Vier 90-Jährige, eine Schulbank: Waidhofens ungewöhnliches Klassentreffen im Rathaus
Im Rathaus von Waidhofen an der Thaya wurde am 23. Oktober 2026 nicht nur Geburtstag gefeiert. Die Stadtgemeinde ehrte vier Menschen, die im zweiten Halbjahr 2026 ihren 90. Geburtstag feiern: Hedwig Schuster, Elfriede Litschauer, Johanna Neumann und Johann Mödlagl.
Gemeinsam mit ihren Angehörigen verbrachten die Jubilare einen festlichen Nachmittag. Im Mittelpunkt standen Erinnerungen aus neun Lebensjahrzehnten – und eine Schulzeit, die sie miteinander verbindet. Alle vier hatten einst gemeinsam die Schulbank gedrückt. Aus der Feier wurde dadurch, fast nebenbei, ein kleines Klassentreffen.
Alte Geschichten, neue Lacher
Die Runde tauschte Erinnerungen und Geschichten aus den gemeinsamen Schuljahren aus. Auch die eine oder andere Anekdote kam auf den Tisch. Manches davon dürfte längst vergessen geglaubt worden sein, anderes wurde vermutlich schon mehr als einmal erzählt – aber eben nicht immer in derselben Runde.
Bürgermeister Josef Ramharter, Vizebürgermeisterin Marlene-Eva Lauter und Dechant Josef Rennhofer gratulierten persönlich und überreichten kleine Geschenke. Neben den Glückwünschen würdigten sie die Lebensleistung der vier Jubilare. Ihre Wünsche: Gesundheit, Glück und weitere erfüllte Jahre.
Eine Stadt mit langer Geschichte
Waidhofen an der Thaya ist eine Stadtgemeinde in Niederösterreich und Verwaltungssitz des gleichnamigen Bezirks. Die nördlichste Bezirkshauptstadt Österreichs liegt im nördlichen Waldviertel am Oberlauf der Deutschen Thaya, die das Gemeindegebiet von Süden nach Norden durchfließt. Zum Gewässernetz gehören außerdem Lensbach, Großer Radlbach und Kaltenbach.
46,05 Quadratkilometer Fläche, 510 Meter Seehöhe und 5.223 Einwohner – so lautet der Stand vom 1. Jänner 2026. Die Bevölkerungsdichte beträgt 113 Einwohner je Quadratkilometer. Die Stadt trägt die Postleitzahl 3830, die Vorwahl 02842 und das Kfz-Kennzeichen WT. Die Gemeindeverwaltung sitzt am Hauptplatz 1, online ist sie unter www.waidhofen-thaya.at erreichbar.
Urkundlich erwähnt wurde Waidhofen an der Thaya erstmals 1171, 1230 erhielt die Stadt das Stadtrecht. Altwaidhofen entstand bereits im 12. Jahrhundert und wurde 1230 erstmals als Altsiedlung genannt. Die Grenzlage brachte wiederholt Angriffe aus Böhmen, erst nach dem habsburgischen Erwerb Böhmens und Mährens 1526 beruhigte sich die Situation. Bis 1848 blieb die Stadt landesfürstlich.
Ende des 17. Jahrhunderts sorgte das textile Heimgewerbe im Umland für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Waidhofen entwickelte sich neben Krems zur wichtigsten Gewerbestadt des Waldviertels. Ein Großbrand zerstörte im August 1873 zahlreiche Häuser der Altstadt. Die Kaiser-Franz-Josef-Jubiläums-Wasserleitung wurde 1897 nach Plänen von Johann von Podhagsky errichtet.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an den NS-Staat war Waidhofen Verwaltungssitz des Kreises Waidhofen an der Thaya, zu dem auch Teile der besetzten Tschechoslowakei gehörten. Mit der niederösterreichischen Kommunalstrukturreform wurden am 1. Jänner 1972 sechs Gemeinden eingegliedert: Altwaidhofen, Kleineberharts, Vestenötting, Hollenbach, Puch und Ulrichschlag.
Zwischen Thaya, Theater und Waldrapp-Voliere
Das Gemeindegebiet umfasst 13 Ortschaften und Katastralgemeinden, darunter Altwaidhofen, Götzles, Hollenbach, Kleineberharts, Matzles, Puch, Pyhra, Schlagles, Ulrichschlag, Vestenötting und Waidhofen an der Thaya. Die Gemeinde gehört zur Kleinregion Zukunftsraum Thayaland.
Zu sehen gibt es das Schloss Waidhofen, die katholische und die evangelische Pfarrkirche sowie die Pfarrkirche Puch. Theateraufführungen, Konzerte, Musicals und Ausstellungen stehen ebenfalls auf dem Programm. Das jährliche Internationale Musikfest wird vom Folkclub Waidhofen veranstaltet. Im TAM, dem „Theater an der Mauer“, befindet sich das nördlichste Theater Österreichs.
