In Aderklaa, am Rande der Seestadt Aspern in Wien, wird zurzeit ein spannendes Projekt auf die Beine gestellt, das nicht nur die Hitze der Erde nutzt, sondern auch die Wärme von 25.000 Wiener Haushalten versorgen könnte. Unter der Leitung von Linda Kirchberger, einer Geophysikerin der Stadtwerke, wird hier ein urzeitlicher heißer Wasserkreislauf erschlossen. Die Bohrung geht mehr als drei Kilometer in die Tiefe und dient dem Ziel, nachhaltige Energie aus der Erde zu gewinnen.

Die Sichtbarkeit des Projekts könnte kaum geringer sein, denn nach dem Abbau des Bohrturms bleibt nur ein betoniertes Feld mit drei großen, hydrantenähnlichen Strukturen zurück. Wer denkt, dass alles hier offen und zugänglich ist, irrt sich. Der Zugang zum Bohrfeld ist stark eingeschränkt. Sicherheitsaspekte stehen an oberster Stelle – schließlich geht es um Explosionsgefahr. Das ist die Realität moderner Geothermieprojekte, die oft im Verborgenen stattfinden.

Wie funktioniert der Thermalwasserkreislauf?

Um die Wärme aus der Tiefe zu gewinnen, wird ein Thermalwasserkreislauf installiert. Der Kreislauf besteht aus mehreren Komponenten: einem Reservoir, einer Förderbohrung, einem Wärmeübertrager und einer Injektionsbohrung. Er funktioniert im Grunde genommen wie ein geschlossener Kreislauf über der Erde, während er im Reservoir offen ist. Man könnte sagen, das ist wie ein großes, gut geöltes System, das dafür sorgt, dass keine schädlichen Stoffe wie Methan oder CO2 in die Umwelt gelangen – es sei denn, sie wurden durch Filter entnommen. Dann müssen sie natürlich ordnungsgemäß entsorgt werden.

Das Besondere an diesem Kreislaufsystem ist, dass nur die Wärmeenergie als Rohstoff entzogen wird. Das Thermalwasser wird nach dem Gebrauch wieder in den Untergrund zurückgeführt, was die Nachhaltigkeit des Reservoirs unterstützt. Bei der Rückführung des Wassers ist es wichtig, dass dies mit möglichst geringem Druck geschieht, um ungewollte Mineralausfällungen zu vermeiden. Man will ja nicht nachher mit teuren Wartungsarbeiten dastehen!

Geothermie: Ein Schritt in die Zukunft

Geothermie ist mehr als nur ein Trend. Sie nutzt die in der Erdkruste gespeicherte Wärmeenergie und kann dabei nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kühlen und sogar zur Stromerzeugung eingesetzt werden. In Deutschland steigt die Temperatur in der Erdkruste durchschnittlich um 3 Kelvin pro 100 Meter. In Österreich haben wir ähnliche Gegebenheiten, die darauf warten, genutzt zu werden. Bei der tiefen Geothermie, wie sie in Aderklaa zum Tragen kommt, erschließt man Wärmereservoirs in größeren Tiefen – bis zu 5 Kilometer. Das sind keine kleinen Brötchen!

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Ein gutes Beispiel für die Anwendung der Geothermie ist die Demonstrationsanlage in Unterhaching bei München, die Wärmebereitstellung und Stromerzeugung kombiniert. Hier wird die Wärme direkt ins Fernwärmenetz eingespeist – ein cleveres System, das die Nutzung noch effizienter macht. Solche Projekte zeigen, wie wichtig Geothermie für die nachhaltige Energieversorgung ist und wie sie dazu beitragen kann, Treibhausgasemissionen zu verringern.

In Aderklaa wird ein ähnlicher Weg eingeschlagen. Es ist ganz klar: Geothermie hat das Potenzial, nicht nur Wärme zu liefern, sondern auch eine Schlüsselrolle in der Energiezukunft zu spielen. Wir sind gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickeln wird. Die Zeit wird zeigen, ob die Hitze aus der Tiefe tatsächlich unsere Wohnungen warmhalten kann.