Die Suche nach dem Menschsein: Ein ökumenischer Gottesdienst in Wien
Am 21. September 2026 fand in der methodistischen Kirche in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus ein bedeutender Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) statt. Die Veranstaltung fiel in die Schöpfungszeit und wurde nicht nur vor Ort gefeiert, sondern auch live auf ORF III sowie in den ORF Regionalradios übertragen. Das Motto des Gottesdienstes lautete: „Was ist der Mensch?“ – eine Frage, die tief in den Herzen und Köpfen der Anwesenden widerhallte.
Bischof Tiran Petrosyan, der Vorsitzende des ÖRKÖ, eröffnete den Gottesdienst mit eindringlichen Worten. Er hob hervor, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, das fähig ist, umzukehren und in Gemeinschaft zu leben. Seine Warnung, die Schöpfung nicht nur als Ressource zu betrachten, sondern die Verbundenheit des Menschen mit der Natur zu erkennen, war ein zentraler Punkt seiner Ansprache. Diese Frage nach dem Wesen des Menschen wurde als ökumenische Herausforderung dargestellt, die nur im Dialog und in Gemeinschaft beantwortet werden kann.
Ein Biblisches Gleichnis als Leitfaden
Das biblische Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ bildete das Herzstück des Gottesdienstes. Evangelische Bischöfin Cornelia Richter sprach über die Bedeutung von ehrlicher Zuwendung und die Chancen von Innehalten und Vergebung. Die Zuhörer konnten die Tiefe dieser Botschaft spüren – es war mehr als nur ein Wort, es war eine Einladung zur Reflexion. Erzbischof Grünwidl ergänzte die Gedanken mit einem menschenfreundlichen Gottesbild, das im Gleichnis lebendig wird.
Die musikalische Begleitung durch Schüler und Lehrende des Diözesankonservatoriums der Erzdiözese Wien sowie der „CCM Band“ verlieh dem Gottesdienst eine besondere Atmosphäre. Man konnte das Zusammenwirken der verschiedenen Kirchenvertreter spüren, die aus unterschiedlichen Glaubenstraditionen kamen: methodistische, reformierte und orthodoxe Pfarrer waren vertreten, um gemeinsam zu beten und zu singen. Das Ganze wurde von der Künstlerin Ksenia Lytvynenka begleitet, die live Zeichnungen zur Erzählung des biblischen Textes anfertigte – eine visuelle Untermalung, die die Worte auf eine neue Ebene hob.
Ökumenische Verantwortung und Dialog
Der ÖRKÖ umfasst mittlerweile 18 Mitgliedskirchen, darunter die Römisch-Katholische Kirche, die Evangelische Kirche und verschiedene orthodoxe Kirchen. Einige der Kirchen sind Mitglieder mit beratender Stimme, während andere einen Beobachterstatus innehaben. In einer Zeit, in der Dialog und Verständnis zwischen den Glaubensrichtungen wichtiger denn je sind, ist der ökumenische Austausch ein Zeichen der Hoffnung und der Verbundenheit. Der ökumenische Dialog erfordert Treue zur Lehre der katholischen Kirche, und es wird betont, dass die katholischen Theologen gemeinsam mit ihren getrennten Brüdern die göttlichen Geheimnisse ergründen sollten. Dabei ist eine Vorgehensweise von Wahrheitsliebe, Liebe und Demut von höchster Bedeutung.
Wie in der Erklärung „Unitatis redintegratio“ festgehalten, ist es von zentraler Bedeutung, die Hierarchie der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre zu berücksichtigen, um einen Weg zu bereiten, der zu tieferer Erkenntnis und einer klareren Darstellung der unerforschlichen Reichtümer Christi führt. Diese Gedanken und das Streben nach Einheit durch den Glauben zeigen, dass auch in einer Welt voller Unterschiede eine gemeinsame Basis gefunden werden kann, um in der Schöpfung Verantwortung zu übernehmen.
