Verborgene Kämpfe: Der stille Verfall der Palmgasse in Wien
In der Palmgasse in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus ist die Lage angespannt. Zwei Personen liegen regungslos im Notausgang eines Geschäfts. Anwohner und Passanten, darunter Schulkinder, Mütter mit Kinderwägen und Geschäftsleute, scheinen die Szene zu ignorieren. Peter H., ein besorgter Anwohner, beobachtet diese misslichen Zustände schon seit längerer Zeit. „So kann’s nicht weitergehen!“, äußert er seine Besorgnis über den Verfall seines Viertels. Die Drogen- und Alkoholproblematik macht ihm zu schaffen, besonders nach einem Vorfall im August, bei dem ein Mann durch eine Messerattacke starb. „Das hat mir die Augen geöffnet“, sagt Peter, der die Situation fotografisch dokumentiert hat – Spritzen und blutige Taschentücher inklusive.
Obwohl Peter H. die Polizei und den Bezirk über die misslichen Verhältnisse informiert hat, bleibt die Wirkung aus. Dietmar Baurecht, der Bezirksvorsteher von Rudolfsheim-Fünfhaus (SPÖ), bestätigt, dass es mehrere Beschwerden von Anwohnern gibt und erkennt das Problem an. „Wir müssen die Polizeipräsenz erhöhen“, fordert er und plant, Maßnahmen zu verschärfen, abhängig von einer bevorstehenden Evaluierung. Seit Mai gilt in der Palmgasse eine strikte Alkoholverbotszone, die auch gegen Drogenkriminalität wirken soll. Eine Evaluierung durch die Polizei wird bereits durchgeführt, um weitere Maßnahmen zu besprechen. „Die Anwohner sollen wieder in Ruhe leben können“, betont Baurecht und fordert eine Aufstockung der Einsatzgruppen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität sowie der Straßenkriminalität.
Jugendkriminalität im Fokus
In den letzten Jahren hat die Jugendkriminalität auch in anderen Regionen Einzug gehalten. Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen häufiger mit kriminellen Verhaltensweisen konfrontiert. Besonders männliche Jugendliche werden deutlich häufiger als Tatverdächtige registriert. Das zeigt sich auch in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die aufgedeckte Straftaten erfasst. Dabei werden nicht nur die Tatverdächtigen, sondern auch die Opfer dokumentiert.
Ein interessanter Aspekt ist, dass die Ursachen für Jugendkriminalität vielschichtig sind. Neurobiologische, entwicklungspsychologische und soziale Faktoren sind entscheidend. Peergruppen, Schulschwänzen, Alkohol- und Drogenkonsum sowie familiäre Erziehung spielen eine große Rolle. Es ist auch bemerkenswert, dass Jugendkriminalität in der Regel bagatellhaft ist; häufige Delikte sind Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und leichte Körperverletzung. Männliche Jugendliche sind bei Gewaltkriminalität fast dreimal häufiger als weibliche Tatverdächtige. Dennoch ist die Kriminalitätsbelastung im Jugendalter höher als im Kindes- und Erwachsenenalter.
Prävention und Unterstützung
Das Bundesjugendministerium hat die Herausforderung der Kinder- und Jugendkriminalität erkannt und arbeitet an Handlungsstrategien zur Prävention. Es werden Fachdiskussionen angeregt und thematische Schwerpunkte gesetzt. Die Mehrheit der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen tritt nur einmal polizeilich in Erscheinung. Nur eine kleine Gruppe von etwa 5-10% sind Intensivtäter, die wiederholt schwerwiegende Straftaten begehen. Diese Intensivtäter sind oft von komplexen Problemlagen betroffen, wie soziale Benachteiligung, Gewalterfahrungen und Substanzmissbrauch.
Die Kriminalitäts- und Gewaltprävention hat in den letzten 20 Jahren an Qualität und Quantität gewonnen. Vielfältige Konzepte zur Vermeidung von Kinder- und Jugendkriminalität wurden etabliert. Die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Schule, Polizei und Justiz wird stärker betont. Ein besonderer Fokus liegt auf präventiven Maßnahmen, die frühzeitig beginnen sollten, um positive Entwicklungen zu fördern.
In der Palmgasse bleibt die Situation angespannt, und die Anwohner hoffen auf positive Veränderungen. Die Herausforderungen sind groß, aber die ersten Schritte in die richtige Richtung sind bereits eingeleitet. Bleibt zu hoffen, dass die Anwohner bald wieder in Ruhe leben können, ohne Angst vor Drogen und Gewalt in ihrem eigenen Grätzl.
