In Wien-Liesing, genauer gesagt an der Station Neu Erlaa, gibt es aktuell viel Gesprächsstoff. Die Anwohner beklagen sich lautstark über eine neue Glocke, die vor einem Bahnübergang läutet. Und wenn wir sagen laut, dann meinen wir das auch – mehr als 250 Mal am Tag! Das ist schon eine ganz schöne Ansage, oder? Besonders die Lautstärke von 82 Dezibel sorgt für Aufregung. Zum Vergleich: Das ist so laut wie ein Presslufthammer! Die Anrainer sprechen von „ohrenbetäubender Lautstärke“ und berichten von Schlaflosigkeit, was in einer Stadt wie Wien nicht gerade förderlich für die Lebensqualität ist.

Die Glocke wurde nach der Sommerbaustelle installiert und warnt vor herannahenden Zügen der Badner Bahn. Diese Bahn gilt auf einem Teil der Strecke sogar als Eisenbahn und unterliegt dem Eisenbahngesetz. So weit, so gut – aber die Anwohner sind alles andere als erfreut über die ständige akustische Störung. Unter der Woche läutet die Glocke bereits ab 4.30 Uhr bis 0.30 Uhr und am Wochenende sogar rund um die Uhr. Man fragt sich: Wo bleibt da der Schlaf?

Politische Reaktionen und Sicherheitsaspekte

Die Liesinger ÖVP hat die Problematik ebenfalls aufgegriffen. Sie fordern Sofortmaßnahmen und denken dabei an eine Abschaltung des Läutwerks oder zumindest an eine Reduzierung der Lautstärke. Ein Sprecher der Badner Bahn hingegen betont, dass diese Maßnahme aus Sicherheitsgründen notwendig sei, um schwere Unfälle zu verhindern. Hier prallen also unterschiedliche Interessen aufeinander. Einerseits die Sicherheit der Fahrgäste, andererseits das Recht auf eine ruhige Nachtruhe für die Anwohner.

Der Lärm ist nicht nur ein lokales Problem. Laut verschiedenen Studien ist Schienenverkehrslärm in vielen europäischen Ländern ein gravierendes Umweltproblem. In Deutschland fühlen sich etwa ein Viertel der Bevölkerung durch Schienenverkehrslärm gestört. Hierbei steht vor allem der Ausbau des Schienennetzes auf der Kippe, denn Lärm wird oft als Hemmschuh wahrgenommen. Besonders an stark befahrenen Strecken, wie im Mittelrheintal, gibt es immer wieder Lärmschwerpunkte.

Das große Lärmschutz-Dilemma

Es ist kein Geheimnis, dass Verkehrslärm die größte Umweltbelastung in Österreich darstellt, und die Hauptquelle ist eindeutig der Straßenverkehr. Aber auch der Schienenverkehr hat seine Schattenseiten. Lärmschutzmaßnahmen sind beim Neubau oder wesentlichen Änderungen von Schienenwegen zwar vorgeschrieben, aber oftmals fehlt es an einer einheitlichen Regelung. Das Schienenverkehrslärmgesetz von 2017 hat einige Fortschritte gebracht, wie das Verbot von besonders lauten Güterwagen. Doch die Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen an bestehenden Strecken erfolgt häufig nur freiwillig.

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Ein einheitliches Lärmschutzgesetz in Österreich wird daher als notwendig erachtet. Und was ist mit den Anwohnern in Liesing? Wenn der Lärm das gewöhnliche Maß überschreitet, könnten sie theoretisch zivilrechtliche Ansprüche geltend machen. Aber in der Praxis stellt sich die Frage, wie realistisch das ist. Oftmals stehen die Bürger alleine da und müssen sich mit den großen Verkehrsunternehmen und der Politik auseinandersetzen, während sie um ihre Nachtruhe kämpfen.

Die Glocke in Liesing ist also nicht nur ein lokales Ärgernis. Sie wirft Fragen auf, die weit über die Stadtgrenzen hinausgehen. Wie gehen wir mit Lärm um? Wo ziehen wir die Grenze zwischen Sicherheit und Lebensqualität? Die Diskussion ist eröffnet, und es bleibt abzuwarten, wie sie sich entwickeln wird.