Heute, am 29. Mai 2026, gibt es Neuigkeiten aus dem Herzen von Wien-Döbling, die einige aufhorchen lassen könnten. Das Bürogebäude „Business Center Muthgasse“ hat einen neuen Eigentümer. Käufer ist ein Konsortium aus der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG und der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien. Das Ganze wurde von Deka Immobilien verkauft, die das Gebäude seit 2002 über den Offenen Immobilien-Publikumsfonds Deka-ImmobilienEuropa hielten. Über den konkreten Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, jedoch ergibt eine Grundbuchrecherche, dass dieser bei rund 1.850 Euro pro Quadratmeter liegen dürfte. Begleitet wurde die Transaktion von CBRE, einem internationalen Immobiliendienstleister.

Das Business Center befindet sich in der Mooslackengasse 22 bis 25 sowie in der Nußdorfer Lände 23 und erstreckt sich über eine beeindruckende Fläche von etwa 23.000 Quadratmetern, verteilt auf drei Bauteile. Wer jetzt denkt, dass das Gebäude nur ein weiterer grauer Kasten ist, der irrt sich gewaltig. Es ist nach dem Nachhaltigkeitsstandard BREEAM mit der höchsten TÜV-Süd-Gesamtbewertung „Exzellent“ zertifiziert, was in einer Zeit, in der Umweltschutz großgeschrieben wird, sicherlich ein Pluspunkt ist. Zudem gibt es 227 Stellplätze, was in einer Stadt wie Wien nicht zu vernachlässigen ist. Die Liegenschaft ist größtenteils an Unternehmen aus dem Raiffeisen-Sektor vermietet, darunter auch die Raiffeisen Bank International und das RSC Raiffeisen Service Center GmbH. Der größte Nicht-Raiffeisen-Mieter ist die Creditreform Wirtschaftsauskunftei.

Der Wiener Immobilienmarkt im Wandel

Der Immobilienmarkt in Wien zeigt sich derzeit in einem interessanten Licht. Laut Raiffeisen Immobilien gibt es eine große Nachfrage nach Immobilien in der Stadt, die jedoch durch sinkende Fertigstellungszahlen zu einem knappen Angebot führt. Besonders gefragt sind qualitativ hochwertige Bestandsobjekte, die anscheinend wie warme Semmeln verkauft werden. Die Toplagen, darunter die Innere Stadt und Döbling, erfreuen sich 2025 großer Beliebtheit, während sich in Randlagen wie Donaustadt oder Favoriten moderate Preise finden lassen. Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien, beschreibt die Situation treffend als „ausgetrocknet“. Steigende Preise in den Bereichen Eigentum und Miete sind die logische Folge.

Eine Pressekonferenz zum Wiener Immobilienmarkt zeigte, dass es auch soziale Herausforderungen gibt. Die Wohnungsnot wird zunehmend kritisch, und der Ruf nach mehr Wohnbau wird lauter. Ein Trend, der sich abzeichnet, ist die Notwendigkeit, die Neubautätigkeit anzukurbeln, um die Preise zu stabilisieren. Auch der Rückstand von bis zu 50.000 fehlenden Wohneinheiten in Wien wird angesprochen. Matthias Reith von Raiffeisen Research sieht 2025 als Jahr der Trendwende. Die Preise für gebrauchte Wiener Wohnungen haben sich zwischen Ende 2022 und Ende 2024 um bis zu 7,3% verbilligt, was stärker als der österreichische Durchschnitt ist. Neubauwohnungen hingegen haben sich um 1,7% verteuert, und für 2023 wird ein weiterer Preisanstieg von bis zu 3% erwartet.

Die Zukunft des Wohnens in Wien

Die Fertigstellungszahlen sind jedoch ernüchternd. Prognosen deuten darauf hin, dass im Jahr 2023 nur etwa 8.500 neue Wohnungen entstehen werden – ein klarer Rückgang im Vergleich zu den 16.200 Wohnungen im Jahr 2021. Um den Bedarf zu decken, wird eine jährliche Neubauleistung von mindestens 10.000 Wohnungen gefordert. Der Wohnraummangel könnte frühestens 2028 langsam abgebaut werden, was die Dringlichkeit des Themas unterstreicht. Interessant ist auch, dass Arbeitnehmer in Wien mittlerweile 21% mehr verdienen als noch Ende 2022. Die Preise für ein durchschnittliches Einfamilienhaus kosten jetzt rund sieben Jahresnettoeinkommen. Das lässt einen schon nachdenklich werden.

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Die Nachfrage nach Immobilien bleibt hoch, während das Angebot nach wie vor zu gering ist. In diesem Kontext hat die Raiffeisen Stadtbank Wien im Jahr 2022 privaten Wohnbau mit 300 Millionen Euro finanziert, was zeigt, dass die Banken auch auf den Zug aufspringen möchten. Es wird spannend zu sehen, wie sich der Markt weiterentwickelt – vor allem, wenn man die steigenden Grundstückspreise von 710 Euro im Jahr 2020 auf 1.140 Euro im Jahr 2022 betrachtet. Die Zukunft des Wohnens in Wien hängt also von vielen Faktoren ab, und das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen. Wer weiß, vielleicht bringt das Bürgerbeteiligungsverfahren für den neuen Stadtteil südlich der Gunoldstraße frischen Wind in die Sache.