Austria unter Druck, Rapid mit Revancheplänen: Cup-Achtelfinale auf der Hohen Warte und in Hartberg
In Wien liegen Rapid und Austria derzeit weit auseinander. Während Rapid als Bundesliga-Tabellenführer beim Zweitligisten Vienna auf der Hohen Warte antritt, muss die Austria im ÖFB-Cup-Achtelfinale bei Hartberg dringend einen Weg aus der Krise finden. In Wels empfängt Hertha Wels um 18:30 Uhr den Bundesliga-Schlusslicht WAC, um 19:00 Uhr folgt das Duell GAK gegen Altach.
Für die Austria ist das Cupspiel der erste Auftritt unter Interimstrainer Maximilian Uhlig, der bisher die Young Violets betreute und die Mannschaft bis Jahresende übernimmt. Nach der 1:2-Niederlage gegen den SCR Altach trennte sich der Klub am Samstag von Cheftrainer Stephan Helm und Co-Trainer Christian Wegleitner. Sportvorstand Thomas Zorn bedankte sich im Namen des Vereins für deren Arbeit und wünschte beiden alles Gute. Helm war seit Juni 2024 bei Austria Wien unter Vertrag.
Austria braucht einen neuen Impuls
Nach zehn Bundesliga-Spielen stehen für die Austria nur sieben Punkte zu Buche – die schlechteste Ausbeute seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995. Zuletzt blieb der Klub vier Spiele in Folge sieglos, nach dem zehnten Spieltag liegt er auf dem vorletzten Tabellenplatz. Die Trennung erfolgte unmittelbar vor dem Wiener Derby.
Uhlig will gegen Hartberg mit einem neuen Impuls die Wende einleiten und die Fans früh mitnehmen. Abwehrspieler Aleksandar Dragovic könnte nach einer Verletzung zurückkehren. Hartberg verlor zwar die ersten drei Saisonspiele, musste sich danach aber in sieben Partien nur einmal geschlagen geben und liegt aktuell auf Rang fünf. Für die Austria wird das also kein Spaziergang, eher ein Abend mit ordentlich Druck im Bauch.
Rapid reist mit dem Ziel auf die Hohe Warte, den siebenten Pflichtspielsieg in Folge zu feiern. Zuletzt besiegte die Mannschaft Lustenau mit 5:1. Trainer Johannes Hoff Thorup kündigte personelle Änderungen an, verlangte aber dieselbe Ernsthaftigkeit wie in Bundesliga-Partien.
Auch eine alte Rechnung schwingt mit: Vor 20 Jahren verlor Rapid in der ersten Cup-Runde gegen den damaligen Regionalligisten Vienna im Elfmeterschießen. Nun soll die Partie ein Stück weit zur Revanche werden. Vienna liegt in der 2. Liga punktgleich mit Tabellenführer Blau-Weiß Linz auf Rang zwei und hat seit Mitte August kein Ligaspiel verloren. Trainer Patrick Enengl sieht trotz Rapids Favoritenrolle eine kleine Überraschungschance.
Wels empfängt den Cupsieger
In Wels bekommt es Hertha mit dem Bundesliga-Schlusslicht WAC zu tun. Der WAC, Cupsieger von 2025, verlor den ersten Auftritt unter Neo-Trainer Manfred Schmid am Samstag gegen Hartberg mit 0:1. Schmid folgte auf Thomas Silberberger und betonte, dass die sportliche Wende Zeit brauche.
Hertha Wels kämpft in der 2. Liga gegen den Abstieg und musste sich zuletzt Voitsberg mit 2:6 geschlagen geben. Eine persönliche Note bringt Christopher Wernitznig in die Partie: Der Hertha-Spieler absolvierte zwischen 2014 und 2022 insgesamt 271 Pflichtspiele für den WAC.
Altach wiederum erreichte am 1. Mai das Cupfinale, verlor dort aber gegen den späteren Doublegewinner LASK nach Verlängerung. In der Bundesliga gewann Altach zwei der vergangenen drei Spiele und entfernte sich damit vom Tabellenende. Der GAK ist vierfacher Cupsieger, zuletzt 2004, und gewann sein bisher letztes Spiel am 12. September mit 2:1 gegen Altach.
Die zweite Achtelfinalrunde folgt am Mittwoch mit Bregenz gegen Salzburg, Wacker Innsbruck gegen WSG Tirol und LASK gegen Ried. Am Donnerstag spielt Sturm Graz bei Austria Lustenau.
