Die Stadtbücherei Wels im Herminenhof bleibt ab heute, Montag, 26. Oktober 2026, geschlossen. Grund sind Umbauarbeiten für die Digitalisierung. Bis einschließlich Freitag, 13. November, wird dort gewerkt – für Besucherinnen und Besucher heißt das: Bücher und andere Medien müssen vorerst anderswo geholt oder zurückgebracht werden.

Ganz ohne Bücherei-Angebot bleibt Wels aber nicht. Während der Schließzeit steht der Wissensbus für Entlehnungen und Rückgaben zur Verfügung. Nur während der Herbstferien macht auch er Pause, und zwar von Montag, 26. Oktober, bis Freitag, 30. Oktober. Ab Montag, 2. November, fährt der Bus wieder seine regulären Haltestellen an. Informationen zu Haltestellen und Fahrzeiten gibt es unter wels.gv.at/wissensbus.

Drei Wochen, vier wichtige Bausteine

Der Umbau läuft in drei Phasen. In den ersten beiden Wochen übernimmt das Facility Management die erforderlichen baulichen Anpassungen. In der dritten Woche installiert die Dienststelle Informationstechnologie gemeinsam mit dem Büchereiteam die technische Ausstattung.

Vorgesehen sind ein Zutrittsterminal, ein Sicherungsgate, Selbstverbucherterminals und ein intelligentes Rückgaberegal. Klingt zunächst nach viel Technik zwischen den Regalen, soll den Besuch künftig aber deutlich flexibler machen: Durch automatisierte Zutrittskontrolle, Mediensicherung und Selbstverbuchung wird die Hauptstelle auch außerhalb der regulären Personalzeiten zugänglich sein.

Während der zweiten und dritten Schließwoche dient der Wissensbus als alternative Nutzungsmöglichkeit. Ab Dienstag, 17. November, nimmt die Stadtbücherei den Vollbetrieb wieder auf. Die erweiterten Öffnungszeiten sollen rechtzeitig bekannt gegeben werden. Aktuelle Informationen veröffentlicht die Stadt Wels unter anderem unter wels.gv.at/stadtbuecherei.

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Digitalisierung verändert den Bibliotheksalltag

Was in Wels mit Zutrittsterminal und Selbstverbuchung sichtbar wird, ist Teil einer größeren Entwicklung. Bibliotheken begannen bereits 1997 mit der Retrodigitalisierung wertvoller Bestände. Heute verändert die Digitalisierung ihre Abläufe und Angebote umfassend. Öffentliche Bibliotheken verleihen neben physischen Medien auch E-Books, elektronische Zeitungen und Zeitschriften, Hörbücher sowie digitale Film- und Konzertangebote.

Bibliotheken sammeln, erschließen, kuratieren und bewahren digitale Daten und machen sie zugänglich. Sie entwickeln Methoden zur Produktion, Auswertung und langfristigen Nutzung digitaler Daten sowie zur dauerhaften Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen. Digitale Formate sollen Wissenschaft, Forschung und der gesamten Gesellschaft zugutekommen. Wissenschaftliche Bibliotheken unterstützen dabei neue Formen wissenschaftlicher Arbeit und Veröffentlichung; die meisten digitalen Medien, darunter E-Books, E-Journals und Forschungsdaten, liegen bei Hochschulbibliotheken.

Auch alte Bestände wandern zunehmend ins Netz. Seit etwa 20 Jahren werden unter anderem Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts digitalisiert, detaillierter erschlossen und online bereitgestellt. So bleibt kulturelles Erbe analog und digital erhalten und wird einem größeren Publikum zugänglich. Digitalisierte Werke ermöglichen computergestützte Auswertungen und Forschungen. Für das 19. und 20. Jahrhundert bestehen allerdings weiterhin Digitalisierungslücken – dafür braucht es finanzielle Förderungen und klare urheberrechtliche Regelungen. Eine international koordinierte Infrastruktur könnte außerdem Doppeldigitalisierungen vermeiden.

Mehr als ein Terminal am Eingang

Automatisierte Prozesse bei Erwerbung, Erschließung und Ausleihe nutzen Bibliotheken schon seit Langem. Künstliche Intelligenz kommt bisher meist in Pilotprojekten zum Einsatz, etwa zur Unterstützung von Katalogisierung und Indexierung, bei Robotern für Inventuren oder bei Robotern im Publikumsverkehr.

Parallel dazu vermitteln Bibliotheken digitale Medien- und Informationskompetenz. Nutzerinnen und Nutzer können digitale Medien ausprobieren, Datenbanken durchsuchen und mit digitalen Angeboten lernen. Mitarbeitende führen verschiedene Altersgruppen und Studierende an digitale Medien und elektronische Datenbanken heran und schulen deren Nutzung. Ihr Praxiswissen geben sie auch an Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer sowie andere Bildungspartner weiter.

Der Wandel verlangt allerdings einiges: Bibliothekarische Arbeitsabläufe erfordern informationstechnische Fachkenntnisse, das Berufsfeld muss stärker auf neue Aufgaben ausgerichtet werden, und die digitale Kompetenz der Mitarbeitenden muss kontinuierlich und umfassend weiterentwickelt werden. Für Hochschulbibliotheken gehört außerdem die technische Infrastruktur zur nachhaltigen Informations- und Medienversorgung von Studierenden, Lehrenden und Forschenden.

Damit digitale Angebote nicht vom Wohnort abhängen, braucht es flächendeckende Glasfaseranbindungen für öffentliche Bibliotheken, bedarfsgerechte und aktuelle technische Ausstattung, öffentlichen Zugang zu digitalen Informationen sowie Zugang zu E-Books und Filmstreaming-Angeboten. So soll die Bibliotheksversorgung in ländlichen Regionen und Städten auf einen angemessenen technischen Stand gebracht werden.

Forderungen reichen bis zu Daten- und KI-Strategien

Der Deutsche Bibliotheksverband fordert, Bibliotheken stärker in Digitalisierungsstrategien auf europäischer, nationaler, regionaler und kommunaler Ebene einzubeziehen. Ihre Rolle als Kooperationspartner soll gestärkt werden, damit abgestimmte Angebote für unterschiedliche Zielgruppen entstehen. Auch in Datenstrategien und KI-Strategien auf allen Ebenen sollen Bibliotheken berücksichtigt werden.

Für die nachhaltige Informations- und Medienversorgung durch Hochschulbibliotheken seien zudem zeitgemäße urheberrechtliche Regelungen nötig. Dazu zählen die Erlaubnis elektronischer Kopienübermittlung im innerbibliothekarischen Leihverkehr, die elektronische Übermittlung von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie klare Regelungen für Text- und Data-Mining.

Zu den aufgeführten Stellungnahmen und Aktivitäten des Deutschen Bibliotheksverbandes gehören eine Stellungnahme zum Forschungsdatengesetz vom 24. April 2023, Stellungnahmen zu elektronischer Ausleihe und zur Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie aus dem Jahr 2020, Forderungen zur Einbeziehung von Bibliotheken in EU-Daten- und KI-Strategien, Empfehlungen zu wissenschaftlichen Informationsressourcen, Forderungen zur Nutzung des Digitalpakts für kommunale Bildungsinfrastruktur sowie Positionspapiere zu Bibliotheken und Digitalisierung und zu wissenschaftlichen Bibliotheken 2025.

Genannt werden außerdem der 3. Bibliothekspolitische Bundeskongress am 9. Oktober 2025 in Berlin, der Digitaltag zur Förderung digitaler Teilhabe, das Förderprogramm „Gemeinsam Digital! Kreativ mit Medien“, das Qualifizierungsprojekt „Netzwerk Bibliothek Medienbildung“, die Beteiligung am TOMMI Games Award für digitale Kinderspiele und das Gütesiegel „Buchkita“ für Einrichtungen mit besonderem Engagement in der frühkindlichen Leseförderung. Dazu kommen Publikationen und Informationsangebote zu Digitalisierung, digitalem Publizieren und den Auswirkungen der Digitalisierung auf Bibliotheken und Bibliotheksservices.