Klimawindkanal in Wien: Forschung für die Zukunft der Technologie
Ein ganz normaler Tag in Wien-Floridsdorf, und doch passiert hier etwas, das weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt. Der Klimawindkanal der Rail Tec Arsenal (RTA) ist nicht nur ein technisches Wunderwerk, sondern auch ein Ort, an dem Wissenschaft und Innovation aufeinandertreffen. Hier wird geforscht, getestet und entwickelt. Man könnte sagen, es ist das Herzstück für zahlreiche Technologien, die unseren Alltag sicherer und komfortabler machen.
Im Jahr 2023 hörte Jimmy Kenyon, der Direktor des NASA Glenn Research Centers, einen Vortrag von Hermann Ferschitz, dem Geschäftsführer von RTA. Dieser sprach über ein Phänomen, das vielen von uns vermutlich unbekannt ist: „freezing rain“. Dabei handelt es sich um Regen, der beim Aufprall auf kalte Oberflächen sofort gefriert und gefährliche Eisschichten bildet. Kenyon äußerte seine Bedenken, denn die NASA hatte bereits ähnliche Experimente durchgeführt, die nicht die gewünschten Ergebnisse lieferten. Doch Ferschitz blieb gelassen und erklärte, dass RTA durch eine asymmetrische Bauweise des Klimawindkanals den Effekt der stufenweisen Beschleunigung erreichen konnte.
Der größte Klimawindkanal der Welt
RTA betreibt den größten Klimawindkanal der Welt in Wien, in dem künstliche Wolken erzeugt werden. Die beeindruckende Anlage umfasst zwei Kanäle, die Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h im großen Kanal und 120 km/h im kleinen Kanal erreichen können. Temperaturen von minus 50 bis plus 60 Grad Celsius lassen sich dort simulieren. Das ist nicht nur für die Forschung von Bedeutung, sondern auch für die Praxis. Testobjekte reichen von Schienen- und Straßenfahrzeugen über Flugzeuge und Helikopter bis hin zu Sonderfahrzeugen.
Die Kunden sind namhaft: Siemens, Alstom, ÖBB, Airbus, Safran, MAN und VW – sie alle profitieren von den Forschungsergebnissen der RTA. Die Arbeiten hier verbessern alltägliche Erfahrungen, etwa die gleichmäßige Temperatur in Zügen oder die Sicherheit von Flugzeugflügen durch Wolken. Das ist schon eine ganz schöne Leistung, wenn man bedenkt, dass die RTA erst 1961 gegründet wurde und 2001 in die neue Einrichtung in Floridsdorf umgezogen ist. Bis jetzt flossen 70 Millionen Euro in die Anlage, und RTA setzt jährlich 16 Millionen Euro um.
Forschung für die Zukunft
Doch nicht nur die Infrastruktur ist beeindruckend. Auch die Menschen, die hier arbeiten, sind kreativ und engagiert. Hamza Selimovic forscht an der Isolierung von Zugwaggons, um den Energieverbrauch zu optimieren. Florian Knöbl kümmert sich um Luftfahrttestsysteme und entwickelt Enteisungssysteme. Johannes Lucke hingegen untersucht die Auswirkungen von Teilchengrößen und Wassergehalt in Wolken. Gemeinsam schaffen sie es, innovative Lösungen zu finden, die den Alltag der Menschen verbessern.
Die RTA kooperiert zudem mit Fachhochschulen und Universitäten wie der FH Joanneum, TU Wien, TU Dresden und DLR, um stets an der Spitze der Forschung zu stehen. Diese Kooperationen sind entscheidend, um den technologischen Fortschritt voranzutreiben.
Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich: Das FKFS betreibt ebenfalls fünf verschiedene Windkanäle, die für industrielle Entwicklungsarbeiten und Grundlagenforschung genutzt werden. Hier werden auch moderne Aerodynamik- und Aeroakustik-Windkanäle eingesetzt, die realitätsnahe und reproduzierbare Tests ermöglichen. Die Windkanäle sind nicht nur für die rein technische Forschung gedacht, sondern bieten auch Consulting und Lehrgänge für Interessierte an.
In einem Zeitalter, in dem Klimawandel und Energieeffizienz ganz oben auf der Agenda stehen, sind Einrichtungen wie die RTA von immenser Bedeutung. Sie helfen nicht nur, Technologien zu entwickeln, die unseren Alltag sicherer machen, sondern tragen auch aktiv zur Reduktion des Energieverbrauchs bei – ein Schritt in die richtige Richtung. Und so bleibt die RTA ein Ort voller Möglichkeiten und Herausforderungen, der auch in Zukunft zahlreiche spannende Entwicklungen verspricht.
Wenn ihr mehr über die faszinierenden Arbeiten der RTA erfahren möchtet, schaut mal auf die Die Presse vorbei – es lohnt sich!
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