Ein Pokal mit langer Geschichte
Der ÖFB-Cup ist der nationale österreichische Fußballpokal für Männervereine und wird seit 2017 offiziell UNIQA ÖFB Cup genannt. Organisiert wird der Bewerb vom Österreichischen Fußball-Bund. Die aktuelle Saison laut Artikel ist 2026/27. In der Hauptrunde treten 64 Mannschaften im K.-o.-System an, das Finale wird auf neutralem Platz ausgetragen. Der Sieger qualifiziert sich grundsätzlich für die UEFA Europa League.
Die Wurzeln reichen bis zum Niederösterreichischen Cup zurück, dessen erste Auflage 1915 stattfand. Sieger wurde der Floridsdorfer AC. Das Finale 1918 zwischen Floridsdorfer AC und Wiener Amateur-SV wurde wegen einer eigenmächtigen Terminverschiebung nicht offiziell anerkannt. Als möglicher Vorläufer gilt außerdem der Challenge-Cup, der von 1897 bis 1911 für Vereine der österreichisch-ungarischen Monarchie ausgetragen wurde.
1919 mussten erstmals alle Mitglieder des Niederösterreichischen Fußballverbands teilnehmen. Rapid gewann das erste Finale mit 3:0 gegen den Sport-Club und holte auch 1920 den Titel – zweimal in Folge also das Double. Die frühen Endspiele wurden auf der Hohen Warte ausgetragen. Der Wiener Amateur-SV, später FK Austria Wien, gewann 1921 seinen ersten Titel; von 1924 bis 1926 siegte Austria dreimal in Serie. Das Finale gegen Slovan 1924 endete nach 14 Toren 8:6 für Austria. Wegen des damaligen Saisonmodus wurde Austria 1924 sogar zweimal Cupsieger: im Juli für 1923/24 und im November für 1924/25.
Seit 1926/27 war der Cupsieger zur Teilnahme am Mitropapokal berechtigt. 1931 wurde der Bewerb einmalig in einem Meisterschaftsmodus mit Spielen auf neutralem Platz ausgetragen, der WAC gewann. Ab 1932 galt wieder das K.-o.-System. Zwischen 1932 und 1936 wechselten Austria und Admira als Sieger, 1935 erreichten erstmals Herbstmeister aus der Steiermark und Oberösterreich den Bewerb; Sturm Graz kam bis ins Viertelfinale.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde der österreichische Cup eingestellt. Österreichische Vereine spielten danach im deutschen Vereinspokal: Rapid gewann 1939 das Finale gegen den FSV Frankfurt mit 3:1, Vienna siegte 1943 gegen den Luftwaffen-Sportverein Hamburg mit 3:2 nach Verlängerung.
1945 wurde der ÖFB-Cup wieder aufgenommen. Rapid besiegte Vienna vor der bis heute gültigen Rekordkulisse von 50.000 Zuschauern mit 2:1. Wegen Streitigkeiten über die Auslosung wurde der Bewerb 1946/47 in einen Bundesländer-Cup umgewandelt. Austria Wien dominierte diesen Wettbewerb und gewann 1948 im Halbfinale 15:0 gegen den 1. Salzburger SK. Ab 1949/50 schrieb der ÖFB zunächst keinen weiteren Cup aus. In mehreren Partien waren Wiederholungsspiele nötig, unter anderem im Viertelfinale 1947/48 zwischen Wiener Sport-Club und Admira.
Auf Initiative kleiner Vereine und des Wacker-Wien-Präsidenten Alfred Frey kam es 1958/59 zur Wiedereinführung. Der WAC gewann überraschend. Ab 1960 erhielt der Sieger einen internationalen Startplatz im Europacup der Cupsieger, 1965 gewann der Linzer ASK als erster österreichischer Verein außerhalb Wiens den Cup. 1967/68 musste ein Spiel wegen eines Schiedsrichterfehlers wiederholt werden. Seit 1971/72 wird bei einem Unentschieden nach Verlängerung direkt ein Elfmeterschießen ausgetragen.
In den 1970er Jahren prägten Wacker Innsbruck sowie Rapid und Austria den Bewerb. 1981 gewann der Grazer AK als Ausnahmeverein. Rapid und Austria trafen 1985 und 1986 in den Finals aufeinander: 1985 siegte Rapid nach einem 3:3 im Elfmeterschießen 6:5, 1986 gewann Austria nach einem 3:3 in der Verlängerung 6:4.
