Überfüllte Zellen und gewalttätige Ausbrüche: Österreichs Gefängnisse am Rande des Kollapses
Heute ist der 25.09.2026, und wir müssen über ein Thema sprechen, das uns alle betrifft: die Situation in den österreichischen Gefängnissen. Die Überbelegung hat mittlerweile alarmierende Ausmaße erreicht – etwa 109 Prozent! Das bedeutet, dass wir nicht nur über eine Zahl reden, sondern über Menschen, die in überfüllten Zellen leben müssen. Die Expertenplattform „Netzwerk Kriminalpolitik“ fordert eine „besondere Forcierung“ des elektronisch überwachten Hausarrests, um den Druck auf die Haftanstalten zu verringern.
Im September des Vorjahres wurde die Fußfessel-Regelung ausgeweitet. Nun können Verurteilte bis zu zwei Jahren im Hausarrest verbringen – vorher waren es maximal ein Jahr. Doch trotz dieser neuen Möglichkeiten bleibt die erhoffte Entlastung aus. Am 1. September 2026 befanden sich 417 Personen im Hausarrest, während etwa 6200 in Strafhaft und rund 2000 in U-Haft waren. Das zeigt, wie drängend das Problem ist.
Die Herausforderungen im Strafvollzug
Die Situation wird noch brisanter, wenn man bedenkt, dass es kürzlich zwei Mordfälle in österreichischen Gefängnissen gab. Ein 40-Jähriger wurde im Forensisch-Therapeutischen Zentrum Garsten mit einem Buttermesser getötet. Zwei Wochen zuvor wurde ein 19-Jähriger in der Justizanstalt Klagenfurt von einem Mitinsassen erstochen. Solche Vorfälle machen deutlich, wie gefährlich es in vielen Haftanstalten geworden ist. Experten weisen seit Jahren auf systematische Mängel im Strafvollzug hin, und es ist kein Ende in Sicht.
Die Volksanwältin Gaby Schwarz hat ebenfalls Bedenken geäußert. Sie spricht von der steigenden Anzahl der Inhaftierten und dem fehlenden Personal – rund 500 Justizwachebeamte und psychiatrische Fachkräfte fehlen laut Gewerkschaft GÖD. Obwohl das Regierungsprogramm Maßnahmen zur Entlastung der Haftsituation vorsieht, sieht die Realität anders aus. Überbelegung und unzureichende psychiatrische Versorgung tragen zur Gewalt in Gefängnissen bei. Studien zeigen, dass diese Faktoren sogar die Gewaltvorfälle erhöhen.
Ein Ausblick auf mögliche Lösungen
Die Fußfessel ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Diskussion. Sie ist ein Kunststoffband mit Sender, das am Fußgelenk getragen wird. Fesselträger müssen in geeigneten Wohnungen leben und einer geregelten Arbeit nachgehen. Die Kosten für den Hausarrest liegen bei maximal 22 Euro pro Tag – ein klarer Unterschied zu den etwa 180 Euro, die ein Tag in Haft kostet. Richter sollen den elektronisch überwachten Hausarrest fördern und nicht durch Verbote einschränken. Doch es gibt auch Herausforderungen: Richter können den Hausarrest verweigern, wenn sie Flucht- oder Rückfallgefahr sehen.
Darüber hinaus gibt es Vorschläge wie die vorzeitige bedingte Entlassung nach der Hälfte einer Strafe oder die Rückführung ausländischer Häftlinge. Justizministerin Anna Sporrer plant sogar Abschiebungen von Gefangenen nach Halbstrafe, allerdings nicht bei schweren Delikten. In der Justizwache selbst sieht es nicht viel besser aus – von den 3440 Planstellen sind nur etwa 3300 besetzt. Das führt zu Sicherheitsproblemen in den Haftanstalten.
Die Diskussion um eine mögliche Amnestie für 500 Häftlinge hat bisher keinen politischen Rückhalt gefunden. Auch größere Reformen im Strafvollzug stehen noch aus. Das „Netzwerk Kriminalpolitik“ spricht sich für eine Reduktion unverhältnismäßiger Freiheitsstrafen und gemeinnützige Arbeit anstelle von Haftstrafen aus. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen endlich handeln und die drängenden Probleme in den Griff bekommen, bevor es zu weiteren tragischen Vorfällen kommt.
