Kunst im Umbruch: Revitalisierung des Jugendstil-Theaters und die Rückkehr des Wiener Aktionismus
Heute ist der 11.10.2026, und die Kunst- und Kulturszene in Wien-Wieden brodelt! Nach jahrzehntelangen Streitigkeiten steht das Jugendstil-Theater am Mittersteig endlich vor einer Revitalisierung. Die Anwohner in Wieden und Margareten sind begeistert von der geplanten Nutzung, die frischen Wind in die Gegend bringen soll. Erinnerungen werden wach! Hier gab Reinhard Fendrich einst sein erstes Konzert, und auch zahlreiche Sportgrößen hatten ihren Auftritt. Doch was wird aus den früheren Plänen für einen Supermarkt oder ein Fitnesscenter, die allesamt gescheitert sind? Es scheint, als ob die Kunst jetzt die Oberhand hat.
Ein Highlight der neuen Nutzung wird die „Akhavan Collection“ sein, eine Kunstgalerie, die von Reza Akhavan und seiner Frau Isabell geleitet wird. Kürzlich fand die erste Eröffnungsfeier der Galerie statt, und man kann sich vorstellen, dass die Atmosphäre unter den 140 geladenen Gästen – darunter der renommierte Klaus Albrecht Schröder – elektrisierend war. Überraschenderweise gab es jedoch keine Berichterstattung in den Medien über diesen Event. Akhavan, der auch als Geschäftsführer von 53 Firmen tätig ist, scheint sich in der Kunstszene bislang eher zurückhaltend präsentiert zu haben.
Ein Blick in die „Akhavan Collection“
Die Galerie zeigt Werke, die Akhavan in über 20 Jahren privat gesammelt hat. Dazu gehören auch die umstrittenen Arbeiten des Künstlers Otto Muehl. Muehl ist nicht gerade unumstritten, wurde er doch wegen Unzucht mit Minderjährigen verurteilt, und seine Ausstellungen waren stets von Protesten begleitet. Dennoch bleibt seine Kunst ein zentraler Bestandteil der Sammlung. Dies wirft Fragen auf: Wie wird die Gesellschaft auf diese Werke reagieren? Die Besucher müssen sich übrigens voranmelden, zahlen acht Euro und dürfen maximal zu zehnt für eine Stunde bleiben. Ein bisschen wie ein exklusives Event, nur dass es um Kunst geht und nicht um Champagner und Häppchen.
Für Akhavan ist die „Akhavan Collection“ nicht nur ein persönliches Projekt. Er war auch Teil eines Konsortiums, das 2022 die „Sammlung Friedrichshof“ mit 13.000 Werken aufkaufte. Ein beeindruckendes Unterfangen, das die Kunstszene in Wien nachhaltig beeinflussen könnte. Zudem hält er 14,17 Prozent an der Betreibergesellschaft des Wiener Aktionismus Museums, das im Februar 2024 eröffnet wurde. Doch was genau ist dieser Wiener Aktionismus?
Der Wiener Aktionismus
Eine Bewegung der modernen Kunst, die zwischen 1962 und 1970 blühte – das ist der Wiener Aktionismus. Dabei wurde das Konzept der amerikanischen Happening- und Fluxus-Kunst aufgegriffen, um gegen die repressive gesellschaftliche Realität zu protestieren. Die Protagonisten – darunter Namen wie Günter Brus, Otto Muehl und Hermann Nitsch – brachen mit Tabus und forderten die konventionellen Vorstellungen von Kunst heraus. Die berühmte Aktion „Kunst und Revolution“ vom 7. Juni 1968 ist nur ein Beispiel für die radikale Ausdrucksweise dieser Künstler.
Es ist ein faszinierendes, ja, sogar schockierendes Kapitel der Kunstgeschichte, das auch heute noch polarisiert. Muehl und Nitsch verfolgen zwar sporadisch Aktionskunst, doch nach 1970 trennten sich die Wege der Gruppe. Die Mehrheit der Bevölkerung reagierte damals mit Entsetzen auf die Kreativität und Radikalität ihrer Aktionen. Das Wiener Aktionismus Museum, das die größte Sammlung zu diesem Thema beherbergt, bietet einen einzigartigen Einblick in diese explosive Zeit der Kunstgeschichte.
Mit der Eröffnung der „Akhavan Collection“ und dem Wiener Aktionismus Museum wird die Kunstszene in Wien-Wieden auf jeden Fall nicht langweilig. Die kommenden Monate versprechen spannende Entwicklungen und eine Rückbesinnung auf das, was Kunst wirklich sein kann. Man darf gespannt sein, wie sich die Reaktionen der Öffentlichkeit entwickeln werden und ob die altehrwürdigen Mauern des Mittersteigs bald die nächste Generation von Künstlern inspirieren werden.
