Heute ist der 28.09.2026 und wir werfen einen Blick auf eine lebende Legende des Boxsports in Wien. Josef „Pepi“ Kovarik, 95 Jahre alt, ist mehr als nur ein Trainer – er ist eine Ikone. In seiner Wohnung im 7. Bezirk Neubau empfängt er uns mit einem Lächeln, das trotz der Jahre an Erfahrung und dem damit verbundenen Gewicht immer noch strahlt. Es ist bewundernswert, wie er Generationen österreichischer Boxer geprägt hat. Kovarik hat nicht nur die Kunst der Schläge gelehrt, sondern auch Lebensweisheiten, die aus der „alten Schule“ stammen. Respekt, Disziplin und Selbsteinschätzung – das sind für ihn keine leeren Worte, sondern Grundpfeiler seiner Philosophie.

Seine Frau Maria steht ihm stets zur Seite und unterstützt ihn in seinem Alltag. Das Bild eines alten Boxmeisters, der in seiner bescheidenen Wohnung sitzt und Geschichten aus seinem Leben erzählt, ist beeindruckend. Kovarik berichtet mit einem Augenzwinkern von Anekdoten, die oft in einem Wirtshaus endeten. So sieht man, dass das Boxen für ihn mehr war als nur ein Sport – es war eine Art Erziehung, eine Art Halt und vielleicht sogar eine Heimat in der rauen Welt des Ringes.

Der Weg zum Trainer

Josef Kovarik begann seine Boxkarriere im zarten Alter von 17 Jahren und trainierte sechs Jahre lang, bevor er den Wiener Meistertitel errang. Nach seiner Heirat legte er das Boxen für 17 Jahre nieder – das Leben eines Boxers ist nicht immer einfach. Doch 1970 kehrte er zurück, und das als Trainer im Boxclub Schwarz-Weiß Wien, ganz ungeplant, nachdem ältere Trainer absprangen. Seitdem hat er Hunderte von Jugendlichen trainiert, die er vor dem Abgleiten in die falschen Bahnen bewahren wollte. “Ziel war es, Jugendlichen zu helfen, keine Gauner zu werden”, sagt er mit einem Funkeln in den Augen.

Eine bemerkenswerte Bilanz kann Kovarik vorweisen: Weltmeistertitel, 35 Staatsmeistertitel, zahlreiche Wiener Meistertitel und Jugendtitel. Und das Beste daran? Seit 42 Jahren hat er für seine Trainerarbeit keine Bezahlung erhalten. Das spricht Bände über seine Hingabe und die Leidenschaft, die er für den Boxsport hat. Er lehrte seinen Schützlingen die sechs Grundschläge: Jab, Cross, Haken und Uppercut – essenzielle Techniken, die den Grundstein für jeden Boxer legen.

Boxen – mehr als ein Sport

Boxen selbst ist eine faszinierende Kampfsportart, bei der zwei Kontrahenten nur mit den Fäusten kämpfen – und das unter strengen Regeln. Kämpfe sind in Runden unterteilt, oft mit einminütigen Pausen. Die Entscheidungen können durch Punktsieg, Knockout, Abbruch oder Disqualifikation fallen. Die Ursprünge des Boxens reichen auf die Olympischen Spiele der Griechen im Jahr 688 v. Chr. zurück, und das moderne Boxen hat sich seitdem enorm weiterentwickelt. Die Queensberry-Regeln aus dem 19. Jahrhundert sind ein Meilenstein in der Geschichte des Sports.

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Kovarik sieht das Boxen nicht nur als sportliche Betätigung, sondern auch als eine Form der Erziehung. Das Boxen hat ihm und vielen seiner Schützlinge Halt gegeben, eine Art Zuhause in einer oft harten Welt. Und das, obwohl der Sport selbst immer wieder in der Kritik steht, vor allem wegen der gesundheitlichen Risiken. Aber für Pepi ist das Boxen auch eine Kunstform, in der Technik, Taktik und Herz gefragt sind.

So bleibt Josef Kovarik, der in seiner Heimatstadt Wien-Neubau verwurzelt ist, ein leuchtendes Beispiel dafür, was es bedeutet, mit Leidenschaft und Hingabe für etwas zu leben. Sein Lebenswerk ist nicht nur in den Ring eingeschränkt, sondern hat auch das Leben vieler Menschen außerhalb des Rings beeinflusst. Ein Boxtrainer, der nicht nur die Fäuste, sondern auch die Herzen der Menschen gewinnt.