Heute, am 26. Oktober 2026, wird in Österreich der Nationalfeiertag begangen. Auch von Waidhofen an der Ybbs aus lohnt sich der Blick nach Wien: Dort reicht das Programm von Kranzniederlegungen und offenen Türen bis zu Panzern, Polizeihunden und politischen Gesprächen. Der offizielle Auftakt war bereits für den 25. Oktober vorgesehen: Um 9:30 Uhr eröffnete Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Äußeren Burgtor die Zeremonie, anschließend nahm die Bundesregierung an der Kranzniederlegung teil.

Der Nationalfeiertag erinnert an das am 26. Oktober 1955 beschlossene Gesetz zur österreichischen Neutralität. Seit 1965 wird er jährlich an diesem Datum begangen, seit 1967 ist er den gesetzlichen Feiertagen gleichgestellt und arbeitsfrei. Mit dem österreichischen Staatsfeiertag am 1. Mai ist er nicht identisch – verwechselt wird das im Alltag trotzdem immer wieder.

Bundesheer, Überflug und Zapfenstreich

Auf dem Heldenplatz und beim Burgtheater läuft von 24. bis 26. Oktober die Leistungsschau des Bundesheeres. Am Samstag, 24. Oktober, und Sonntag, 25. Oktober, gibt es jeweils von 11:00 bis 16:00 Uhr die „Leistungsschau Kompakt“. Am Sonntag kommt um 13:00 Uhr ein Konzert der Gardemusik dazu.

Am heutigen Nationalfeiertag ist das Programm dichter getaktet: Von 09:00 bis 17:00 Uhr werden unter anderem Panzer, Hubschrauber und Eurofighter gezeigt. Um 09:30 Uhr steht die Kranzniederlegung auf dem Plan, um 10:56 Uhr der Überflug von Luftfahrzeugen. Danach folgt von 11:00 bis 12:30 Uhr die Großangelobung. Am Heldenplatz schließen sich Vorführungen an – darunter Panzerballett, Militärhunde, Militärmusik, Fallschirmsprung und eine Gefechtsvorführung.

Um 16:00 Uhr hebt der Hubschrauber AW169 „Lion“ ab. Danach werden die Panzerkolonne aufgestellt und ausgefahren, ehe um 17:00 Uhr der Zapfenstreich erklingt. Das Bundesministerium für Landesverteidigung verbindet die Leistungsschau mit der Initiative „Wir bewegen Österreich“.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Offene Türen und volle Häuser

Wer lieber durch historische Räume als zwischen Kettenfahrzeugen unterwegs ist, hat ebenfalls reichlich Auswahl. Die Präsidentschaftskanzlei in der Hofburg am Ballhausplatz 1010 Wien öffnet von 10:00 bis 15:30 Uhr. Führungen geben Einblick in die Räumlichkeiten, die Aufgaben des Bundespräsidenten und die Geschichte des Hauses. Dazu besteht die Möglichkeit, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Doris Schmidauer kennenzulernen.

Im Parlament am Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien, läuft der Tag der offenen Tür von 10:00 bis 16:00 Uhr; der letzte Einlass ist etwa um 14:00 Uhr. Die Zeitslots sind allerdings bereits ausgebucht. Das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz 2 empfängt Besucher von 12:00 bis 17:00 Uhr. Angeboten werden Gruppenführungen durch Feststiege, Leopold-Figl-Saal, Ministerratssaal, Grauen Ecksalon, Kongresssaal und Marmorecksalon. Möglich ist auch ein Meet & Greet mit anwesenden Regierungsmitgliedern. Im Artikel werden als mögliche Gesprächspartner Christian Stocker, Claudia Bauer beziehungsweise Claudia Plakolm sowie Alexander Pröll genannt. Außerdem gibt es die Ausstellung der Administrativen Bibliothek, „30 Jahre Österreich in der EU“ und einen ID-Austria-Informationsstand.

