Am 15. Juni ist der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen, und das Thema ist aktueller denn je. Gewalt gegen ältere Menschen geschieht oft im Verborgenen, vor allem in den eigenen vier Wänden, in Pflegeeinrichtungen oder im sozialen Umfeld. Ein erschreckender Fakt ist, dass Menschen mit Behinderungen überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Eine österreichweite Prävalenzstudie, die vom Sozialministerium in Auftrag gegeben wurde, zeigt, dass nahezu acht von zehn Personen mit Behinderungen körperliche Gewalt erlebt haben. Das sind Zahlen, die einem den Atem rauben!

Aber das ist noch nicht alles. Mehr als acht von zehn berichten sogar von psychischer Gewalt, und vier von zehn haben schwere körperliche Gewalt erfahren. Wenn wir uns die Situation genauer anschauen, stellen wir fest, dass rund 30 Prozent der Befragten von schwerer sexueller Gewalt berichteten. Ältere Menschen mit Behinderungen sind besonders in einer vulnerablen Lage. Gründe dafür sind die Abhängigkeit von Pflege und Unterstützung, eine häufige soziale Isolation, finanzielle Unsicherheit und nicht zuletzt das Fehlen barrierefreier Beschwerde- und Schutzmöglichkeiten. Die Angst, Scham oder Abhängigkeit hält viele Betroffene davon ab, Hilfe zu suchen.

Forderungen und Lösungen

Der Behindertenbeirat Innsbruck hat klare Forderungen aufgestellt. Es braucht barrierefreie und leicht zugängliche Meldestellen für Betroffene in allen Tiroler Bezirken. Auch die Schaffung unabhängiger Kontroll- und Ombudsstellen sowie eine ausreichende personelle Ausstattung im Pflege- und Behindertenbereich sind dringend notwendig. Gewalt gegen ältere Menschen, insbesondere gegen solche mit Behinderungen, darf kein Tabuthema bleiben. Es ist höchste Zeit, dass Würde, Selbstbestimmung und Sicherheit als Menschenrechte angesehen werden, unabhängig von Alter oder Behinderung.

Die Problematik, die wir hier diskutieren, betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern alle älteren Personen. Laut verschiedenen Studien über die Häufigkeit von Gewalt in der Pflege, wie sie von Abner et al. (2019) und anderen untersucht wurden, zeigt sich, dass sexuelle Misshandlungen in stationären Einrichtungen häufig vorkommen. Es gibt Berichte über Misshandlungen und Vernachlässigungen, die aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden müssen.

Ein Blick auf die Forschung

Die Forschung zu diesem Thema ist umfangreich und reicht von der Analyse von Vorwürfen bis hin zu den Erfahrungen von Beschäftigten in der Altenpflege. Studien von Görgen et al. (2020) beispielsweise beschäftigen sich mit Aggressionen zwischen Bewohnern in institutioneller Pflege. Die Notwendigkeit, Anzeichen von Gewalt zu erkennen und zu melden, wird in zahlreichen Arbeiten betont. Der medizinische Dienst der Krankenkassen hat in seinem Pflege-Qualitätsbericht (2020) die Qualität in der ambulanten und stationären Pflege evaluiert und zeigt auf, wo Verbesserungsbedarf besteht.

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Diese umfassenden Analysen verdeutlichen, dass es an der Zeit ist, die Augen zu öffnen und endlich zu handeln. Die Misshandlung älterer Menschen — ob in der eigenen Wohnung oder in einer Pflegeeinrichtung — ist ein Problem, das uns alle angeht. Es gibt keinen Zweifel: Wir müssen gemeinsam für eine bessere, sicherere Zukunft für unsere älteren Mitmenschen kämpfen.

Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel.