Wels-Explosion im Bodensee: Bedrohung für heimische Fischbestände und Ökosysteme
Heute ist der 22.06.2026 und die Wassertemperaturen in unseren heimischen Gewässern steigen weiter an. Ein Phänomen, das nicht nur den Sommerurlaub am Bodensee beeinflusst, sondern auch die Fischbestände in unseren Flüssen und Seen. Insbesondere der Wels, der größte einheimische Süßwasserfisch, macht in Baden-Württemberg von sich reden. Fischer und Wissenschaftler sind besorgt über die massive Ausbreitung dieser Raubfische, die sich in den letzten 20 bis 40 Jahren fast verdreifacht hat. Wo einst kaum ein Wels gesichtet wurde, schwimmt er nun in großen Zahlen im Neckar, Rhein, Bodensee und selbst in kleineren Baggerseen.
Im Bodensee ist die Situation besonders alarmierend. Die Menge der gefangenen Welse hat sich von 4,5 Tonnen im Jahr 2020 auf fast 8 Tonnen im Jahr 2024 erhöht. Zum Vergleich: 1990 waren es gerade einmal rund 100 Kilogramm pro Jahr, was die dramatische Zunahme verdeutlicht. Diese schnellen Wachstumsraten, verbunden mit der Fähigkeit, bis zu 150 Kilogramm schwer und bis zu 3 Meter lang zu werden, machen den Wels zu einem ernsthaften Problem für die heimische Fischfauna.
Bedrohung für Wanderfische
Besonders besorgniserregend ist die Bedrohung, die Welse für Wanderfische wie Lachs darstellen. An Fischpässen, wo Lachs auf seinem Weg zu den Laichgründen auf Welse trifft, sind bereits erhebliche Verluste und Verletzungen festgestellt worden. In der Kinzig, einem Nebenfluss des Rheins, haben Fischer von dramatischen Rückgängen bei den Lachsbeständen berichtet. Das bringt nicht nur die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht, sondern gefährdet auch die Fischerei und den damit verbundenen Tourismus.
Die klimatischen Veränderungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wärmeres Wasser begünstigt die Ausbreitung des Welses. Im Bodensee stieg die Wassertemperatur von 11-12 Grad im Jahr 1990 auf bereits 13-14 Grad im Jahr 2024. Wenn man bedenkt, dass der Wels ab einer Körperlänge von etwa einem Meter keine natürlichen Feinde mehr hat, ist die Aussicht auf eine Eindämmung der Population alles andere als rosig.
Regulierung durch Fangmaßnahmen
Um der Wels-Population Einhalt zu gebieten, haben die Behörden bereits Maßnahmen ergriffen. Es gibt keine Schonzeit und kein Mindestmaß für Welse. An sogenannten „Hotspots“ im Rhein und Neckar werden gezielt Welse gefangen. Erwerbsfischer dürfen sogar mit Ausnahmegenehmigung Elektrofanggeräte nutzen, um die Bestände effizienter zu regulieren. Dennoch sieht Brinker, ein Experte auf diesem Gebiet, aktuell keine akuten Probleme mit dem Wels, auch wenn ein Ende der Ausbreitung nicht in Sicht ist. Das klingt fast beruhigend, doch die Erfahrungen aus wärmeren Regionen, wie der iberischen Halbinsel, wo der Wels große Schäden angerichtet hat, zeigen, dass wir wachsam bleiben müssen.
Die größte Beute der Welse sind übrigens nicht nur andere Fische, sondern auch Entenküken, Tauben und junge Schwäne. Auch wenn Angriffe auf Menschen eher unrealistisch erscheinen – es gibt Berichte über Vorfälle in Bayern – bleibt die Frage, wie die Menschen mit dieser wachsenden Bedrohung umgehen können. Die Faszination für die Natur und die Verantwortung für die heimischen Gewässer kommen hier auf einen spannenden und herausfordernden Punkt.
Die Situation rund um den Wels ist ein interessantes Beispiel dafür, wie menschliches Handeln und klimatische Veränderungen die Natur beeinflussen können. Die Balance zwischen Erhalt der Artenvielfalt und dem Schutz unserer Fischbestände muss immer wieder neu bewertet werden. Ein Blick auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Erfahrungen anderer Regionen kann helfen, Lösungen zu finden, die sowohl die Fischer als auch die Natur im Blick haben.
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