In einem kleinen, aber feinen Event in Wien-Favoriten gab es im Juni 2023 eine ganz besondere Begegnung: Jeongkwan Snim, eine zen-buddhistische Nonne, die normalerweise im Baegyangsa-Tempel in Südkorea lebt, war zu Gast. Auf Einladung des Creative Studios Steinbrenner durfte das Publikum in die Geheimnisse der koreanischen Tempelküche eintauchen. Zwei Tage lang wurden die Besucher von ihren Kochkünsten und der tiefen Spiritualität, die in jedem Gericht steckt, verzaubert. Ihre Philosophie? Kochen ist nicht nur eine Tätigkeit, sondern eine Form der Meditation.

Jeongkwan Snim, die 2017 durch ihren Auftritt in der Netflix-Serie „Chef’s Table“ internationale Bekanntheit erlangte, lebt seit etwa 40 Jahren im Tempel. In der Episode konnten die Zuschauer einen Blick in ihre Welt werfen – eine Welt, in der Essen und Spiritualität untrennbar miteinander verbunden sind. Sie kocht nicht in einem Restaurant und hat ihre Fähigkeiten nicht durch eine formale Ausbildung erlernt, sondern durch die weise Weitergabe von Wissen innerhalb ihres Ordens. Im Tempel wird ausschließlich rein pflanzlich und ohne Zutaten wie Zwiebeln oder Knoblauch gekocht.

Die Magie der koreanischen Tempelküche

Die koreanische Tempelküche, die durch Jeongkwan Snim zu neuer Popularität gelangte, hat eine über 1700-jährige Tradition. Sie basiert auf Prinzipien wie Veganismus, mikrosaisonale Küche und Achtsamkeit. Diese Küche ist nicht einfach nur gesund, sie ist auch eine Kunstform, die mit unbehandelten Zutaten und Fermentation spielt. Die Nonne betont, dass die Qualität einer Zutat von ihrem Wachstumsstadium abhängt – das richtige Timing ist entscheidend. Kochen als spirituelle Praxis erfordert Aufmerksamkeit und Sorgfalt, was viele Spitzenköche weltweit inspiriert hat.

Die Gerichte, die während des Events zubereitet wurden, sind nicht nur nach Geschmack, sondern auch nach den sechs grundlegenden Geschmacksrichtungen – salzig, süß, sauer, bitter, scharf und adstringierend – ausgewogen. Und das ist nicht einfach nur ein Konzept, sondern eine tief verwurzelte Überzeugung. Die Teilnehmer lernten, dass Essen weit mehr ist als Nahrungsaufnahme; es ist eine Verbindung von Körper, Geist und der Natur.

Ein Blick in die Zukunft der Tempelküche

Inmitten all dieser Traditionen und tiefen Überzeugungen gibt es auch moderne Einflüsse. Seonjae, eine andere buddhistische Nonne, die als Temple Food Master gilt, hat Workshops veranstaltet, um die Freude am gemeinsamen Kochen zu vermitteln – auch in Zeiten von Corona. Ihre Rezepte, wie eingelegte Walnüsse in Chilipaste oder gedämpfte Kartoffeln, zeigen, dass die Tempelküche nicht nur gesund, sondern auch kreativ und vielfältig ist. Fermentierte Zutaten wie Kimchi und Bohnenpaste sind zentrale Bestandteile dieser Küche und tragen zur Nachhaltigkeit bei, ein Prinzip, das in der heutigen Zeit immer wichtiger wird.

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Die Tempelküche ist also nicht nur eine Form der Nahrungszubereitung, sondern auch eine Antwort auf viele der Umweltprobleme, mit denen wir konfrontiert sind. Sie ermutigt dazu, Lebensmittel als Medizin zu betrachten und den überflüssigen Konsum zu vermeiden. Achtsamer Genuss und das Teilen von Nahrung sind essenzielle Aspekte, die den Menschen helfen, eine tiefere Verbindung zu sich selbst und ihrer Umwelt herzustellen. Wer die koreanische Tempelküche authentisch erleben möchte, hat die Möglichkeit, Tempelaufenthalte in der Nähe von Seoul zu buchen und dabei rituelle Mahlzeiten und Meditationen zu genießen.

Für die, die sich mehr für diese Philosophie interessieren, gibt es zahlreiche Bücher, wie „Wookwan’s Korean Temple Food“, die Einblicke und Rezepte zur koreanischen Tempelküche bieten. Es ist ein Weg, um die Balance zwischen Genuss und Spiritualität zu finden, und vielleicht auch eine Einladung, die eigene Küche einmal anders zu betrachten.

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