Auch verschiedene Ministerien und Höchstgerichte öffnen. Das Bundesministerium für Bildung ist von 09:00 bis 17:00 Uhr am Heldenplatz vertreten, mit Informationen zu Kampagnen und Ressortschwerpunkten, Gesprächen mit Expertinnen und Experten über Ausbildungswege, einem 360-Grad-Video-Booth und einer Fotobox.

Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten lädt von 12:00 bis 17:00 Uhr in die Repräsentationsräume am Minoritenplatz 8, Zugang über Herrengasse 11. Geplant sind Liveschaltungen zu österreichischen Botschaften in der Ukraine und im Iran. Im Finanzministerium an der Himmelpfortgasse 8 stehen von 10:00 bis 16:00 Uhr die Prunkräume im Winterpalais des Prinzen Eugen offen. Dazu kommen Informationen zu Beschäftigungsmöglichkeiten in der Finanzverwaltung, ID Austria und FinanzOnline.

Im Palais Dietrichstein, Minoritenplatz 3, bietet das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung von 12:00 bis 16:00 Uhr Mitmachstationen, Forschungsworkshops und Selbst-Experimente. Zu sehen ist außerdem eine Ausstellung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; informiert wird über Gleichstellung, Gewaltschutz und Gewaltprävention.

Das Innenministerium ist mit der Polizei beim Wiener Sicherheitsfest am Rathausplatz dabei. Das Justizministerium präsentiert von 09:00 bis 16:00 Uhr in Zelt 16 am Heldenplatz den Straf- und Maßnahmenvollzug sowie eine Leistungsschau der Einsatzgruppe. Im Justizpalast am Schmerlingplatz 11 gibt es von 10:00 bis 16:30 Uhr Führungen und Informationen zur österreichischen Justiz und zu Berufsmöglichkeiten.

Der Verfassungsgerichtshof an der Freyung 8 öffnet von 11:00 bis 14:30 Uhr seine historischen Räumlichkeiten. Vorgesehen sind Meet & Greet mit Präsident Christoph Grabenwarter, Vizepräsidentin Verena Madner und Georg Lienbacher sowie ein Kinderquiz. Der Verwaltungsgerichtshof am Judenplatz 11 ist von 10:00 bis 15:00 Uhr zugänglich, mit Besichtigungen historischer Räume und Informationen über seine Aufgaben.

Sicherheitsfest und freier Museumstag

Am Rathausplatz läuft am 25. und 26. Oktober jeweils von 09:00 bis 16:00 Uhr das Wiener Sicherheitsfest. Wiener Hilfs- und Einsatzorganisationen sowie befreundete Organisationen zeigen, was sonst meist hinter Absperrbändern passiert.

Für den 25. Oktober waren Therapiebegleithunde um 10:00 Uhr, Rettungshunde um 10:15 Uhr und um 11:00 Uhr „Ersthelfer – Wenn jede Sekunde zählt!“ angesetzt. Um 12:00 Uhr folgten „Brennen und Löschen“ sowie ein Schadstoffeinsatz, um 13:00 Uhr die WOW-Show mit Rolf Rüdiger und Robert Steiner. Polizeihunde standen um 14:00 Uhr auf dem Programm, ein Verkehrsunfall um 15:30 Uhr.

Heute geht es um 11:00 Uhr mit „Brennen und Löschen“ los, um 12:00 Uhr folgen Therapiebegleithunde und um 12:15 Uhr Rettungshunde. Die WEGA ist für 13:00 Uhr angekündigt, Polizeidiensthunde für 13:15 Uhr. Um 13:45 Uhr spielt die Polizeimusik Wien, um 14:00 Uhr folgt ein Musicalkonzert der Vereinigten Bühnen Wien. Schadstoffeinsatz und Verkehrsunfall stehen um 14:45 beziehungsweise 15:30 Uhr an.

Am 26. Oktober ist der Eintritt in mehreren Museen frei: im Architekturzentrum Wien, im Heeresgeschichtlichen Museum, im MAK – Museum für angewandte Kunst, im Österreichischen Museum für Volkskunde, im Papyrusmuseum, im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek und im Haus der Geschichte. Das Volkskundemuseum ist wegen der Generalsanierung des Gartenpalais Schönborn nicht am Hauptstandort geöffnet. Den freien Eintritt sollte man vor dem Besuch noch einmal überprüfen.

Politik, Geschichte und ein Tisch vor dem Parlament

Die Parteien setzen eigene Akzente. Die FPÖ organisiert erneut ihr „Neutralitätsfest“. Grünen-Chefin Leonore Gewessler lädt gegenüber dem Parlament unter dem Titel „Ein Tisch, zwei Sessel und Zeit zum Reden“ zu einem Gespräch ein. Den Abschluss des offiziellen Programms bildet die traditionelle Fernsehansprache des Bundespräsidenten.

Der historische Hintergrund reicht weiter zurück, als es der eine Feiertag vermuten lässt. Der erste Nationalfeiertag der Republik wurde am 12. November 1919 begangen, am ersten Jahrestag der Ausrufung der Ersten Republik. Der zehnte Jahrestag 1928 wurde mit größeren staatlichen Feiern und einem Massenaufmarsch des „Roten Wien“ begangen. 1933 wurde der 12. November letztmals gefeiert; wegen der autoritären Maßnahmen der Dollfuß-Regierung gab es keine öffentliche Feier.

Ab 1934 wurde der 1. Mai im austrofaschistischen Ständestaat als Gedenktag an die Maiverfassung von 1934 verwendet. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der 1. Mai von 1938 bis 1945 als „Tag der nationalen Arbeit“ staatlich begangen. In der Zweiten Republik bezeichnete ein Bundesgesetz von 1949 den 1. Mai amtlich als „Staatsfeiertag“. Wegen ähnlicher staatlicher Bedeutung, Symbolik und Arbeitsfreiheit wird der Nationalfeiertag gelegentlich ebenfalls „Staatsfeiertag“ genannt.

Am 15. Mai 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet, der Österreichs staatliche Souveränität wiederherstellte. Frankreich hinterlegte die letzte Ratifizierungsurkunde am 27. Juli 1955 in Moskau. Damit begann die vertraglich festgelegte 90-Tage-Frist für den Abzug der Besatzungstruppen; der 25. Oktober 1955 war ihr letzter Tag. Am 26. Oktober durften laut Staatsvertrag keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Staatsgebiet stehen. Am selben Tag beschloss der Nationalrat per Verfassungsgesetz die immerwährende Neutralität, in Kraft trat das Gesetz am 5. November 1955.

Die verbreitete Darstellung, die letzten Besatzungsmächte hätten Österreich am 26. Oktober 1955 verlassen, ist allerdings historisch nicht korrekt. Die meisten Truppen waren schon zuvor abgezogen. Am 25. Oktober übergaben britische Truppen die letzte besetzte Kaserne in Klagenfurt; eine kleine Gruppe britischer Soldaten soll sich noch einige Tage nach dem 26. Oktober in Österreich aufgehalten haben. Rund 20 britische Soldaten wurden mit ihrem Offizier am 29. Oktober 1955 in Kärnten verabschiedet.

Rund um die Wiedererlangung der Souveränität wurde Wien 1955 trotzdem kräftig in Szene gesetzt. Das nach mehr als elfjähriger Schließung renovierte Burgtheater war am 14. Oktober wieder eröffnet worden. Bürgermeister Franz Jonas rief am 20. Oktober zu einem „Tag der Freiheit“ auf. Vom 22. bis 25. Oktober sollte die Bevölkerung Häuser und Fenster beflaggen; vorgesehen waren ein Konzert am Rathausplatz, ein Feuerwerk am Heldenplatz, festlich beleuchtete Gebäude und Platzkonzerte an neun weiteren Orten. Am 21. Oktober würdigte Landtagspräsident Bruno Marek die bevorstehende Wiedererlangung der Souveränität. Bundesgebäude wurden am 24. Oktober zum Tag der Vereinten Nationen und am 25. Oktober anlässlich der vollständigen Souveränität Österreichs beflaggt. In den Landeshauptstädten fanden am 25. Oktober offizielle Befreiungsfeiern statt.

