In der malerischen Stadt Bregenz, direkt an der Kirchstraße 29, steht ein ganz besonderes Gebäude, das sich mit seiner schmalen Fassade in die Herzen der Besucher geschlichen hat. Mit einer Breite von nur 57 Zentimetern hat es sich den Titel des schmalsten Hauses Europas gesichert. Wer an diesem ungewöhnlichen Ort vorbeikommt, wird schnell bemerken, dass die Eingangstür breiter ist als die Fassade selbst – ein lustiges, fast schon skurriles Detail, das die Neugier weckt.
Das Gebäude, das aufgrund seiner Bauweise als parasitäre Architektur bezeichnet wird, fügt sich harmonisch in eine bestehende Baulücke ein und hat keine eigenen Seitenwände. Stattdessen lehnt es sich an die angrenzenden Häuser an und wird nach hinten hin keilförmig breiter. Mit einer Gesamtfläche von rund 60 Quadratmetern bietet es dennoch genügend Platz, um als Galerie 9und20 genutzt zu werden. Die Geschichte des Hauses reicht bis ins Jahr 1796 zurück, als es erstmals urkundlich erwähnt wurde. Ursprünglich gehörte es einem Wachszieher, bevor die Familie Lang 1886 ein Bürstenbinder- und Kinderwagengeschäft dort betrieb, das 1999 geschlossen wurde.
Eine faszinierende Geschichte
Die Kirchstraße, eine der ältesten Straßen in Bregenz, hat schon viele Geschichten gesehen. Das schmalste Haus ist nur eine davon. Nach einer umfassenden Sanierung zwischen 2017 und 2019 erstrahlt das Gebäude in neuem Glanz und zieht mit seiner besonderen Bauweise die Blicke der Passanten auf sich. Komischerweise wird es oft missverstanden – es ist nicht das schmalste Haus Europas, sondern das mit der schmalsten Fassade. Dennoch bleibt es ein einzigartiges Bauwerk, das Architekturliebhaber und Neugierige gleichermaßen anzieht.
Die Fassade, die auf den ersten Blick wie das Ergebnis eines architektonischen Scherzes wirkt, hat im Inneren eine ganz andere Funktionalität. Die Rückseite des Hauses weitet sich und erreicht eine gewöhnliche Wohnhausbreite. So wird der schmale Eindruck von außen schnell relativiert. Die Fenster und die Haustür wurden ursprünglich zugemauert, als das Geschäft schloss, aber die charmante Galerie hat das Gebäude wieder mit Leben erfüllt.
Ein Blick auf die Nachbarschaft
Interessant ist auch, dass es in anderen europäischen Städten ebenfalls schmale Häuser gibt – so zum Beispiel in Kiel, wo ein Haus nur 80 cm breit ist, oder in Valencia mit 97 cm. Sogar in Wien und Graz gibt es bemerkenswerte Beispiele, die als Sehenswürdigkeiten gelten. Bregenz hat mit seinem schmalsten Haus jedoch ein ganz eigenes, unverwechselbares Flair, das es zu einem besonderen Ort macht.
Insgesamt bleibt das schmale Gebäude an der Kirchstraße 29 nicht nur ein architektonisches Kuriosum, sondern auch ein Stück Geschichte, das die Entwicklung der Stadt Bregenz widerspiegelt. Wer durch die Stadt schlendert, sollte unbedingt einen Blick auf diese architektonische Rarität werfen und sich von der Geschichte, die hinter den schmalen Wänden steckt, verzaubern lassen. Ein Besuch lohnt sich allemal!