Herbert Prohaska schenkt Wiens Armutsbetroffenen mehr als eine warme Mahlzeit
In einem Sozialmarkt des Samariterbundes in der Böckhgasse in Wien-Meidling wird zweimal pro Woche kostenlos warmes Essen ausgegeben. An diesem Tag stehen grüner Paprika, Erdäpfelpüree, Tomatensauce, Reis und Linsen bereit. Eine ältere Besucherin holt sich eine zweite Portion – damit sie satt wird und nichts weggeworfen werden muss.
Zwischen den Tischen ist Herbert Prohaska unterwegs. Der ehemalige Fußballer hilft bei der Essensausgabe, spricht mit den Besucherinnen und Besuchern, lächelt, scherzt. Die 75-jährige Maria erkennt ihn zunächst nicht. Als sie erfährt, wer da vor ihr steht, freut sie sich umso mehr über das persönliche Treffen.
„Niemand sollte nicht genug zu essen haben“
Prohaska erklärte sich auf Anfrage von Georg Jelenko, dem Bereichsleiter der Samariterbund-Sozialmärkte, zur Mithilfe bereit. „Im 21. Jahrhundert sollte niemand nicht genug zu essen haben“, sagt er. Wer viel habe, solle auch etwas davon abgeben.
Der frühere Fußballer kennt bescheidene Verhältnisse aus eigener Erfahrung. Vier Personen lebten in einer Zweizimmerwohnung, bis zu seinem zwölften Lebensjahr schlief er zwischen seinen Eltern. Urlaub gab es nie, ebenso wenig ein Fahrrad oder einen Fernseher. Sein Großvater steuerte die Hälfte seiner Pension zur Wohnung bei. Trotzdem habe er immer genug zu essen gehabt und eine schöne Kindheit erlebt.
Auch abseits des Meidlinger Sozialmarkts engagiert sich Prohaska: für die Gruft und gemeinsam mit Freunden seit Jahren für ein Projekt für schwer traumatisierte Mädchen. Für die Stammgäste der Essensausgabe ist das warme Essen laut Artikel überlebenswichtig. Sein Besuch bringt zusätzlich Freude in den Raum.
Knapp 1.100 Euro, davon 600 für die Miete
Die 57-jährige Petruta erzählt von finanziellen und gesundheitlichen Problemen. Wegen einer Fußoperation und Blasenproblemen kann sie derzeit nicht arbeiten. Monatlich stehen ihr knapp 1.100 Euro zur Verfügung, rund 600 Euro davon gehen für die Miete drauf. Sie wartet auf eine günstigere Gemeindewohnung. „Gesundheit und eine billigere Wohnung“ – mehr wünsche sie sich vor allem nicht.
Die kostenlose Mahlzeit beim Samariterbund, die es zweimal pro Woche gibt, entlastet ihr Budget. Für viele andere Gäste ist das Essen ebenfalls ein fixer Teil der täglichen Versorgung. Es wird vor Ort in angenehmer Atmosphäre gegessen oder für die Familie mitgenommen. Auch Kinder aus armutsbetroffenen Familien erhalten im Sozialmarkt gesunde, warme Mahlzeiten.
Hinter dem Angebot stehen die SamLas, die Sozialmärkte des Samariterbundes Wien. Die Waren stammen aus Spenden oder geretteten Lebensmitteln. Das Projekt „Suppentopf“ bietet seit November 2022 täglich an einem der Sozialmarkt-Standorte ein kostenloses warmes Essen an. Freiwillige bereiten die Speisen gemeinsam mit einem hauptamtlichen Koch und dessen Team zu und geben sie anschließend an Menschen in Armut aus.
Vom warmen Essen zum sozialen Treffpunkt
Stark gestiegene Lebenshaltungskosten haben den Bedarf verschärft. Der Suppentopf soll armutsbetroffene Menschen niederschwellig erreichen, Armut lindern und zugleich Lebensmittelverschwendung reduzieren. Neben der Versorgung mit ausgewogenen Mahlzeiten stehen Gemeinschaft, Würde und mehr Stabilität im Alltag im Mittelpunkt.
Privatpersonen und Unternehmen können das Projekt unterstützen, etwa durch gemeinsames Kochen und Ausgeben des Essens. Dank freiwilliger Helfer ist die kostenlose Essensausgabe an mehreren Wiener Standorten an fünf Tagen pro Woche möglich.
Zu den Besucherinnen und Besuchern zählen Menschen aus der Nachbarschaft, junge Familien sowie ältere und alleinstehende Personen. Samariterbund-Präsidentin Susanne Drapalik sagt, Armut betreffe Menschen jeden Alters. Zu Beginn vor vier Jahren kamen etwa 80 Personen, inzwischen sind es rund 300 täglich.
Der Sozialmarkt ist dabei nicht bloß eine Ausgabestelle. Hier wird geredet, gewartet, gelacht – manchmal auch nur kurz. Das Angebot fördert Begegnung und Austausch, stärkt soziale Teilhabe und wirkt sozialer Isolation entgegen. Durch den persönlichen Kontakt können Unterstützungsbedarfe erkannt und weitere Hilfsangebote vermittelt werden.
Die Informationen der Volkshilfe-Quelle zur EU-SILC-Erhebung 2025 konnten für diesen Bericht nicht inhaltlich ausgewertet werden: Der gelieferte Text enthält keine lesbaren Nachrichteninhalte, sondern binäre beziehungsweise komprimierte PDF-Daten.
