlichen Brauchzusammenhängen: Der Krampus ist in der Nikolauszeit und Anfang Dezember daheim, die Perchten in den Rauhnächten und rund um den Jahreswechsel. Zugleich gilt die Perchtentradition als möglicher Einfluss auf die Entwicklung des Krampus. Heute verschwimmen die Grenzen bei großen Veranstaltungen ohnehin ein bisserl. Traditionelle Hausbesuche sind kleine, persönliche Treffen mit Nikolaus, Kindern und Familien. Moderne Läufe können Großveranstaltungen mit vielen Gruppen, Feuer, Licht, Musik, Nebel und großem Publikum sein.
Masken, Lärm und ein Blick auf die Sicherheit
Die Masken verbinden Handwerk, Theater und Volksbrauch. Individuelle Holzmasken zeigen Hörner, Zähne, Hautfalten und Gesichtszüge bis ins Detail. Glocken und Ketten geben den Takt vor; ihr Lärm konnte in europäischen Winterbräuchen Gefahr darstellen, Aufmerksamkeit erzeugen oder symbolisch böse Kräfte vertreiben. Die konkrete ursprüngliche Bedeutung lässt sich regional nicht immer eindeutig rekonstruieren. Ein beschriebenes Video mit Masken, Bewegungen, Glocken und der Atmosphäre des Kärntner Krampusbrauchtums ist jedenfalls kein Beleg für übernatürliche Wesen.
Der Krampus ist nicht mit dem theologischen Teufel identisch. Beide verwenden eine ähnliche dämonische Bildsprache, doch der Teufel soll zum Bösen verführen, während der Krampus im Nikolausbrauch Fehlverhalten bestrafen und das Gute hervorheben soll. Traditionell erscheint er am 5. Dezember oder gemeinsam mit dem Nikolaus bei Hausbesuchen. Berichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert beschreiben Besuche in Familien und Schulen, bei denen Kinder gelobt, geprüft und ermahnt wurden.
Die Rute steht traditionell für Strafe und Ermahnung, soll aber nicht zur Verletzung von Menschen dienen. Bei modernen Läufen bestehen reale Risiken durch schwere Masken, Hörner, Glocken, Feuer und dichtes Publikum. Es wurde auch über Angriffe von Zuschauern auf Darsteller berichtet. Besonders gefährlich ist das Ziehen an Hörnern, weil dadurch Kopf und Nacken belastet werden können. Besucher sollten Abstand halten, Absperrungen beachten und Darsteller nicht an Masken oder Hörnern anfassen.
In Kärnten gibt es zahlreiche lokale Gruppen und Vereine. Der Brauch hat sich durch Vereine, Medien, Tourismus und Sicherheitsanforderungen verändert; die Saison beginnt heute oft schon im November und reicht über den 5. Dezember hinaus. 2025 berichtete ORF Kärnten etwa über die „SeenTeufel“ aus Keutschach, eine seit Jahren aktive reine Frauen-Krampusgruppe. Frauen unter Krampusmasken sind damit Teil der heutigen Entwicklung des Brauchs.
Seit den frühen 2000er-Jahren wurde die Figur auch in den USA bekannter. Filme, Comics, Weihnachtsmärkte und Veranstaltungen machten den Krampus zu einer internationalen Horror-Weihnachtsfigur, der Film „Krampus“ von 2015 verstärkte diese Verbreitung. Die Popkulturversion unterscheidet sich teilweise deutlich vom Kärntner Nikolausbrauch und erzählt oft neue Geschichten. Historisch belegt sind Nikolausspiele, dämonische Begleitfiguren, Hausbesuche, regionale Maskenformen und dokumentierte Krampusbräuche; Vorstellungen über übernatürliche Kräfte, Entführungen oder eine Herkunft aus einer anderen Welt gehören zu Volksglauben und Legenden, nicht zu historischen Nachweisen.
Am Völkermarkter Hauptplatz wird es am 5. Dezember jedenfalls wieder nach Holz, Stoff, kalter Luft und ein wenig Adrenalin riechen. Wenn dann die erste Glocke anschlägt, ist die lange Saison endgültig angekommen.
