Das stille Ende von Eibetex: Ein Verlust für Langzeitarbeitslose in Waidhofen an der Thaya
Heute ist der 30.09.2026 und in Waidhofen an der Thaya herrscht eine spürbare Traurigkeit. Das Ende des sozialökonomischen Betriebs Eibetex steht bevor, und Irmgard Kaufmann, die Obfrau des Vereins, ist sichtlich betroffen. „Es ist einfach schade“, sagt sie, während sie an die sechs Mitarbeitenden denkt, die ihre Anstellung verlieren werden. Eibetex, im Jahr 1990 gegründet, war eine wichtige Stütze für Langzeitarbeitslose. Hier konnten sie nicht nur Beratung und Training in Anspruch nehmen, sondern auch wertvolle Arbeitserfahrungen sammeln.
In den letzten Jahren wurde das Angebot jedoch immer weiter reduziert, und die Anstellungen waren nur mehr für kurze Zeiträume von drei bis sechs Monaten möglich. Kaufmann schätzt, dass nicht Hunderte, aber doch einige Menschen durch Eibetex in die Arbeitswelt zurückgekehrt sind. Allein im Jahr 2023 haben über 80 Personen Beratungsgespräche genutzt. Doch trotz aller Bemühungen stand das Projekt bereits im selben Jahr vor der Schließung, konnte aber durch Proteste und finanzielle Unterstützung des Bundes gerettet werden. Es war eine Art Strohhalm – doch die Neuausrichtung, die damit einherging, hat nicht gereicht.
Das Aus für Eibetex
Das AMS Niederösterreich hat nun die reguläre Förderung für Eibetex zum Jahresende eingestellt. Ein Schritt, der laut deren Aussagen auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt und regionale Unterschiede zurückzuführen ist. Bürgermeister Josef Ramharter äußert sich kritisch zu dieser Entscheidung. Er betont die große Bedeutung von Eibetex für Langzeitarbeitslose und erkennt die Skepsis in der Bevölkerung, die sich gegen das Ende des Projekts regt. „Das ist einfach nicht nachvollziehbar“, so Ramharter. Auch Silvia Moser, Landtagsabgeordnete der Grünen, bezeichnet das Ende als „arbeitsmarktpolitische Bankrotterklärung“.
Doch Eibetex ist nicht das einzige Projekt, das von dieser Entscheidung betroffen ist. Das AMS hat die Förderung für insgesamt drei regionale Beschäftigungsprojekte eingestellt, darunter auch das Landschaftspflegeprojekt Schmidatal und das Frauenbeschäftigungsprojekt LIMA in Marktl. Aktuell sind 38 ehemals langzeitarbeitslose Personen in diesen Projekten beschäftigt, betreut von 25 Arbeitsanleitern und Sozialarbeitern. Die Arbeitsmarktlage in Niederösterreich zeigt sich dabei von ihrer variierenden Seite: Während der Bezirk Zwettl eine Arbeitslosenquote von 3,0% aufweist, liegt diese in Wiener Neustadt bereits bei 8,2%.
Ein Umbruch in der Arbeitswelt
Die Entscheidung des AMS begründet sich nicht nur durch finanzielle Einschnitte, sondern vielmehr durch eine Anpassung der Förderstruktur. Die Verantwortlichen arbeiten bereits an Alternativangeboten für die betroffenen Regionen. Sozialökonomische Beschäftigungsprojekte bieten eine wertvolle Chance, um Langzeitarbeitslose wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Doch die Zeit drängt – die fortwährenden Veränderungen am Arbeitsmarkt verlangen nach flexiblen Lösungen.
Diese Entwicklungen sind nicht nur lokal von Bedeutung. Auch auf der nationalen Ebene gibt es Handlungsbedarf, insbesondere wenn man die Integration von Migrantinnen und Migranten betrachtet, die oft doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Programme wie „Integration durch Qualifizierung“ sind zentrale Maßnahmen, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. In Österreich ist die gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben entscheidend – und der Verlust von Projekten wie Eibetex macht deutlich, wie wichtig solche Initiativen sind.
Für die Betroffenen, die nun vor einer ungewissen Zukunft stehen, bleibt zu hoffen, dass es bald neue Wege und Lösungen geben wird. Kaufmann versichert, dass der ehrenamtliche Vorstand von Eibetex an Lösungen für die Mitarbeitenden arbeitet. Das Ende von Eibetex mag zwar einen schweren Schlag darstellen, doch die Suche nach neuen Perspektiven und Möglichkeiten geht weiter.
