Penzinger Kreuzung nach Kollision mit Polizeiauto Schauplatz der Einsatzrisiken
Am Mittwochabend gegen 18 Uhr ist es in Wien-Penzing an der Kreuzung Reinlgasse/Fenzlgasse zu einem Verkehrsunfall gekommen. Beteiligt waren ein Polizeifahrzeug und ein roter Mini.
Eine 61-jährige Autofahrerin fuhr auf der Reinlgasse Richtung Hütteldorfer Straße und wollte an der Kreuzung mit der Fenzlgasse nach links abbiegen. Gleichzeitig war eine 24-jährige Polizistin mit einem Einsatzfahrzeug auf der Reinlgasse in entgegengesetzter Richtung zur Linzer Straße unterwegs – mit eingeschaltetem Blaulicht und Folgetonhorn.
Polizeiauto prallte gegen Müllcontainer
Im Kreuzungsbereich kollidierten die beiden Fahrzeuge. Durch den Aufprall wurde das Einsatzfahrzeug nach links von der Fahrbahn abgedrängt und prallte gegen einen Müllcontainer sowie eine Plakatwand. Ein lauter, kurzer Zusammenstoß – danach blieb die Kreuzung nicht mehr so, wie sie zuvor gewesen war.
Bei dem Unfall wurden zwei Polizistinnen und ein Polizist verletzt. Die Berufsrettung Wien versorgte die drei Beamten zunächst an der Unfallstelle und brachte sie anschließend zur weiteren medizinischen Abklärung in ein Krankenhaus.
Warum Einsatzfahrten so riskant sind
Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 untersucht die Risiken für Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Rettungsdienste im Straßenverkehr. Gefahren entstehen demnach sowohl während Einsatzfahrten mit Blaulicht und Signalhorn als auch bei Arbeiten direkt an Unfall- und anderen Einsatzstellen.
Bei jeder Einsatzfahrt prallen zwei Ziele aufeinander: möglichst schnell ankommen – und trotzdem sicher bleiben. Besonders heikel wird es, wenn andere Verkehrsteilnehmende die Situation falsch einschätzen, Warnsignale zu spät hören oder überhaupt nicht reagieren. Der Internationale Feuerwehrverband CITF empfiehlt deshalb eine Vehicle-to-Everything-Kommunikation (V2X). Ausgestattete Verkehrsteilnehmende könnten damit automatisch vor herannahenden Einsatzfahrzeugen gewarnt werden, um Folgeunfälle zu vermeiden.
Der Report sieht außerdem zusätzlichen Qualifikationsbedarf. Unsicherheit und Überforderung in schwierigen Fahrsituationen erhöhen das Unfallrisiko. Im Rettungsdienst fahren häufig jüngere und weniger erfahrene Personen; ehrenamtliche Einsatzkräfte sitzen oft nur selten am Steuer eines Einsatzfahrzeugs und trainieren Einsatzbedingungen noch seltener. Gefordert wird daher eine staatlich geregelte Zusatzqualifikation. Norwegen verbindet diese etwa mit Ausbildung in Fahrphysik, Gefahrenlehre, Stressmanagement und rechtlicher Verantwortung. In Spanien ist die Durchführung von Einsatzfahrten Teil der beruflichen Qualifikation. Eine normale Fahrerlaubnis, so die Einschätzung des Reports, reicht dafür nicht aus.
Gefahr auch nach dem Eintreffen
Mit dem Ankommen am Einsatzort ist das Risiko nicht vorbei. Für Deutschland fehlen laut Report belastbare Daten, deshalb werden Erfahrungen aus den USA herangezogen: Dort wurden etwa 30 Prozent der im Straßenverkehr getöteten Polizei- oder Feuerwehrkräfte am Einsatzort von anderen Verkehrsteilnehmenden angefahren.
Diese sogenannten „Struck-by“-Unfälle passieren typischerweise bei der Absicherung von Unfallstellen, bei Verkehrskontrollen oder bei Arbeiten nahe am fließenden Verkehr. Unübersichtliche Einsatzstellen, Dunkelheit, schlechte Witterung und unangepasste Geschwindigkeiten verschärfen die Lage. Dazu kommen fehlende flächendeckende und möglichst digitale Verkehrsbeeinflussungsanlagen sowie Seitenstreifen und Ausweichzonen, die nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Politik und Verwaltung sollen laut Report die Rahmenbedingungen für sichereres Arbeiten schaffen. Genannt werden moderne technische Warnsysteme, klare Regeln und geeignete Infrastruktur ebenso wie bessere Qualifikation. Auch die Rückhaltesysteme in Rettungsfahrzeugen müssten besser nutzbar sein.
Ein weiteres Risiko liegt nämlich im Patientenraum während des Transports ins Krankenhaus. Medizinische Versorgung, Personal, Material und Bewegungsfreiheit müssen dort während der Fahrt gleichzeitig funktionieren. US-Studien zufolge werden Sicherheitsgurte allerdings nur selten konsequent verwendet: Rund 3 Prozent der befragten Einsatzkräfte gaben an, während des Transports immer angeschnallt zu sein. Mehr als ein Drittel nutzte bei Notfalleinsätzen nie einen Sicherheitsgurt.
Als Grund nannten die Befragten, dass vorhandene Gurtsysteme die Versorgung kritisch erkrankter oder schwer verletzter Menschen erheblich behindern. Der Report stellt deshalb ein neues Rückhaltesystem vor, das medizinisches Personal auch während der Patientenversorgung besser schützen soll. In Penzing waren die drei verletzten Beamten nach dem Unfall jedenfalls zunächst an der Kreuzung versorgt und danach zur weiteren medizinischen Abklärung ins Krankenhaus gebracht worden.
