ÖBB-Terminal Wels: Zwei neue Portalkrane für 700-Meter-Ganzzüge
Am ÖBB-Terminal in Wels stehen künftig zwei neue Portalkrane im Mittelpunkt des Güterumschlags. Ihre Anlieferung und der Aufbau gelten als wichtiger Baufortschritt bei einem Ausbau, der rund 68 Millionen Euro kostet. Die Bauteile kamen in insgesamt 53 Lieferungen nach Wels – darunter vier Hauptträger mit bis zu 39 Metern Länge und einem Gewicht von bis zu 41 Tonnen.
Am Boden wurden die Krananlagen zunächst vormontiert, danach aufgerichtet. Für die technische Ausstattung werden unter anderem zehn Kilometer Kabel verlegt und 56 Kameras installiert. Nach der Inbetriebnahme sollen die beiden Portalkrane das Zentrum des Terminals bilden und eine leistungsfähigere Abwicklung des Güterverkehrs ermöglichen.
Mehr Platz für lange Züge
Der Terminal Wels wurde Anfang der 1990er-Jahre errichtet. Heute zählt er zu den größten und wichtigsten Terminals der ÖBB-Infrastruktur AG und liegt an einem verkehrsstrategisch günstigen Punkt: im Schnittpunkt der Verkehrsachsen zwischen den Nordseehäfen und Südosteuropa sowie zwischen Frankreich und Osteuropa, mitten in einer wachstumsstarken Industrieregion und mit direktem Autobahnanschluss.
Der Spatenstich erfolgte im Jänner 2024, die Umsetzung ist bis 2027 geplant. Der Terminalbetrieb soll während der Bauarbeiten aufrechterhalten werden. Vorgesehen ist unter anderem, die vier Ladegleise 172 bis 178 auf eine kranbare Länge von 700 Metern zu verlängern. Damit können künftig Ganzzüge mit einer Ladelänge von 700 Metern abgefertigt werden. Auch die Kranbahn wird verlängert.
Zusätzlich entstehen eine ostseitige Anbindung der Ladegleise an die Weststrecke und ein durchfahrfähiger Terminal. Das soll Abläufe vereinfachen und den Verschubaufwand verringern. Die vorhandenen Kapazitäten lassen sich besser auslasten, Standzeiten sollen kürzer werden.
Digitalisierung und neue Anlagen
Der Terminalbetrieb wird umfassend digitalisiert. Video-Gates sowie automatisierte Ein- und Ausfahrtsprozesse sollen die Abläufe transparenter, sicherer und effizienter machen. Geplant sind teilautomatisierte Gates für die Lkw-Zu- und -Abfahrt, außerdem eine Umgestaltung des Anschlussknotens Terminalstraße/A25.
Zum Projekt gehören auch ein neues Verwaltungsgebäude in Holzbauweise, der Rückbau des Zollgebäudes, des bisherigen Verwaltungsgebäudes und des bestehenden In-Gates. Dazu kommen eine Photovoltaikanlage mit 250 kW Leistung, eine zusätzliche Abstellfläche für Trailer, eine Staplerfläche und drei Reachstacker.
Die längere Kranbahn und die neuen Portalkrane sollen den Umschlag erhöhen. Vorgesehen sind eine höhere Lager- und Umschlagkapazität, eine optimierte Flächennutzung und Verkehrsführung sowie eine flexible, multifunktionale Nutzung – einschließlich Rollender Landstraße, kurz ROLA. Auch die Anbindung an internationale Wirtschaftsräume wird verbessert.
Für Eisenbahnverkehrsunternehmen, Operateure und Terminal Service Austria sollen sich die Abläufe effizienter gestalten. Automatisierte Lkw-Gates und die Digitalisierung erhöhen die Sicherheit. Außerdem soll der Ausbau Energieverbrauch, Lärm- und CO₂-Emissionen reduzieren. Die vollständige Modernisierung und Inbetriebnahme des Terminals ist für Mitte 2027 vorgesehen.
Viele Beteiligte, ein Transportweg
Im Kombinierten Verkehr wirkt ein Transport auf den ersten Blick oft erstaunlich geradlinig: Die Ladeeinheit kommt auf der Straße zum Terminal, wechselt auf die Schiene und wird am Ziel wieder abgeholt. Dahinter steckt allerdings das Zusammenspiel zahlreicher Akteure entlang der gesamten Logistikkette. Die Gütertransporte sind planbar und kalkulierbar – wenn viele Zahnräder ineinandergreifen.
Terminals und Häfen verbinden die verschiedenen Verkehrsträger und sind Schnittstellen für den Informations- und Güterfluss. Der Terminalbetreiber bildet dabei die Verbindung zwischen Schiene und Straße, übernimmt den physischen Umschlag der Ladeeinheiten und dient als Drehscheibe für transportbezogene Informationen. Zusätzlich können beladene und leere Container gelagert, gereinigt und repariert sowie Container beladen werden.
Spediteure, Eisenbahnunternehmen und Zugsbetreiber bündeln ihr logistisches Know-how und ihre Kenntnisse über den Schienenverkehr. Daraus entwickeln sie Transportangebote für Kunden. Der Operateur fasst das Transportvolumen verschiedener Spediteure auf einer Verkehrsachse zu kompletten Zügen zusammen, bucht Zug- und Lkw-Kapazitäten und organisiert den Bahntransport mit Partnern. Er trägt das Auslastungsrisiko der Züge, übernimmt damit eine kommerzielle Aufgabe, wickelt Kundenbuchungen im täglichen Betrieb fristgerecht ab und sichert die Qualität der Zugverbindungen.
Das Eisenbahnverkehrsunternehmen führt den eigentlichen Bahntransport durch. Es stellt Lokomotive, Lokführer und häufig auch Containertragwagen bereit, organisiert bei Infrastrukturbetreibern Zugtrassen und Traktionsenergie – meist elektrischen Strom – sowie häufig Verlade-Slots in Häfen und Terminals.
Im Vor- und Nachlauf sorgen Trucking-Unternehmen für die pünktliche Abholung und Zustellung der Ladeeinheiten bei den Verladern. Sie übernehmen wichtige Aufgaben in der Informationskette und bieten häufig weitere logistische Dienstleistungen an. Der Eisenbahn-Infrastrukturbetreiber wiederum stellt eine leistungsfähige und sichere Infrastruktur bereit und erhält sie, verantwortet Investitionen in neue Projekte sowie den Um- und Ausbau bestehender Anlagen, sorgt für sicheren und reibungslosen Zugverkehr, erstellt und setzt den Fahrplan um, führt den Betrieb auf der Infrastruktur und überwacht die Sicherheitsanforderungen an Nutzer und Fahrzeuge.