Unterrichtsminister Heinrich Drimmel regte an, die Wiedererlangung der Souveränität auch in Schulen zu feiern. Ein Erlass vom 1. Oktober 1955 erklärte den 25. Oktober zum „Tag der Fahne“ und ordnete das feierliche Hissen der österreichischen Flagge an. Im Wiener Konzerthaus versammelte sich die Wiener Schuljugend; Bundespräsident Theodor Körner und Bundeskanzler Julius Raab hielten Ansprachen. Anwesend waren weitere Regierungsmitglieder und Vertreter des Wiener Stadtschulrats. Auf Musik und Rezitationen folgte der gemeinsame Gesang der österreichischen Hymne. Die Feier wurde im Rundfunk in Wien und Niederösterreich übertragen und sollte durch Schulfeiern ergänzt werden. Raab kündigte an, den „Tag der Fahne“ künftig jährlich festlich zu begehen, obwohl er zunächst ein Werktag blieb.

Der Ministerrat beschloss am 11. September 1956, den Tag der österreichischen Fahne künftig am 26. Oktober zu begehen. Ausschlaggebend war die stärkere Betonung der Neutralitätserklärung vom 26. Oktober gegenüber dem Abzug der letzten Besatzungstruppen am Vortag.

Als 1965 ein Nationalfeiertag festgelegt wurde, standen vier Termine zur Diskussion: der 12. November für die Ausrufung der Ersten Republik 1918, der 27. April für die Proklamation der Unabhängigkeit Österreichs und die Bildung der provisorischen Staatsregierung 1945, der 15. Mai für die Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 und der 26. Oktober für den Beschluss des Neutralitätsgesetzes 1955. Die größte Zustimmung erhielt der 26. Oktober. Der Nationalrat verabschiedete am 25. Oktober 1965 einstimmig das Nationalfeiertagsgesetz, das am folgenden Tag in Kraft trat.

Die Präambel verweist auf Österreichs Willen, seine Unabhängigkeit dauerhaft zu wahren und die immerwährende Neutralität zu verteidigen. Seit 1967 gilt die Feiertagsruhe; das Gesetz wurde entsprechend geändert und der Feiertag in das Feiertagsruhegesetz aufgenommen.

Zum Nationalfeiertag gehören daneben freie Eintritte in Standorte des Heeresgeschichtlichen Museums und des Wien Museums, ermäßigte Eintritte in einige Bundesmuseen, offene Türen in Parlament, Ministerien und Hofburg sowie Breitensportveranstaltungen unter dem Motto „Fit am Nationalfeiertag“ – mit Lauf-, Wander-, Rad-, Skate- und Walkingveranstaltungen. Bis 2019 gab es am Vorabend ein Konzert der Wiener Symphoniker im Wiener Konzerthaus, jeweils unter Leitung eines ausländischen Gastdirigenten. Das Bundesheer veranstaltet Angelobungen und seit 1995 alle zehn Jahre eine Parade auf der Wiener Ringstraße.

Bei der Jubiläumsparade 2005 zum 50-jährigen Bestehen des Bundesheeres wurden erstmals 640 Fahrzeuge, darunter 195 Kettenfahrzeuge, sowie 96 Hubschrauber und Flugzeuge eingesetzt. In den Landeshauptstädten und am Wiener Heldenplatz gibt es „Leistungsschauen“ mit Präsentationen von Waffen, Hubschraubern, Panzern, Sportlern und weiteren Bereichen. Heute, viele Jahrzehnte später, klingt der Zapfenstreich am Heldenplatz um 17:00 Uhr.