Seit 2003 gibt es in Waidhofen Europas größte Waldrapp-Voliere. Die seltenen und gefährdeten Ibisvögel werden dort zur Arterhaltung in Gefangenschaft gezüchtet. Unter der Innenstadt liegen mittelalterliche Kelleranlagen, die vermutlich teilweise als Fluchtwege dienten. Ein Teil davon ist begehbar und kann besichtigt werden – ein Stück Stadtgeschichte unter den eigenen Schuhsohlen.
Wer lieber draußen unterwegs ist, findet Möglichkeiten zum Radfahren, Wandern und Golfen. Dazu kommen ein Freibad, Tretbootfahren auf der Thaya, Tischtennis, Minigolf, Pit-Pat und Beachvolleyball. Ein Radweg auf ehemaligen Bahntrassen führt bis nach Tschechien. Für Übernachtungsgäste steht ein Campingplatz bereit.
Der größte Sportverein der Stadt ist die Sportunion mit den Sektionen Turnen, Tennis, Tischtennis, Modellflug, Laufen und Eislaufen. Zu ihr gehört auch die „Jäger- und Schützengilde Union Raika Waidhofen von 1596“. Geschossen wird in einem Jugendstilschützenhaus mit Luftwaffen und Armbrüsten auf 10 Meter Entfernung.
Verkehr, Schulen und Versorgung
Waidhofen liegt am Kreuzungspunkt der Zwettler Straße, B 36, und der Waidhofener Straße, B 5. Wieselbusse und Postbusse verbinden die Stadt mit den umliegenden Orten und mit St. Pölten. Die Thayatalbahn verlief ursprünglich von Schwarzenau bis Slavonice. Der Schienenersatzverkehr besteht seit 1. September 1986, der Bahnverkehr wurde im Dezember 2010 eingestellt. Der nördlich von Waidhofen gelegene Abschnitt wurde 2015 abgetragen und durch einen asphaltierten Radweg der Thayarunde ersetzt.
Damit gehört Waidhofen zu den fünf österreichischen Bezirkshauptstädten ohne Anschluss an den öffentlichen Schienenpersonenverkehr. Für Radfahrer ist die alte Strecke trotzdem praktisch geworden – manchmal nimmt eine Bahntrasse eben auf zwei Rädern eine neue Fahrt auf.
Das Bildungsangebot reicht vom Gymnasium über eine Handelsakademie mit Handelsschule, ein Polytechnikum, eine Mittelschule und eine Volksschule bis zur Sonderschule. In Kleineberharts wurde 2019 eine Montessori-Schule für die Schulstufen 1 bis 12 mit angeschlossenem Kinderhaus eröffnet. Erwachsenenbildung bietet die Volkshochschule.
Das Landesklinikum Waidhofen an der Thaya verfügt über Abteilungen für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Chirurgie, Innere Medizin und Urologie sowie über ein Waldviertler Zentrum für seelische Gesundheit. Die Innere Medizin umfasst unter anderem Palliativmedizin, Onkologie und Herzüberwachung. Der Rettungsdienst wird vom Roten Kreuz über die Bezirksstelle in Waidhofen durchgeführt.
Die Einwohnerzahl stieg von 3.894 im Jahr 1869 auf 5.750 im Jahr 2001. Danach ging sie zurück: auf 5.649 im Jahr 2011, 5.262 im Jahr 2021 und 5.223 im Jahr 2026. Im Jahr 2001 gab es 375 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten und 138 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Am Wohnort waren damals 2.488 Personen erwerbstätig, die Erwerbsquote lag bei 44,86 Prozent.
Politik und Verbindungen
Bürgermeister ist Josef Ramharter von der ÖVP. Er wurde 2021 zum Bürgermeister gewählt und 2025 im Amt bestätigt. Der Gemeinderat hat 29 Mitglieder. Nach der Wahl 2025 entfallen 16 Sitze auf die ÖVP, 9 auf die FPÖ, 2 auf die SPÖ und 2 auf die Grünen. Zum Vergleich: 1990 bestand der Gemeinderat aus 19 ÖVP-, 7 SPÖ- und 3 FPÖ-Mandaten.
Städtepartnerschaften bestehen seit 1982 mit Heubach in Deutschland und seit 1992 mit Telč in Tschechien. Mit Waidhofen verbunden werden unter anderem der Philanthrop Franz Eipeldauer, der Historiker Peter Dusek, die ORF-Moderatorin Ricarda Reinisch-Zielinski, die Politiker Eduard Köck, Gottfried Waldhäusl, Martina Diesner-Wais und Viktoria Hutter sowie der Rennfahrer Alexander Wurz.