1988 wurde der Kremser SC als erster Zweitligist seit der Wiedereinführung Cupsieger, 1989 gewann Swarovski Tirol. Seit 1989/90 wird grundsätzlich jede Runde in nur einem Spiel entschieden. 1991 bezwang mit SV Stockerau erneut ein Zweitligist Rapid. Ende der 1990er Jahre prägten Sturm Graz und der GAK den Cup: Sturm gewann zwischen 1996 und 1999 drei von vier Finals, unterlag 1998 allerdings dem SV Ried. Der GAK holte zwischen 2000 und 2004 drei Titel. 2001 wurde der FC Kärnten als vierter Zweitligist Cupsieger, Austria Wien gewann zwischen 2003 und 2009 fünf von sechs Finals.
Eine kuriose Ausnahme war der Sonderbewerb 2007/08, der ausschließlich mit Amateurmannschaften ab der dritten Leistungsstufe ausgetragen wurde. Das im Artikel genannte Finalduell mit SV Horn endete im Hinspiel 1:1, im Rückspiel siegte SV Horn 2:1. Der ÖFB zählt diesen Amateur-Cup nicht in der offiziellen Statistik der Titelserien.
Seit 2010 gewann Sturm Graz erstmals seit 1999, 2011 holte SV Ried den Cup zum zweiten Mal. 2012 besiegte Red Bull Salzburg SV Ried und gewann erstmals den Bewerb. Für die größte Cup-Sensation sorgte 2013 der Drittligist FC Pasching, der das Finale gegen den amtierenden Meister Austria Wien gewann. Salzburg holte von 2014 bis 2022 acht Titel; nur Sturm Graz unterbrach die Serie 2017/18. Danach gewann Sturm Graz zweimal erneut. Der Wolfsberger AC gewann 2024/25 erstmals, der Linzer ASK 2025/26 zum zweiten Mal.
Regeln, Rekorde und der Pokal selbst
Regulär dauert ein Spiel zweimal 45 Minuten. Bei Gleichstand folgen zweimal 15 Minuten Verlängerung, danach entscheidet seit 1971/72 das Elfmeterschießen. Vorher wurden Wiederholungsspiele mit umgekehrtem Heimrecht angesetzt. Für Endspiele galt einst eine Sonderregel, nach der bei Gleichstand das Los entscheiden konnte – so geschehen 1966/67. Ab 1959 wurden auch unentschiedene Wiederholungsspiele per Los entschieden. 1974/75 gab es ab dem Viertelfinale Hin- und Rückspiele, ab 1975/76 blieb dieses Format auf das Finale beschränkt.
Die Teilnahme ist grundsätzlich verpflichtend. Landesverbandsvereine bestreiten zunächst regionale Vorrunden, Bundesligavereine steigen direkt in der ersten Hauptrunde ein, UEFA-Teilnehmer erst in der dritten Runde. In den ersten beiden Runden werden Amateurvereinen Profimannschaften zugelost, die Amateure haben Heimrecht. Ab dem Achtelfinale gibt es nur noch einen Lostopf; der Heimvorteil für Amateurvereine bleibt bestehen, andernfalls erhält ihn das zuerst gezogene Team. Die sechste Hauptrunde ist das Finale. In der Saison 2006/07 galt die Teilnahme für 22 Bundesligavereine sowie die bestplatzierten Klubs der neun Landesverbände.
Austria Wien ist mit 27 Titeln Rekordsieger. Rapid Wien kommt laut detaillierter Tabelle auf 15 Titel, während die Übersicht am Artikelanfang 14 Siege nennt. Red Bull Salzburg gewann neunmal, Wacker Innsbruck und Sturm Graz je siebenmal, Admira sechsmal, der Grazer AK und First Vienna je viermal, der Wiener AC dreimal sowie Linzer ASK und SV Ried je zweimal. Je einen Titel holten unter anderem Wolfsberger AC, FC Pasching, FC Kärnten, SV Stockerau, Kremser SC, Wiener Sport-Club und Wiener AF.
