Feldhamster im Wiener Zentralfriedhof: Ein unerwartetes Paradies für Naturfotografen
Wien-Döbling, der 24. Juni 2026. Wer hätte gedacht, dass der Wiener Zentralfriedhof nicht nur ein Ort des Gedenkens ist, sondern auch ein kleines Paradies für Feldhamster? Ja, genau, diese kleinen, putzigen Tierchen haben sich zwischen den Gräbern niedergelassen und sorgen für lebendige Szenen in der Dämmerung. Der Naturfotograf Marius Holzapfel hat sich auf die Beobachtung dieser faszinierenden Kreaturen spezialisiert. Mit viel Geduld und einem scharfen Blick hält er deren Verhalten fest – beim Spielen, Fressen oder sogar beim Putzen.
Holzapfel, 43 Jahre alt und wohnhaft in Wien Floridsdorf, hat eine Ausbildung als Maschinenschlosser und Metalltechniker. In seiner Freizeit widmet er sich der Naturfotografie, die er als meditativ beschreibt. 2009 startete er mit Landschafts- und Gewitterfotografie, bevor er 2016 in die Tierfotografie eintauchte. Seine häufigsten Motive? Füchse, Dachse, Graureiher, Eichhörnchen und natürlich die Feldhamster. Besonders spannend ist sein Ansatz: Er verwendet keine Bildbearbeitung oder Künstliche Intelligenz in seinen Arbeiten. Stattdessen legt er großen Wert auf authentische Aufnahmen „auf Augenhöhe“ und geht oft ohne Smartphone in die Natur. So entflieht er der Schnelllebigkeit unserer Zeit.
Beobachtungen und Herausforderungen
Ein besonders spannendes Erlebnis für Holzapfel ist die Beobachtung eines Fuchses, der sich leise an die Feldhamster anschleicht, um sie mit einem gezielten Biss zu erlegen. Es ist nicht einfach, diese natürlichen Abläufe festzuhalten, denn oft bleibt einem das Herz stehen, wenn man sieht, wie die Tiere in Gefahr sind. Doch Holzapfel hat sich entschieden, die Natur in ihrer Rohheit zu dokumentieren. „Es ist schwer, nicht einzugreifen“, gesteht er. Aber gerade diese Unmittelbarkeit macht die Fotografie für ihn so wertvoll.
Ein Fotoworkshop, der auf dem Wiener Zentralfriedhof stattfindet, bietet Interessierten die Möglichkeit, selbst in die Fotografie der Feldhamster einzutauchen. Unter dem Motto „Feldhamster in Wien“ können Teilnehmer die Tiere beobachten und fotografieren. Der Workshop nutzt das Morgen- oder Abendlicht, um die besten Ergebnisse zu erzielen, und gibt wertvolle Tipps zur Belichtungszeit, Blende und Perspektive. Wer mitmachen möchte, sollte eine Kamera mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten mitbringen und ausreichend Akkus sowie leere Speicherkarten dabei haben. Ein Teleobjektiv mit mindestens 200 mm Brennweite wird empfohlen!
Ein gefährdeter Lebensraum
Doch während wir hier in Wien die Feldhamster bewundern, sieht die Realität für diese Tierart in anderen Regionen ganz anders aus. In Hessen ist der Feldhamster beispielsweise eine bedrohte Art. Intensive Landwirtschaft und der Verlust geeigneter Lebensräume haben zu einem drastischen Rückgang der Populationen geführt. Die AG Feldhamsterschutz arbeitet mit Landwirten zusammen, um spezielle Lebensräume zu schaffen und zu pflegen. Maßnahmen wie der Schutz landwirtschaftlicher Flächen während der Fortpflanzungszeit sind entscheidend, um diese kleinen Nager zu retten.
Ein Live-Stream wurde eingerichtet, um das Bewusstsein für den Feldhamsterschutz zu stärken, und die Begeisterung für diese Tiere wächst. Marius Holzapfel ist mit seinen über 41.500 Followern auf Facebook nicht nur ein Fotograf, sondern auch ein Botschafter für die Natur. Seine Bilder von Bienen, die aus einem Wasserhahn trinken, haben ihm sogar den Neptun Staatspreis für Wasser eingebracht. Wenn das nicht beeindruckend ist!
Der Wiener Zentralfriedhof, ein Ort der Ruhe und des Gedenkens, hat sich somit zu einem spannenden Lebensraum entwickelt. Ein Ort, an dem die Natur sich ihren Platz zurückerobert und wo wir die Möglichkeit haben, sie hautnah zu erleben – und das ganz ohne Filter. Wer weiß, vielleicht entdeckt der ein oder andere Besucher beim nächsten Spaziergang auch einen der charmanten Feldhamster oder wird Zeuge von Holzapfels beeindruckenden Aufnahmen.
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