Arena Wien: 50 Jahre Kulturgeschichte und Widerstand
Am 27. Juni 2026 feierte die Arena in Wien-Erdberg ein bemerkenswertes Jubiläum. Patti Smith kam extra vorbei, um die Geburtstagsfeier mit einem Ständchen zu bereichern. Die Arena, die als eine der besten Konzertlocations der Welt gilt, hat eine bewegte Geschichte, die eng mit der Gegenkultur der 1970er Jahre verwoben ist. Der Name „Arena“ geht auf die alternative Veranstaltungsschiene der Wiener Festwochen zurück, die 1970 ins Leben gerufen wurde.
Ursprünglich fand die Arena 1975 erstmals am Gelände des ehemaligen Auslandsschlachthofes St. Marx statt. Damals war dieser Ort von der Stadt Wien zum Abriss bestimmt. Doch die Geschichte nahm eine unerwartete Wendung: Nach einem Konzert am 27. Juni 1976 blieben die Besucher, bestehend aus Intellektuellen, Künstlern und Jugendlichen, am Gelände und riefen die Besetzung aus. Ein mutiger Schritt, der nicht nur die Abrisspläne der Stadt in Frage stellte, sondern auch den Grundstein für eine neue Ära der Wiener Kultur legte.
Die Besetzung und ihr Erbe
Die Arena-Besetzung von 1976 gilt bis heute als Meilenstein der österreichischen Kultur- und Protestgeschichte. Die „Arenauten“ forderten ein ganzjähriges, selbstverwaltetes Kulturzentrum und schufen eine Art utopische Stadt in der Stadt. Über 200.000 Menschen besuchten das Gelände während der Besetzung, es fanden Gratiskonzerte, Theateraufführungen und Partys statt – ein kulturelles Experiment, das viele Besucher in seinen Bann zog. Wie Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann anmerkte, war dies ein Aufbruch in einer Stadt, die damals wenig Angebote für junge Menschen hatte.
Unterstützer wie „Die Schmetterlinge“, Peter Turrini und Georg Danzer trugen zur Popularität der Arena bei. Selbst Leonard Cohen trat spontan auf und bezeichnete die Arena als „besten Ort der Welt“. Diese ganz besondere Atmosphäre zog nicht nur die lokale Bevölkerung an, sondern auch viele prominente Künstler wie David Bowie, Iggy Pop und Nirvana in den folgenden Jahren. Auch die Sound-Technik der Arena ist herausragend, auch wenn es in der jüngeren Vergangenheit 2024 zu Lärmbeschwerden von neuen Anrainern kam.
Ein autonomes Kulturzentrum
Die Stadt Wien übergab den Inlandsschlachthof an die Besetzer, die die Arena seit 1977 als gemeinnützigen Verein betreiben. Das Motto „Love Music, Hate Fascism“ zeugt von der grundlegenden Philosophie der Arena, die darauf abzielt, selbstbestimmt zu arbeiten und Kultur zu fördern, die oft nicht profitabel ist. Das Kulturzentrum hat sich zu einem der größten alternativen Kultur- und Kommunikationszentren in Österreich entwickelt und bietet eine Plattform für zahlreiche kulturelle und soziale Aktivitäten.
Im Laufe der Jahre entstanden viele alternative Kultur- und Jugendzentren in ganz Österreich, inspiriert durch die Welle, die die Arena ausgelöst hatte. Die Gemeinde Wien begann zunehmend, solche Bewegungen zu unterstützen, was zur Entstehung eines vielfältigen Kulturangebots in der Stadt führte. Auch heute noch ist die Arena ein wichtiger Ort für Konzerte, Partys und Festivals, mit einem Programm, das für jeden Geschmack etwas bereithält.
Eine aktuelle Ausstellung im Wien Museum und ein Bildband gewähren tiefere Einblicke in die spannende Geschichte der Arena. Mit ihren Kapazitäten von 240 bis 3.000 Personen und verschiedenen Veranstaltungsräumen, darunter die große Halle und das Open Air Kino, bleibt die Arena ein pulsierendes Zentrum für kreative Köpfe und ein Rückzugsort für alle, die die Freiheit der Kunst und Kultur schätzen.
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