Dingelstedtpark unter Druck: Anwohner kämpfen gegen Drogen und Lärm
Im Dingelstedtpark, einem kleinen, aber feinen Nachbarschaftspark im 15. Bezirk von Wien, wird die Luft dünn. Anwohner berichten von einem unangehmen Alltag, der von offenem Drogenkonsum, lautstarken Auseinandersetzungen und nächtlichem Lärm geprägt ist. Claudia F., eine besorgte Anrainerin, schildert eindringlich: „Es ist einfach schrecklich! Man kann sich nicht einmal mehr in den Park setzen, ohne Zeuge von Drogenkonsum zu werden.“ Familien, wie die von Franziska K., sind alarmiert. Herumliegende Spritzen in der Nähe von spielenden Kindern sorgen für zunehmende Bedenken. Michael P., der seit über zehn Jahren in der Gegend lebt, sieht, wie Nachbarn wegziehen, während er sich fragt: „Wie lange halte ich das hier noch aus?“
Bezirkschef Dietmar Baurecht hat sich der Sache angenommen. Er fordert mehr Polizeipräsenz, um den Anwohnern Sicherheit zu geben und die Probleme zu bekämpfen. „Wir brauchen mehr Unterstützung, um die Straßenkriminalität in den Griff zu bekommen“, so Baurecht. Die Anwohner haben schon längst die Polizei kontaktiert. Mehrmals täglich. Die Stadt Wien hat bereits reagiert und seit Mai gelten am Westbahnhof ein Alkoholverbot und eine Schutzzone, um der Drogenszene Einhalt zu gebieten. Doch die Bedenken wachsen, dass sich die Probleme in angrenzende Bezirke verlagern könnten.
Ein Blick auf die Zahlen und Fakten
Der Druck wächst. Wien kämpft gegen Drogenhandel und -konsum, wie jüngste Maßnahmen zeigen. Polizeipräsident Gerhard Pürstl und Ewald Lochner, der Wiener Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen, präsentierten ein Maßnahmenpaket, das besonders den Westbahnhof und die U-Bahn-Station Gumpendorfer Straße in den Fokus rückt. Hier hat sich seit Frühjahr ein neuer Drogen-Hotspot etabliert. Der Drogenhandel blüht, und die Suchthilfe Wien ist stark gefordert. Die Polizei hat bereits im August in einer Schwerpunktaktion zahlreiche Festnahmen und Anzeigen verzeichnet. „Null Toleranz“ für Drogenhandel und Konsum im öffentlichen Raum, so Lochner, doch das wird nicht ohne Herausforderungen bleiben.
Das Wiener Drogenkonzept, das seit 1991 besteht und auf überparteilicher Zusammenarbeit basiert, verfolgt den Grundsatz „Therapie statt Strafe“. Dabei wird Sucht als Krankheit definiert und es werden verschiedene Handlungsfelder wie Prävention, Beratung und Sicherheit abgedeckt. Die Stadt hat auch die Zahl der schwer Drogenabhängigen auf 5.000 bis 6.000 geschätzt. Es ist klar, dass die Drogenproblematik in Großstädten ausgeprägter ist. Der Zugang zu Drogen und Therapie ist einfach, und die Anonymität fördert das Problem.
Der Mensch im Mittelpunkt
Die Wiener Drogenpolitik versucht, die Schäden zu minimieren und den Drogenkonsum einzudämmen. Gesundheits- und soziale Maßnahmen sind entscheidend. Substitutionsbehandlungen und Maßnahmen zur sozialen Integration sind von enormer Bedeutung. Doch die realen Geschichten aus dem Dingelstedtpark zeigen, wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz ist. Die Anwohner wünschen sich nicht nur eine Lösung für die Drogenproblematik, sondern auch ein sicheres Umfeld, in dem ihre Kinder spielen können.
Die Stadt Wien nimmt die Beschwerden ernst und denkt über den Einsatz mobiler sozialer Arbeitsteams nach. Doch während die Pläne geschmiedet werden, bleibt der Alltag für die Anwohner angespannt. Ein Park, der einst ein Ort der Entspannung war, verwandelt sich mehr und mehr in einen Brennpunkt. Es bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen greifen und ob der Dingelstedtpark bald wieder ein Ort werden kann, an dem man unbeschwert die Seele baumeln lassen kann.
