Wien-Döbling, 4. Juni 2026 – Wenn der Sommer in Wien Einzug hält, können die Temperaturen schnell über die 30-Grad-Marke klettern. Ende Mai 2023 war das der Fall, und die Folgen waren für alle im Schulbetrieb spürbar. Hohe Temperaturen machen den Unterricht nicht nur zur Herausforderung, sie beeinträchtigen auch die Konzentration von Schülern und Lehrern. Das AIT Austrian Institute of Technology hat festgestellt, dass die Anzahl der Hitzetage in Wien in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegen ist – von etwa 10 auf mittlerweile 30 Tage pro Jahr. Ein Umstand, der viele Fragen aufwirft.
Eine Umfrage unter über 1.500 Personen zeigt, dass 88 Prozent die Hitze als belastend empfinden. Besonders alarmierend: 97 Prozent der Befragten sind sich einig, dass im Juni mindestens eine Woche lang kein konzentrierter Unterricht möglich sei. In vielen Klassenzimmern wird es heißer als im Freien. Nur rund 10 Prozent der Bundesschulen sind klimatisiert – eine erschreckend niedrige Zahl, wenn man bedenkt, wie viele Schüler täglich betroffen sind. Die MA 56, die für die öffentlichen Pflichtschulen zuständig ist, denkt zwar über Maßnahmen wie UV-Schutzfolien und Außenbeschattungen nach, aber der Einsatz von mobilen Klimaanlagen bleibt oft aus. Diese stellen eine zusätzliche Brandlast dar und bringen nur geringe Kühleffekte. Das lässt die Frage aufkommen: Wie lange können wir es uns leisten, die Situation zu ignorieren?
Hitze im Klassenzimmer
Die Realität in den Klassenzimmern ist oft unerträglich. Lehrer und Schüler berichten von Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten, was den zielführenden Unterricht erheblich erschwert. Wenn dann auch noch die direkte Sonneneinstrahlung und nicht funktionierende Beschattungssysteme ins Spiel kommen, wird es schnell ungemütlich. Altbauten bieten oft einen gewissen Kühleffekt, während neuere Gebäude in der Regel weniger durchdachte Kühlsysteme haben.
Die rechtlichen Vorgaben sind klar: Ab einer Raumtemperatur von 30 °C müssen „wirksame Maßnahmen“ ergriffen werden, und bei Temperaturen über 35 °C gilt der Klassenraum als ungeeignet für den Unterricht. Das lässt uns aufhorchen: Kinder dehydrieren schneller, und das kann sich sogar negativ auf die Abiturnoten auswirken. Die „26-30-35-Ampel“ zeigt deutlich, wann Handlungsbedarf besteht – bei Temperaturen über 26 °C sind ergänzende Schutzmaßnahmen zu prüfen, ab 30 °C sollten Kurzstunden eingeführt werden und bei 35 °C muss der Unterricht verlegt oder die Räume geschlossen werden.
Maßnahmen gegen die Hitze
Ein durchdachter Hitzeschutz in Schulen könnte Abhilfe schaffen. Dazu gehört das Schließen von Jalousien, das Einführen von Kurzstunden oder sogar das Verlegen des Unterrichts ins Freie. In einigen Schulen, wie der Sport-Mittelschule Hauzenberg, kommen bereits dezentrale Deckengeräte zum Einsatz, die automatisch kühlen und lüften. Ein Beispiel, das Schule machen sollte! Auch die Einführung von regelmäßigen Trinkpausen und die Bereitstellung von feuchten Tüchern könnten helfen, Schüler und Lehrer während der heißen Monate zu unterstützen.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind dabei klar definiert. Eine Gefährdungsbeurteilung ist gesetzlich vorgeschrieben, und es gibt fünf Schritte, um diese durchzuführen. Es gilt, die Temperatur zu messen, die „Ampel“ einzuführen und schutzbedürftige Personen zu identifizieren. Ein Hitzeschutz-Plan, der jährlich evaluiert wird, könnte helfen, die Lage zu verbessern. Die Schulen müssen darauf vorbereitet sein, den Betrieb während akuter Hitzewellen anzupassen.
Die Zukunft gestalten
Die Bedeutung des baulichen Hitzeschutzes wird in den kommenden Jahren immer relevanter. Bei der Planung und Sanierung von Schulgebäuden sollten kühlende Maßnahmen berücksichtigt werden. Entsiegelung und Begrünung von Schulhöfen schaffen nicht nur kühlende Effekte, sondern auch ansprechende Aufenthaltsbereiche im Freien.
Die Herausforderung bleibt, die Schüler und Lehrkräfte vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze zu schützen. Dabei ist es wichtig, Hitzewarnungen ernst zu nehmen und diese an die Schulen weiterzuleiten. Der Schutz unserer Kinder vor gesundheitlichen Folgen durch Hitzestress sollte an oberster Stelle stehen. Nur so kann ein effektiver und gesunder Schulbetrieb aufrechterhalten werden.