Austria gewann von 1924 bis 1926 dreimal in Folge. Rapid schaffte das von 1983 bis 1985. Austria holte von 2005 bis 2009 vier Titel in Serie, wobei die Austragung 2007/08 als Amateur-Cup nicht mitgezählt wird. Salzburg gewann von 2014 bis 2017 sowie von 2019 bis 2022 jeweils viermal hintereinander. Austria kommt auf zehn Doubles aus Meisterschaft und Cup, Salzburg auf neun, Rapid auf sechs, Admira auf fünf, Wacker Innsbruck auf drei, Sturm und GAK auf je zwei sowie der Linzer ASK auf eines. Salzburg hält außerdem die Rekorde für sieben Doubles innerhalb eines Jahrzehnts, neun aufeinanderfolgende Doubles und neun Finalteilnahmen in Serie von 2014 bis 2022. Der Wiener Sport-Club wird mit sieben verlorenen Finals bei nur einem Titel häufig als unglücklichster Finalist bezeichnet. Admira gewann alle fünf Finals, an denen sie teilnahm; der Nachfolgeverein FC Admira Wacker verlor alle sechs seiner Finalteilnahmen.
Wien war 48-mal Austragungsort des Finales, sechs Wiener Stadien wurden genutzt. Weitere Endspiele fanden viermal in Klagenfurt, zweimal in Graz sowie je einmal in Maria Enzersdorf, Wals-Siezenheim und Mattersburg statt. In den Jahren 1965, 1967, 1972–1984 und 1987–1989 wurde das Finale als Hin- und Rückspiel ausgetragen.
Der erste Pokal war 1919 ein großer, verzierter Silberpokal. Bundespräsident Michael Hainisch übergab ihn 1925 erstmals persönlich. 1986 wurde der Silberpokal durch einen über 60 Zentimeter hohen und 17 Kilogramm schweren Goldpokal ersetzt. Von 2004 bis 2008 kam ein von Silvio Gazzaniga entworfener Pokal zum Einsatz, ab 2009 eine 70 Zentimeter hohe und 16,45 Kilogramm schwere Version.
Seit 2019 gibt es eine neue Trophäe aus 38 Bauteilen und vier Materialien, gefertigt von österreichischen Unternehmen. Sie ist 70 Zentimeter hoch, misst 43 Zentimeter im Durchmesser und wiegt zwölf Kilogramm. Verarbeitet werden unter anderem Walnussholz und der burgenländische Naturstein Pannonia Grün. Der Pokal bleibt ein Wanderpokal und wird dem Sieger vier Wochen zur Präsentation überlassen. Dauerhaft beim Verein bleibt eine Erinnerungsplakette.
Bei Finalspielen erhalten die Spieler beider Mannschaften Medaillen als Sieger beziehungsweise Finalisten. Laut Bestimmungen stehen pro Verein 50 Medaillen zur Verfügung. Seit 1919 werden sie in weitgehend unveränderter Form vergeben, jahrelang stellte sie die italienische Manufaktur GDE Bertoni her, seit etwa 2019 stammen sie von kerschbaumer trophies & more.
Seit 1989 wird der Wettbewerb nach dem jeweiligen Hauptsponsor vermarktet. Frühere Namen ergaben sich unter anderem aus Memphis, Bull, Snickers, Magnofit, Stiegl und Samsung; Samsung war von 2011 bis 2017 Namensgeber. Seit 2017/18 trägt der Bewerb den Namen UNIQA ÖFB Cup.
International qualifizierte sich der Cupsieger von 1927 bis zum Ausschluss durch den nationalsozialistischen Sportverband für den Mitropapokal. Österreichische Cup-Qualifikanten erreichten dort viermal das Finale und gewannen zweimal. 1931 trafen im Mitropapokal-Finale Meister und Cupsieger aufeinander, Vienna gewann gegen den österreichischen Meister. Ab 1960 führte der Weg in den Europacup der Cupsieger. War der Cupsieger zugleich für den Europapokal der Landesmeister beziehungsweise die Champions League qualifiziert, erhielt bis 2015 der unterlegene Finalist den Platz. Seit 2015 bekommt ihn der höchstplatzierte noch nicht qualifizierte Bundesligaverein.
Nach der Abschaffung des Europacups der Cupsieger 1999 qualifizierte sich der ÖFB-Cupsieger für den UEFA-Cup, seit 2008/09 für die UEFA Europa League. Und heute geht’s erst einmal um die nächste Runde: um die Hohe Warte, Hartberg, Wels – und um die Frage, wer am Abend noch vom Pokal träumen darf.
